Hand in Hand: So wichtig sind Arbeitsbedingungen für den Arbeitsschutz

Hand in Hand: So wichtig sind Arbeitsbedingungen für den Arbeitsschutz

Die Arbeitsbedingungen sind nicht nur ein wichtiger Aspekt im betrieblichen Gesundheitsschutz. Auch für die Motivation und das Arbeitsklima sind gute Arbeitsbedingungen entscheidend.

Der Begriff „Arbeitsbedingungen“ umfasst ein weites Feld. Rechtlich geregelt sind die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten durch das Arbeitsrecht und die jeweiligen Tarifverträge, aber auch durch Betriebsvereinbarungen und nicht zuletzt durch Arbeitsverträge.

    Für die Arbeitssicherheit und den Arbeitsschutz spielen die Bedingungen, unter denen die Beschäftigten ihrer Tätigkeit nachgehen, eine bedeutende Rolle. 

    Arbeitsbedingungen für jede Branche

    Laut Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) verbringen weniger als die Hälfte der Menschen ihren Arbeitstag im Büro. Die übrigen Arbeitnehmer sind in der Produktion und Industrie, im Handwerk und im Dienstleistungssektor beschäftigt. Überall herrschen andere Arbeitsbedingungen. 

    Grundsätzlich kann man sagen, dass der deutsche Arbeitsmarkt von zehn Branchen dominiert wird, in denen viele Millionen Euro erwirtschaftet werden. 

    Die 10 größten Branchen in Deutschland: 

    1. Gesundheitsbranche 
    2. Tourismusbranche 
    3. Logistikbranche 
    4. IT- und KT-Branche
    5. Maschinen- und Anlagenbau
    6. Elektroindustrie
    7. Automobilbranche
    8. Banken/Kreditinstitute
    9. Energiebranche
    10. Lebensmittelbranche

    Arbeitsbedingungen: Rechtslage beachten

    Die für ein Unternehmen geltenden betrieblichen Arbeitsbedingungen werden durch den Arbeitgeber definiert. Dabei muss er natürlich die geltende Rechtslage beachten. Diese Ausgestaltung – allgemeine Arbeitsbedingungen genannt – wird zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer meist vertraglich festgehalten. 

    Dabei regelt der Arbeitsvertrag die allgemeinen Arbeitsbedingungen, zu denen ein Beschäftigter angestellt wird. In diesem Sinne ist er einem Kaufvertrag vergleichbar, der den jeweiligen allgemeinen Geschäftsbedingungen unterliegt.

    Hier wie dort sind die meist nicht verhandelbar. Im Arbeitsvertrag werden sie vom Arbeitgeber vorformuliert und dem Arbeitnehmer bei Vertragsunterzeichnung vorgelegt. 

    Damit stimmt der Mitarbeiter den im Betrieb geltenden Regeln zu. Das Spektrum der im Arbeitsvertrag möglichen enthaltenen Arbeitsbedingungen ist groß: 

    Wichtige Arbeitsbedingungen, die in der Regel im Arbeitsvertrag fixiert werden: 

    • Lohn/Gehalt
    • Arbeitsleistung
    • Arbeitszeiten
    • Probezeit
    • Gesundheitsschutz
    • Urlaubsanspruch
    • Gleichstellung
    • Arbeitsort
    • Überstundenregelung
    • Sozialleistungen
    • Arbeitssicherheit 
    • Kündigung

    Innerhalb der gesetzlichen Regelungen können Arbeitgeber diese Punkte nach ihren Bedingungen ausgestalten. In Betrieben, in denen ein Tarifvertrag gilt, hat aber auch die Gewerkschaft ein Mitspracherecht. Und durch Betriebsvereinbarungen lassen sich ebenfalls Absprachen treffen, die für die Beschäftigten günstiger sind.

    1. Arbeitsbedingungen: Die Überstundenregelung

    Das Arbeitszeitgesetz regelt, wie lange Arbeitnehmer maximal beschäftigt sein dürfen. Von Montag bis Freitag zum Beispiel sind es acht Stunden täglich, an denen ein Mitarbeiter maximal und ohne Überstunden arbeiten darf. Im Arbeitsvertrag können unterschiedliche Zeiten innerhalb dieses Rahmens individuell festgelegt werden. 

    Der Arbeitgeber kann also im Vertrag fixieren, dass die tägliche Arbeitszeit sechs Stunden beträgt, oder unterschiedliche Stundenanzahlen auf die Arbeitstage verteilen (beispielsweise montags und dienstags acht Stunden, mittwochs und donnerstags je sechs und freitags zwei). 

    2. Arbeitsbedingungen: Der Arbeitsort

    Der Arbeitsort, auch Dienstort genannt, ist der Ort, an dem der Beschäftigte seiner Arbeit nachgeht. Im Arbeitsvertrag wird der Arbeitsort normalerweise festgelegt. Falls keiner angeben wird, kann der Arbeitgeber von seinem Weisungsrecht Gebrauch machen und den Ort festlegen oder auch wechseln. 

    Paragraf 106 der Gewerbeordnung besagt dazu folgendes:„ der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder gesetzliche Vorschriften festgelegt sind.“ 

    3. Arbeitsbedingungen: Der Gesundheitsschutz

    Jeder Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter vor gesundheitlichen Gefahren im Beruf schützen. Dazu gehört unter anderem auch die arbeitsmedizinische Vorsorge sowie verschiedene Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung von Berufskrankheiten, die es im Sinne des betrieblichen Gesundheitsmanagements einzuführen und regelmäßig zu kontrollieren gilt.

    Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung, Schutzmaßnahmen zu treffen und diese dauerhaft und konsequent im Unternehmen umzusetzen. Im Rahmen der geltenden Schutzbestimmungen gibt es hier kaum Spielraum für den Arbeitgeber. Neben der rechtlich vorgeschriebenen Pflicht- und Angebotsvorsorge kann er jedoch eine großzügige Wunschvorsorge vertraglich ermöglichen. 

    Vielerorts Kritik an Arbeitsbedingungen

    Die Arbeitszufriedenheit in Deutschland lässt offenbar zu wünschen übrig: Laut Deutschem Gewerkschaftsbund beurteilten nur 13 Prozent aller Beschäftigten ihre Arbeitsbedingungen als „grundsätzlich gut“. Im Fokus der Kritik stehen dabei hohe Arbeitsbelastungen und damit verbundene Schwierigkeiten. Die Statistik aus dem Jahr 2019 zeigt auf, dass mehr als 50 Prozent der Arbeitnehmer unter Zeitdruck klagen und 25 Prozent von ihnen die vorgegebene Arbeit nicht innerhalb der gesetzten Zeit schaffen würden. (Quelle: DGB-Index Gute Arbeit 2019: Arbeiten am Limit – auf Kosten der Gesundheit)

    Zahlen, die verdeutlichen, dass neben tariflichen und vertraglichen Arbeitsbedingungen auch psychische (und physische) Faktoren von großer Bedeutung für ein Unternehmen sind: Für den Angestellten, der nur unter Termindruck seinen Aufgaben nachgehen kann, wird die Arbeitsstätte zum gesundheitlichen Risiko. Genauso wie für den Arbeiter, der täglich schwere Lasten tragen muss. Das sind nur zwei Beispiele für schlechte Arbeitsbedingungen. 

    Mangelnde Ergonomie in Büros

    Auch mangelnde Ergonomie bei der Ausstattung im Betrieb oder Büro ist ein Kriterium für schlechte Arbeitsbedingungen. Die Bedeutung passender Büroausstattung wird meist unterschätzt. Dabei sitzen die Büroangestellten täglich stundenlang viele Stunden in oft ungünstigen Positionen am Schreibtisch. Zu wenig Bewegung kommt außerdem hinzu. 

    Wichtige Arbeitsbedingungen für ergonomisches Arbeiten im Büro:

    • Temperatur von 20 bis :22 Grad Celsius
    • Luftfeuchtigkeit zwischen 40 bis 60 Prozent
    • Arbeitsplatz mit mindestens zehn Quadratmetern Fläche
    • An den Nutzer angepasste Höhe der Schreibtische und anderem Mobiliar
    • Bildschirm sollte mindestens 22 Zoll betragen
    • Ergonomische Büromöbel
    • Tageslicht/ausreichende Beleuchtung
    • Geringer Lärmpegel

    Genauso können sich Witterungsverhältnisse oder Umgebungsfaktoren wie eine ungeeignete Arbeitsstättenbeleuchtung im Büro oder in der Produktion, generell ungünstig auf die Gesundheit und damit auf die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter auswirken. Nicht zuletzt ist es auch die Qualität der Arbeitsorganisation, an der sich Arbeitsbedingungen messen. 

    Beispiele für schlechte Arbeitsbedingungen: 

    • Ständiges Arbeiten unter extremen Witterungsverhältnissen
    • Ständiger Kontakt mit schädlichen Emissionen
    • Gesundheitsgefahren durch mangelnde Ergonomie am Arbeitsplatz
    • Ständige Überstunden
    • Unvorhersehbare Arbeitszeiten
    • Termindruck/ Zeitdruck
    • Ständige Erreichbarkeit
    • Keine Work-Life-Balance
    • Ständiges Multitasking
    • Mobbing/ Bossing
    • Arbeit nach Feierabend
    • Schlechtes Raumklima

    Motivierter durch gute Arbeitsbedingungen

    Gute Arbeitsbedingungen und ein gutes Arbeitsverhältnis sind von enormer Bedeutung für ein Unternehmen. Auch die Umgebung spielt eine wesentliche Rolle. Sie hat großen  Einfluss auf die Arbeitsleistungen und -ergebnisse der Beschäftigten. Zum Beispiel das Raumklima: Keine Frage, dass die Konzentration in einem stickigen Büro mit der Zeit sinkt. Richtig lüften spielt hier eine wesentliche Rolle für gute Arbeitsbedingungen. Genauso die Hitze am Arbeitsplatz: Die zu treffenden Maßnahmen sind im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes gesetzlich geregelt. Unerträgliche Temperaturen müssen von den Arbeitnehmern nicht hingenommen werden. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) sieht zum Beispiel vor, dass Arbeitgeber bei einem Raumklima von über 26 Grad Celsius entsprechende Maßnahmen ergreifen sollten. Klettern die Temperaturen auf über 30 Grad Celsius, sind sie dazu verpflichtet. 

    Wie können Arbeitsbedingungen verbessert werden?

    Nicht nur gesetzliche Vorgaben sollten Arbeitgeber dazu veranlassen, Arbeitsbedingungen zu verbessern: Gute Arbeitsbedingungen und motivierte Menschen fördern nachweislich die Arbeitsergebnisse der Beschäftigten. Für eine Verbesserung der Situation können sich auch Arbeitnehmer stark machen. Dazu gehört eine gute Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. 

    Die Beschäftigten sollten im ersten Schritt genau dokumentieren, was sich ihrer Sicht nach in verschiedenen Bereichen (bei den Arbeitsinhalten oder der Gestaltung der Arbeitsstätte) ändern sollte. Bestehende Lösungsmöglichkeiten für bessere Bedingungen helfen bei der Umsetzung der Ziele. Wichtig ist, deutlich zu machen, dass beide Parteien von den Vorschlägen profitieren können. Beispiel Homeoffice: Argumente dafür sind zum Beispiel eine bessere Konzentrationsfähigkeit bei gleichzeitig guter Erreichbarkeit. 

    Unternehmer hingegen, die arbeitnehmerfreundlichere Bedingungen in ihrem Betrieb etablieren möchten, profitieren davon, über das vorgeschriebene Mindestmaß hinauszugehen. Dabei stehen der Austausch und die Beschäftigung mit den Arbeitnehmern sowie deren Mitbestimmung an erster Stelle. Gemeinsam können daraufhin Ansätze für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen erarbeitet werden. 

    Autor: Redaktion SafetyXperts

    Was ist eine Überlastungsanzeige?

    Bei Überforderung können Arbeitnehmer eine Überlastungsanzeige an den Arbeitgeber richten und darin schildern, dass die Arbeitsbedingungen eine ordnungsgemäße Verrichtung der Arbeit gefährden.

    Wieviel Urlaub steht einem Arbeitnehmer gesetzlich zu?

    Arbeitnehmer haben einen Mindestanspruch auf Urlaub von 24 Tagen pro Kalenderjahr.

    Wie können die Arbeitsbedingungen im Büro durch freiwillige Leistungen des Arbeitgebers verbessert werden?

    Zum Beispiel durch eine Mitgliedschaft im Fitness-Studio, deren Kosten der Arbeitgeber trägt oder in Teilen übernimmt.