Das ist neu im Technischen Regelwerk (TRGS) zu Chemikalien

Das ist neu im Technischen Regelwerk (TRGS) zu Chemikalien

Vor kurzem sind die Neufassungen einiger Technischer Regeln zu Gefahrstoffen (TRGS) im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl.) erschienen. Sie bringen Erleichterungen und Klarstellungen zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen, zu den Anforderungen an Betriebsanweisungen und zur Substitution von Holzschutzmitteln. Die für die Praxis wichtigsten Neuerungen lesen Sie zusammengefasst im Folgenden.

Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) prüft und aktualisiert kontinuierlich das Technische Regelwerk zur Gefahrstoffverordnung (TRGS), die sich im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) finden.

Die jüngsten Ergänzungen bringen Erleichterungen und Klarstellungen zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen & Gefahrengut, zu den Anforderungen an Betriebsanweisungen und zur Substitution von Holzschutzmitteln. Die für die Praxis wichtigsten Neuerungen zusammengefasst.

    TRGS 201: Innerbetriebliche Chemikalienkennzeichnung nun auch für eingekaufte Substanzen

    Die TRGS 201 „Einstufung und Kennzeichnung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ wurde nicht nur redaktionell an die CLP-Verordnung angepasst. Es wurden auch folgende inhaltliche Änderungen vorgenommen:

    Umetikettieren nicht notwendig

    In vielen Betrieben, besonders in Laboren oder Forschungsabteilungen, sammeln sich selten benutzte Substanzen an, wie z. B. Referenzproben und andere Spezialpräparate. Die neue TRGS stellt klar, dass die Gebinde solcher Substanzen nicht zwangsläufig komplett auf die neue Kennzeichnung nach CLP umetikettiert werden müssen, wenn sich keine zusätzlichen Sicherheitsinformationen ergeben haben.

    Das Umetikettieren wird jedoch notwendig, wenn

    • das Originaletikett nicht mehr lesbar ist.
    • Neue Anhaltspunkte für zusätzliche Gefährdungen vorliegen.
    • sich die Einstufung geändert hat.

    Kennzeichnung beschaffter Produkte prüfen

    Stoffe und Gemische, die in einem betrieb hergestellt werden, aber nicht in Verkehr gebracht werden, müssen die Betriebe selbst einstufen und kennzeichnen. Neu ist, dass dies nun auch für beschaffte Stoffe und Gemische gilt, wenn die bereits vorhandene Kennzeichnung unzureichend ist.

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    Keine Hauptgefahr mehr bei vereinfachter Kennzeichnung

    Ergibt eine betriebliche Gefährdungsbeurteilung, dass ein vollständiges Kennzeichnen bei Tätigkeiten nicht notwendig ist, dürfen Betriebe auf vereinfachte Weise kennzeichnen. Denn ein Sammelsurium von Gefahrenpiktogrammen kann das Erkennen der relevanten Gefährdungen erschweren. Diese vereinfachte Kennzeichnung muss mindestens die Substanz bezeichnen und die zutreffenden Gefahrenpiktogramme zeigen. Dies ist weiterhin der Fall.

    Doch laut der alten Version der TRGS 201 sollte man sich bei mehreren Piktogrammen auf die Hauptgefahr konzentrieren, welche die wesentlichen Schutzmaßnahmen bestimmt. Diese Hauptgefahr kommt in der neuen Fassung nicht mehr vor. Nun heißt es für den Fall, dass bei vereinfachter Kennzeichnung die Aussagekraft der Gefahrenpiktogramme zu unspezifisch ist, um die Gefährdung angemessen zu beschreiben: Es kann erforderlich sein, „den Gefahrenhinweis, ggf. in geeigneter Weise verkürzt, oder andere Kurzinformationen (z. B. Bezeichnung der Gefahrenklasse) zu ergänzen“. Mehr zu den GHS-Symbolen und zur Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen finden Sie hier.

    Wie Verantwortliche dies konkret umsetzen, entscheiden sie auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung.

    Neu dabei: Online-Stoffdatenbanken

    Neu hinzugekommen ist zudem ein nützlicher Anhang mit Verweisen zu Online-Stoffdatenbanken und anderen Informationssystemen, die das Einstufen von Stoffen und Gemischen erleichtern.

    Die TRGS 201 „Einstufung und Kennzeichnung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ wurde um einen neuen Anhang 4 erweitert. Dort wird die Methode Young et. al. ergänzt. Hierbei handelt es sich um eine einfache Bestimmungsmethode. Sie ermöglicht eine Beurteilung der hautätzenden Eigenschaften von Chemikalien mit einem pH-Wert ≤2 oder ≥11,5 ohne Tierversuche.
    Die Online-Stoffdatenbank soll die Arbeit mit Stoffen und Gemischen während der Arbeit leichter machen © DIgilife – Adobe Stock

    TRGS 555: Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe nicht zwangsläufig in der Muttersprache

    In der neuen Fassung der TRGS 555 „Betriebsanweisung und Information der Beschäftigten“ sind die folgenden Änderungen am relevantesten für die Aufgaben eine Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa):

    Informationen aus einem Sicherheitsdatenblatt in die Betriebsanweisung übernehmen: Hier wird gefordert, dass das Sicherheitsdatenblatt zuvor „auf unvollständige, widersprüchliche oder fehlerhafte Angaben“ überprüft werden muss.

    Betriebsanweisungen – Verständlich, aber nicht zwingend in der Muttersprache: Betriebsanweisungen müssen verstanden werden. Die Dokumente müssen daher für Mitarbeiter mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen in einer „für sie verständlichen Sprache“ abgefasst werden.

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    Dies bleibt auch in der neuen Version der TRGS 555 so, neu ist jedoch folgender Hinweis: Aus der Forderung nach Verständlichkeit ergibt sich nicht zwangsläufig, dass eine Betriebsanweisung stets in der Muttersprache eines Beschäftigten vorliegen muss. Viele Menschen wachsen heute mehrsprachig auf oder beherrschen eine zweite Sprache gut genug, um eine Betriebsanweisung zu verstehen.

    Betriebsanweisungen für Gebinde mit „alter“ Kennzeichnung: Wenn Betriebsanweisungen erstellt werden, sollten die neuen GHS-Piktogramme verwendet werden und nicht mehr die „alten“ Symbole.

    Doch was gilt für noch „alt“ gekennzeichnete Gebinde, z. B. die oben bei der Frage des Umetikettierens nach TRGS 201 genannten Fälle? Hier ist die Kongruenz der Symbole auf einem Behältnis mit den Symbolen der Betriebsanweisung höher zu bewerten als die Forderung nach neuer Kennzeichnung. Daher stellt die neue Version der TRGS nun klar, dass in solchen Fällen auch die „alten“ Betriebsanweisungen mit den „alten“ Gefahrensymbolen weiterverwendet werden dürfen.

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    TRGS 617: Lösemittelhaltige Oberflächenbehandlung nicht zeitgemäß

    Die TRGS 617 „Ersatzstoffe für stark lösemittelhaltige Oberflächenbehandlungsmittel für Parkett und andere Holzfußböden“ wurde um folgenden für den Gesundheitsschutz wichtigen Hinweis ergänzt: Ältere Mittel zur Behandlung von Holzoberflächen, Parkettböden usw. enthalten große Mengen an gesundheitsschädlichen Lösungsmitteln. Diese verdunsten beim Auftragen, sodass häufig Arbeitsplatzgrenzwerte überschritten werden.

    Auch sind Arbeitsschützer aufgerufen, gefährliche Stoffe durch weniger gefährliche Stoffe zu ersetzen (Substitutionsgebot). Nach vielfachen Diskussionen in den letzten Jahren, ob und welche gesundheitlich unbedenklichen Alternativen („Wasserlacke“ usw.) tatsächlich auch das Holz gleichermaßen schützen, stellt die TRGS 617 nun klar:

    • Stark lösemittelhaltige Oberflächenbehandlungsmittel sind „nicht mehr Stand der Technik“.
    • Solche Mittel sind im gewerblichen Bereich „nicht mehr einzusetzen“.

    Wer sich im Einzelfall dennoch gegen eine Substitutionslösung entscheidet, für den wird es deutlich aufwendiger:

    • Arbeiten nur durch fachkundige Personen vornehmen lassen!
    • Arbeiten nur mit Atemschutzgeräten; bei leichtflüchtigen Lösemitteln wie Aceton oder Methylacrylat müssen die Geräte umgebungsluftunabhängig sein!
    • Tragzeitbegrenzungen der Atemschutzgeräte beachten!

    Außerdem müssen Betriebe bei der Arbeitsschutzbehörde eine Ausnahme nach § 7 Abs. 5 Gefahrstoffverordnung – belastende PSA darf keine Dauermaßnahme sein – beantragen.

    Weitere Änderungen und redaktionelle Anpassungen im Überblick

    TRGS 220

    Redaktionell wurde die TRGS 220 „Sicherheitsdatenblatt“ überabeitet. So wurden etwa in den Beispielen Grenzwerte korrigiert und auch geänderte Vorschriften wie die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) berücksichtigt.

    Die TRGS 220 „Sicherheitsdatenblatt“ hat sich inhaltlich verändert © pressmaster – Adobe Stock

    TRGS 420

    Die TRGS 420 „Verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) für die Ermittlung und Beurteilung der inhalativen Exposition“ enthält im Anhang eine Liste mit entsprechend anerkanntem Arbeitsverfahren. Diese Übersicht wurde um die DGUV-Information 213- 730 zu Tätigkeiten in Dentallaboratorien erweitert. Die Handlungsanleitung zu Tetrachlorethen in Chemischreinigungsanlagen wird zurückgezogen.

    TRGS 725

    Die TRGS 725 „gefährliche explosionsfähige Atmosphäre –Mess-, Steuer- und Regeleinrichtungen im Rahmen von Explosionsschutzmaßahmen“ wird hinsichtlich der Anwendung von Klassifizierungsstufen von Geräten konkretisiert. Die Klassifizierungsstufen (K1 bis K3) beschreiben den Grad der funktionalen Sicherheit einer Funktionseinheit und somit der zulässigen Ausfallwahrscheinlichkeit.

    TRGS 900

    In die TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“ wurden Grenzwerte zu folgenden 7 Stoffen aufgenommen:

    – Kaliumbenzoat
    – Natriumbenzoat
    – N′-(3-Aminopropyl)
    – N′-dodecylpropan-1,3-diamin
    – Benzoesäure
    – Bismutvanadat
    – N-Ethyl-2-pyrrolido
    – Furan

    Geändert wurden die Grenzwerte zu 2-Phenoxyethanol und Naphthalin.

    TRGS 903

    In der TRGS 903Biologische Grenzwerte“ wurde bei 1,2-Dichlorbenzol, Propylenoxid und Toluol der Probenahmezeitpunkt abgeändert. Der biologische Grenzwert zu Nitrobenzol wurde gestrichen.

    TRGS 910

    Chlorpren und Benzotrichlorid sind krebserzeugende Stoffe. Hierfür wurden Grenzwerte zur Aufnahme in die TRGS 910 „Risikobezogenes Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen“ verabschiedet.

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    Autor: Redaktion SafetyXperts