Betriebliches Gesundheitsmanagement: Darum macht sich BGM für Unternehmen bezahlt

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Darum macht sich BGM für Unternehmen bezahlt

Das „betriebliche Gesundheitsmanagement“ (BGM) umfasst sämtliche gesundheitsförderliche Prozesse und Maßnahmen, die langfristig die Gesundheit am Arbeitsplatz erhält. Das BGM plant, analysiert und entwickelt Strategien zur Durchführung dieser einzelnen Maßnahmen. Außerdem sieht das betriebliche Gesundheitsmanagement eine Kontrolle und Evaluation der neu entwickelten Konzepte vor.

Nur wenn das BGM Konzept tatsächlich Wirkung zeigt, bringt es den gewünschten Erfolg. Werden durch das BGM gute Arbeitsbedingungen geschaffen, erhöht sich gleichzeitig die Lebensqualität der Angestellten. Dies wirkt sich auf die Gesundheit und auf die Motivation der Betriebsangehörigen aus und schlägt sich in einer Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens nieder.

    Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers (Verhältnisprävention)

    Arbeitgeber haben eine sogenannte Fürsorgepflicht, d. h. sie müssen das Wohlergehen ihrer Beschäftigten sicherstellen und verhindern, dass die Arbeit diese krank macht. Diese Fürsorgepflicht ist eine Grundlage für jedes Arbeitsverhältnis und wird teilweise durch betriebliches Gesundheitsmanagement gewährleistet. BGM ist für Unternehmen aber nicht verpflichtend

    Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers wird durch verschiedene Gesetze genau vorgegeben. Das sind:

    • das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG),
    • die Gefahrenstoffverordnung,
    • das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG),
    • die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und
    • die Unfallverhütungsvorschriften.

    Seit einigen Jahren sind die Anforderungen an Unternehmen und Einrichtungen auch im Präventionsgesetz festgeschrieben: Prävention und Gesundheitsförderung sollen in allen Lebensbereichen und für jede Altersstufe gestaltet werden. Betriebliche Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz werden dabei enger verknüpft.

    Danach müssen Arbeitgeber u. a. folgende Pflichten erfüllen.

    © Uta Fuchs – Redaktion Safety Xperts

    Von der arbeitsmedizinischen Vorsorge über die Gefährdungsbeurteilung zum Gesundheitsschutz: Ein betriebliches Gesundheitsmanagement hilft, alle Maßnahmen zu Sicherheit, Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung zu bündeln, erlaubt einen besseren Überblick und sorgt für eine gewisse Rechtssicherheit.

    Leider nehmen manche immer noch an, dass „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ zu kostenintensiv sei. Dies ist aber nicht der Fall! Allein wenn man die sinkenden Fehltage durch Krankheiten dagegen aufrechnen, spricht das für BGM statt dagegen. Erfahren Sie bei uns weitere Gründe, warum sich die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements für Ihr Unternehmen lohnen kann.

    5 Vorteile von BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement)

    1. Psychische Belastungen erkennen

    Entwicklungen der Arbeitswelt und Erkenntnisse aus Praxis und Forschung schlagen sich auch in den Vorschriften nieder: In der gesetzlich geforderten Gefährdungsbeurteilung geht es längst nicht mehr nur um die „klassischen“ Risiken wie das schwere Heben und Tragen oder Arbeiten in Zwangshaltungen. Heute müssen auch die psychischen Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Denn zur steigendenden Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage tragen Ausfälle durch erhöhte psychische Beanspruchungen erheblich bei.

    Kaum jemand hat heute seinen Arbeitsplatz auf Lebenszeit. Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes ist also nicht selten. Dazu kommt der Druck, sich auch am vertrauten Arbeitsplatz immer wieder auf neue Anforderungen einstellen zu müssen.

    Das kann unter Kollegen zu einer Wettbewerbssituation führen. Gesellen sich dazu noch überforderte Führungskräfte, unklare Anweisungen und Versagensängste, sind Ausfälle wegen zu großer psychischer Beanspruchungen vorprogrammiert – Stichwort: Berufskrankheit.

    Doch nicht nur überforderte Mitarbeiter fallen aus. Auch die Leistungsträger laufen immer wieder in die „Überlastungsfalle“: dadurch droht langfristig Burnout.

    Andauernde Stresssymptome können Erkrankungen hervorrufen, die bis zur Arbeitsunfähigkeit führen. Diese Entwicklung spiegelt sich in einer wachsenden Zahl von Frühverrentungen wider, die ihre Wurzeln in psychischen Belastungen haben.

    Ein BGM hilft, die Verantwortlichen und die Beschäftigten der Einrichtung für psychische Belastungen zu sensibilisieren und vor allem präventive Maßnahmen umzusetzen.

    © Statistisches Bundesamt (Destatis), 2018

    2. Folgen des demografischen Wandels abmildern

    Immer mehr Verantwortliche in Einrichtungen des Gesundheitswesens machen sich Gedanken über Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement. Doch nicht nur weil der Gesetzgeber das so will, sondern auch aus eigenem (wirtschaftlichen) Interesse,

    Inzwischen nimmt der Anteil der Beschäftigten, die älter als 50 sind, in allen Branchen stetig zu. Betrug er 1990 ca. 23 %, sind es heute 31 %. Im Gesundheitswesen ist der Anteil an Arbeitnehmern, die die Fünfzig überschritten haben, sogar höher. Hier waren 2016 bereits 39 % der Beschäftigten über 50 Jahre alt.

    Eigentlich ist es von Vorteil, wenn Arbeitnehmer immer älter werden, denn die Unternehmen können von der Erfahrung der älteren Semester profitieren. Zum anderen sagt der bekannte Spruch „60 ist das neue 40“, dass Menschen, die noch vor einigen Jahren als Senioren galten, heute durchaus noch fit und leistungsstark sind. Hinzu kommt, dass viele Arbeitnehmer dieser Altersklasse sogar noch möglichst lange arbeiten wollen.

    Doch während bei 30- bis 34-Jährigen im Durchschnitt 8,6 Tage pro Krankheitsfall zu verzeichnen sind, sind das bei den 60- bis 64-Jährigen bereits 21,6 Tage. Dies geht vor allem auf einen Anstieg der Herz-Kreislauf- sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen zurück.

    Fazit: Wenn alternde Belegschaften steigende Anforderungen im Arbeitsleben bewältigen sollen, drohen höhere Ausfallzeiten. Die kann verhindert werden, indem die Ausstattung im Betrieb und die Arbeitsbedingungen angepasst werden!

    Wichtig: Ein BGM hilft, weil dabei Überlastung im Arbeitsalltag ganz systematisch mit präventiven Maßnahmen vorgebuegt wird. Dieser systematische Ansatz verspricht mehr Erfolg als sporadische Einzelaktivitäten.

    3. Effizienteres Personalmarketing und bessere Mitarbeiterbindung

    Der demografische Wandel führt nicht nur zu durchschnittlich älteren Belegschaften, sondern auch dazu, dass „Personal“ ein immer knapper werdendes Gut wird. Fakt ist, in den nächsten Jahren wird die Anzahl der Erwerbsfähigen im Land noch weiter sinken, was diverse Statistiken bereits jetzt belegen: Standen dem Arbeitsmarkt im Jahr 2013 noch ca. 45 Millionen Personen zur Verfügung, werden es 2030 bereits 5 Millionen Personen weniger sein. Das kann in vielen Branchen zu erheblichen Problemen führen.

    Der Wandel in unserer Arbeits- und Lebenswelt sorgt zusätzlich dafür, dass das Bedürfnis nach „gesunder Arbeit“ immer stärker in unser Bewusstsein rückt und im Arbeitsalltag eine immer wichtigere Rolle spielt.

    Wichtig: BGM hilft dabei, gutes Personal zu gewinnen, denn Aktivitäten zur Gesundheitsförderung steigern die Attraktivität des Arbeitgebers. Trotzdem darf der Stellenwert der arbeitsmedizinischen Vorsorge nicht vernachlässigt werden.

    4. Unkosten reduzieren

    Werden Arbeitnehmer krankt, verursacht das Kosten, wie z. B.

    • Entgeltfortzahlungen und Krankengeld.
    • die Problembeseitigung bei den beeinträchtigten Mitarbeitern (z. B. die Unterstützung für gesundheitsfördernde Maßnahmen) oder Unfallkosten und
    • Ersatzkräfte/Überstunden.

    Außerdem hat eine steigende Zahl von Krankheitstagen weitere Folgen:

    • Sinkende Motivation bei den gesunden Kollegen, wenn ein Mitarbeiter häufig fehlt, da sie dessen Arbeiten mit erledigen müssen.
    • Wettbewerbsfähigkeit der Einrichtung sinkt bei einer überdurchschnittlich hohen Krankheitsquote.

    Mit einer mitarbeiterorientierten Führung unter optimierten Arbeits- und Organisationsprozessen, sowie einer gesundheitsorientierten Kultur können Einrichtungen dazu beitragen, ihre Mitarbeiter gesund und leistungsfähig zu erhalten. Es ist erwiesen, dass sich eine gesundheitsorientierte und wertschätzende Unternehmenskultur positiv auf die Gesundheit der Arbeitnehmer auswirkt.

    5. BGM ermöglicht standardisierte Arbeitsprozesse für eine konstant hohe Arbeitsqualität

    Die Arbeitsbedingungen beschreiben die rechtlichen und tatsächlichen Bedingungen, unter denen Arbeitnehmer ihre Arbeitsleistung erbringen. Die rechtliche Gestaltung der Arbeitsbedingungen erfolgt in Form von:

    • Gesetzen
    • Tarifverträgen
    • Arbeitsverträgen
    • Betriebsverordnungen

    Arbeitsbedingungen nach dem BGM sind standardisiert und für alle Angestellten gültig. Darüber hinaus sind die jeweiligen Arbeitsbedingungen maßgeblich für die Arbeitsergebnisse verantwortlich. Wenn die physische oder psychische Belastung steigt, mindert das die Arbeitsqualität. Zudem müssen die Arbeitsbedingungen auf ihre Inhalte kontrolliert werden. Unter anderem sind Ausführbarkeit der Arbeit und die Persönlichkeitsförderung Kriterien dafür.

    Darüber hinaus hat das Gesundheitsmanagement Auswirkungen auf die Produktivität und die Dienstleistungsqualität eines Unternehmens. Wird BGM in einem Unternehmen eingeführt, handelt es sich praktisch um eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

    Welche Handlungsfelder umfasst das BGM?

    Neben dem Notfall- und Krisenmanagement und dem Fehlzeitenmanagement umfasst das BGM weitere Handlungsfelder, wie z.B.

    • Arbeitsschutz
    • Prävention (Suchtprävention)
    • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)
    • Personal- und Organisationsentwicklung

    Welche Rolle spielt die Prävention im Rahmen des BGM?

    Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements spielt die Gesundheitsprävention im Betrieb eine besondere Rolle. Hierbei geht es nicht nur um klasische Präventionsbereiche wie Alkohol- oder Drogensucht. Betriebe sollten im Rahmen des BGMs auf gesunde Ernährung und auf spezielle Fitnessangebote achten. Mit solchen „Benefits“ wird auf lange Sicht das Auftreten arbeitsbedingter Krankheiten auf ein Minimum reduziert. Manche Unternehmen schaffen es, Berufskrankheiten durch gezielte Prävention ganz zu vermeiden.

    Firmen, die sich präventiv für ihre Beschäftigten einsetzen, bekommen in der Regel von ihren Mitarbeitern eine gute Bewertung. Je mehr präventive Maßnahmen angeboten werden, desto besser ist die Außenwirkung beziehungsweise das Image des Betriebes. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem:

    • Bereitstellung eines Obstkorbs
    • Mobiles Massageangebot
    • Kostenlose Getränke zur Verfügung stellen
    • Firmenläufe und Firmen-Fitness-Events
    • Sozialbetreuung im Unternehmen anbieten
    • Arbeitspsychologischer Dienst

    Mit Blick auf sportliche Aktivitäten kann das Unternehmen gleichzeitig seine Corporate Identity durch Corporate Activity steigern. Prävention ist im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements ebenfalls eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

    Welche Ziele verfolgt das betriebliche Gesundheitsmanagement?

    Bevor Unternehmen das BGM in die vorhandene Unternehmensstruktur implementieren, sollten es die Ziele festgelegen. Anhand dieser werden die später durchzuführenden Maßnahmen entwickelt.

    Die wichtigsten Ziele sollten dabei die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitsplätze sowie die Stärkung und Förderung der Kompetenzen der einzelnen Mitarbeiter sein. Die Ziele des BGM sollten sich an den Zielen des Unternehmens orientieren und nochmals in harte und weiche Zielkriterien unterschieden werden:

    Harte Zielkriterien des BGMs

    • Fluktuation
    • Berufskrankheiten
    • Fehlzeiten
    • Produktivität
    • Qualität

    Weiche Zielkriterien des BGMs

    • Mitarbeiterzufriedenheit
    • Wohlbefinden
    • Identifikation
    • Allgemeines Betriebsklima

    Wichtig: Für die Etablierung und Integration des BGM ist, dass die Ziele der Belegschaft bekannt sind und von ihnen akzeptiert werden.

    Tipp: Mit der Festlegung der Ziele sollte man gleichzeitig die Projektdauer bestimmen. Darüber hinaus sollten Unternehmen festlegen, woran erkennbar ist, wann ein Ziel erreicht wurde. Hier hilft die Evaluation, die eine sach- und fachgerechte Untersuchung beziehungsweise Bewertung bezeichnet. Aus dieser wird ersichtlich, was das Projekt gebracht hat.

    Strukturen für das BGM-Projekt schaffen

    Wenn die Ziele festgelegt sind, kann man mit dem nächsten Schritt fortfahren und die notwendigen Strukturen schaffen, die für die Einführung des BGM essenziell sind. Hierfür ist eine Person zu bestimmen, die das Projekt betreut und leitet (Projektleiter). Dies kann zum Beispiel der Arbeitsschutzbeauftragte oder jemand aus dem Personalwesen sein. Manche Betriebe haben einen eigenen Gesundheitsmanager.

    Der Projektleiter ist für den Aufbau der Projektgruppe zuständig. Diese kümmert sich später nicht nur um die Planung und Umsetzung des BGM, sondern trifft sich auch in regelmäßigen Abständen, um den Erfolg der „neuen“ BGM-Maßnahmen zu überprüfen.

    Tipp: Im besten Fall setzt sich eine solche Projektgruppe aus mehreren Hierarchiestufen des Unternehmens zusammen. Die optimale Zusammensetzung: eine Person aus dem Betriebsrat, ein Arbeitsmediziner und eine Sicherheitsfachkraft. Es empfiehlt sich, dass auch jemand von der Geschäftsleitung zur Projektgruppe gehört, denn so lassen sich strategische Entscheidungen wesentlich schneller fällen. Teilweise sind auch externe Berater als Mitglied der BGM-Projektgruppe sinnvoll.

    Warum? Ein Blick von außen auf die Umsetzung des BGM-Projekts kann eine Bereicherung sein, da sich so eine gewisse „Betriebsblindheit“ vermeiden lässt.

    Betriebliches Gesundheitsmanagement: Die IST-Analysen

    Wenn die Projektgruppe die entsprechenden Strukturen geschaffen hat, kann mit der IST-Analyse begonnen werden. Hierbei geht es um die Identifizierung der Stärken und Schwächen des Betriebs. Die IST-Analyse sollte alle Ebenen eines Unternehmens mit einbeziehen. Eine Befragung aller Mitarbeiter sowie Führungskräfte ist sinnvoll. Sie sind in dem Fall nämlich die Spezialisten für das, was im Betrieb abläuft.

    Gängige Verfahren sind Mitarbeiterbefragungen, einzelne Interviews mit Teamleitern oder Arbeitssituationsanalysen.

    Tipp: Im Rahmen der Analyse kann die Projektgruppe einen externen Berater hinzuziehen. Die Beratung von außen ist in den meisten Fällen sinnvoll, um einer eventuellen Betriebsblindheit entgegenzuwirken. Solche externen Berater wären z. B.  Mitarbeiter von Krankenkassen oder Berufsgenossenschaften. Sie können Betriebsbegehungen durchführen oder Krankenstatistiken und Altersstrukturanalysen erstellen.

    Das „Betriebliche Gesundheitsmanagement“ bietet Unternehmen die Möglichkeit, Arbeit mit ihren Möglichkeiten und Herausforderungen und kontinuierlichen Veränderungen gewinnbringend für den Betrieb zu gestalten. Vor dem Hintergrund der Analyse sind zwei Fragestellungen wichtig.

    1. Was demotiviert und frustriert die Mitarbeiter und macht sie krank?
    2. Was motiviert und schafft Arbeitszufriedenheit?

    Nur wenn zu den beiden Fragen eine ehrliche Stellung bezogen wird, ist ein erster Ansatz zu erkennen, mit dem gearbeitet werden kann. Im Anschluss lassen sich daraus die Maßnahmen und Strategien zur Umsetzung des Gesundheitsmanagements entwickeln. Im Rahmen des BGM werden hauptsächlich zwei Strategien verfolgt.

    • Korrektive Strategie: Hierbei kümmert sich das Unternehmen um die Mitarbeiter, die abwesend, krank und/oder demotiviert sind.
    • Präventive Strategie: Bei diesem Ansatz konzentriert sich der Betrieb auf die Mitarbeiter, die anwesend, gesund und motiviert sind. Diese Beschäftigten bilden die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg und sind ein Garant für eine sichere Zukunft.

    Für welche Strategie sich ein Unternehmen entscheidet, hängt unter anderem von der Anzahl der Mitarbeiter ab. Dennoch stellt sich nicht die Frage nach einer besseren oder schlechteren Strategie. Beide Ansatzpunkte haben ihre Vorzüge. Im besten Fall sollten die Strategiearten miteinander verknüpft werden. Die korrektiven Strategien lassen sich zum Beispiel mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) und mit dem Fehlzeitenmanagement (FZM) kombinieren.

    BGM: Ein Zusammenspiel von Arbeitsschutz und betrieblicher Gesundheitsförderung

    Der präventive Ansatz im BGM setzt sich aus dem Arbeitsschutz im Betrieb und einer betrieblichen Gesundheitsförderung zusammen. Nur wenn alle betrieblichen Strategien aufeinander abgestimmt werden, ist eine erfolgreiche Implementierung des BGM möglich.

    Achtung: Ohne die Einbindung aller Beteiligten und aller betroffenen Bereiche ist kein ganzheitliches BGM möglich. Allein eine betriebliche Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz schafft langfristig keine bessere Abwesenheitsquote, Arbeitszufriedenheit und Motivation der Beschäftigten – Stichwort: Verhaltensprävention.

    Betriebliches Gesundheitsmanagement
    © endostock – fotolia.com

    Welche Maßnahmen legt man für das betriebliche Gesundheitsmanagement fest?

    Für ein ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement sind sowohl betriebliche als auch persönliche Maßnahmen festzulegen. Betriebliche Maßnahmen betreffen z. B.

    • die Arbeitsorganisation,
    • die berufliche Qualifikation,
    • das Betriebsklima,
    • die Arbeitsumgebung
    • die Arbeitsinhalte.

    Ein wichtiger Bestandteil des BGM ist das Konfliktmanagement, um den Umgang mit Konflikten unter den Beschäftigten zu verbessern. Das Verhalten der Vorgesetzten gegenüber den Mitarbeitern zählt ebenfalls zu den Maßnahmen, die im Rahmen des BGM umzusetzen sind.

    Zu den BGM-Maßnahmen gehört auch, die Arbeitsumgebung in Bezug auf Lärmschutz und Lichtverhältnisse positiv zu arrangieren und die Arbeitsinhalte vielseitiger zu gestalten. Um die Maßnahmen festzulegen, ist es wichtig, unter den Mitarbeitern das persönliche Verhalten zur Gesundheit anzuregen und zu verbessern. Dies können zum Beispiel Maßnahmen zur Verbesserung des Zeitmanagements oder zur gesunden Ernährung gekoppelt mit mehr Bewegung und Entspannung sein.

    Wie kann man die Maßnahmen nach dem BGM umsetzen?

    Im nächsten Schritt sind die beschlossenen Maßnahmen umzusetzen. Für die Umsetzung diskutiert das BGM-Projektteam bzw. der Gesundheitszirkel die Ergebnisse aus der Analyse. Wichtig ist, dass bei der Maßnahmenplanung eine Person aus der Geschäftsführung mit anwesend ist. Darüber hinaus kann eine externe Beratung bei der Umsetzung der Maßnahmen anwesend sein.

    Wichtig ist weiterhin, dass sich zeitnah für eine Maßnahme mit sogenannter „Symbolwirkung“ entschieden wird. Diese Symbolmaßnahme sollte zudem kostengünstig und schnell umgesetzt werden, ohne groß Ressourcen aufzufressen.

    Bei der Umsetzung muss das Unternehmen darauf achten, aktuelle Rückmeldungen an die Beschäftigten zu geben und sie somit auf dem Laufenden halten. Zudem ist eine regelmäßige Weiterbildung für die Personen sinnvoll, die zum Gesundheitszirkel gehören.

    Was ist bei der Evaluation der Maßnahmen wichtig?

    Diesbezüglich sind zwei Dinge besonders wichtig:

    • die Ergebnisse müssen überprüft werden
    • der gesamte Prozess der Implementierung des BGM ist zu überprüfen

    Bei der Evaluation haben Unternehmen das Ausmaß der Zielerreichung und die Auslastung der erarbeiteten Angebote zu kontrollieren. Bei der Prozessevaluation analysiert man die Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen.

    Hier helfen einige Fragen, um den Prozess zu reflektieren und zu verbessern:

    Wie kann ein betrieblicher Gesundheitsmanager bei der Umsetzung der BGM-Maßnahmen helfen?

    Die Evaluation des Betrieblichen Gesundheitsmanagements können betriebliche Gesundheitsmanager vornehmen. Sie sind der kompetente Ansprechpartner und übernehmen die interne Beratung zu allen Fragen des betrieblichen Gesundheitsschutzes und der betrieblichen Gesundheitsförderung.

    Gesundheitsmanager erkennen potenzielle Gesundheitsgefahren und -risiken und können dementsprechend reagieren. Unternehmen können entweder einen externen Gesundheitsmanager für die Implementierung des BGM beauftragen oder einen eigenen Mitarbeiter zum Gesundheitsmanager ernennen. Letztgenannte Option hat den Vorteil, dass ein Beschäftigter den Betrieb bereits gründlich kennt und um die Stärken und Schwächen weiß.

    Die Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie die Handwerkskammern in Deutschland bieten einen entsprechenden Zertifikatslehrgang zum Gesundheitsmanager an. Darin werden die positiven wirtschaftlichen Aspekte der Gesundheitsförderung vermittelt. In dem Lehrgang erfahren die Teilnehmer, welche Personen und Institutionen für die Implementierung des BGM involviert werden müssen und wie Gesundheitsförderung innovativ und kostengünstig umgesetzt werden kann.

    Zusammen mit der Projektgruppe nimmt der Gesundheitsmanager eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes vor.

    Wie lauten die rechtlichen Grundlagen für die Gefährdungsbeurteilung?

    In den vergangenen Jahren haben psychische Belastungen unter Beschäftigten kontinuierlich zugenommen. Dazu gehört auch das „Burn-out“. Diese und weitere Erkrankungen führen zu hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten. Aus diesem Grund haben die psychischen Belastungen Eingang ins Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) gefunden.

    In § 5 ArbSchG Asbs.1 steht:

    Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind.

    Der vollständige Paragraph kann auf der Webseite des Bundesjustizministeriums nachgelesen werden.

    Der Paragraph des Arbeitsschutzgesetzes bezieht sich allerdings nur auf die Analyse der Belastungen aus der Arbeit – des Arbeitsinhalts. Darüber hinaus bezieht sich die rechtliche Grundlage auf die Arbeitsorganisation, das soziale Miteinander und auf die Arbeitsumgebung. Subjektive Empfindungen Einzelner und die psychische Verfassung spricht man damit nicht an.

    Dahingehend müssen Unternehmen im Rahmen der Implementierung des BGM ihre Gefährdungsbeurteilung ausrichten. Damit werden psychische Belastungen aus der Arbeit sichtbar gemacht und die einzelnen Belastungen nochmals nach Schwere beurteilt. Auf Grundlage dessen entwickelt und setzt man die einzelnen Maßnahmen des BGM um.

    Welches Ziel verfolgt die Gefährdungsbeurteilung?

    Vor dem Hintergrund des BGMs hat die Gefährdungsbeurteilung das Ziel, die psychische Belastung am Arbeitsplatz zu erkennen und zu analysieren. Darüber hinaus geht es darum, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um psychische Belastung zu reduzieren und im besten Fall ganz aufzulösen.

    Die Arbeitsintensität, die soziale Unterstützung am Arbeitsplatz oder die Dauer der Arbeitszeit sind Faktoren, die zur psychischen Belastung von Beschäftigten beitragen.

    Wenn Unternehmen eine Gefährdungsbeurteilung durchführen oder durchführen lassen, muss auf folgendes geachtet werden:

    • Die entsprechenden Methoden sollten zu den Arbeitsinhalten, der Organisation und den sozialen Beziehungen der Mitarbeiter untereinander passen.
    • Eine genaue Beschreibung der Arbeitsorganisation ist erforderlich, um optimale Maßnahmen zur Reduzierung der psychischen Belastung ergreifen zu können.

    Fazit – Betriebliches Gesundheitsmanagement ins Unternehmen bringen

    Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist keine neue Erfindung. Es geht auf die sogenannte Ottawa-Charta von 1986 zurück. Die Charta formulierte das Ziel, die Bevölkerung zu einem selbstbestimmten Umgang mit der Gesundheit zu führen und die Lebenswelt gesundheitsförderlich zu gestalten (Verhaltensprävention). Daneben hat das BGM eine lange Tradition im Arbeitsschutz. Im Rahmen europäischer Gesetzesinitiativen wurde das BGM in der Vergangenheit immer wieder gestärkt.

    Dabei handelt es sich nicht um die Einführung eines Gesundheitstages oder eines Sporttages für Mitarbeiter in kleinen Betrieben und großen Unternehmen. Dies sind einzelne Bestandteile im Rahmen des BGM. Vielmehr muss es ganzheitlich gedacht werden. Es umfasst alle gesundheitsförderlichen Prozesse in einem Betrieb.

    Das Betriebliche Gesundheitsmanagement fördert nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter im Unternehmen, sondern auch die Leistungsfähigkeit und damit die Produktivität. Darüber hinaus hat das BGM zum Ziel, die Motivation der Beschäftigten langfristig zu steigern. Letztendlich zielen die Ansätze des BGM auf die Reduzierung von Fehlzeiten ab, um den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs zu sichern.

    Autor: Redaktion SafetyXperts

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