Vibrationsschutz: Gesundheitsgefahren im Unternehmen vermeiden

Vibrationsschutz: Gesundheitsgefahren im Unternehmen vermeiden

Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz haben viele Ursachen. Offensichtlich sind immer die Gefahren, die abrupt und schnell wirken und deshalb auch unmittelbar wahrgenommen werden. Doch auch vermeintlich sanfte Einwirkungen können auf Dauer Gesundheitsschäden verursachen. Zu diesen weniger objektiven Gefährdungen gehören auch Schwingungen und Vibrationen, die an und in unseren Körpern schwere Schäden verursachen können. Deshalb verpflichtet der Gesetzgeber zu weitreichenden Vibrationsschutz-Maßnahmen.

    Vibrationen durch Arbeitsmittel können zu schweren körperlichen Schäden führen. Was Unternehmen tun können, um Mitarbeiter vor Vibrationen und Schwingungen zu schützen und welche Maßnahmen und Handlungsanleitungen es gibt.

    Vibrationen und Schwingungen, die während des Arbeitsprozesses im Betrieb entstehen, haben für die Mitarbeiter eines Unternehmens medizinisch relevante Folgen. Vibrationen sind Auslöser von allgemeinem Unbehagen, Kopfschmerzen und Atemnot. Nicht selten klagen Beschäftigte auch über Sprach- und Sehstörungen, Schäden an der Muskulatur sowie über Beeinträchtigungen des Verdauungstrakts. Diese Symptome hängen oft mit entstehenden Vibrationen am Arbeitsplatz zusammen. Um den Gesundheitsschutz für die Arbeitnehmer zu gewährleisten, müssen Arbeitgeber und Unternehmen im Rahmen des Lärm- und Vibrationsschutzes die Gesundheitsgefahren durch Vibrationen vermeiden oder auf ein Minimum reduzieren.

    Ganzkörper- und Hand-Arm-Vibrationen: Die Art der Einwirkung macht den Unterschied

    Im Gegensatz zu Lärm sind Vibrationen sind mechanische Schwingungen, die über eine Kontaktfläche am Körper auf den Menschen eingeleitet werden. Abhängig von der Art der Einwirkung, also der Einleitungsstelle wird in „Hand-Arm-Vibration“ und „Ganzkörper-Vibration“ unterschieden.

    Ganzkörper-Vibrationen

    Die Vibrationen wirken bei dieser Vibrations-Form auf stehende oder sitzende Menschen ein. Die Verursacher von

    Ganzkörpervibrationen sind mechanische Schwingungen. Diese werden von Maschinen oder Fahrzeugen am Arbeitsplatz über den Sitz oder die Füße übertragen. Ganzkörpervibrationen treten zum Beispiel in Fahrzeugen, Flugzeugen oder auf Schiffen auf. Daneben treten die Vibrationen auf mobilen Arbeitsmitteln, wie Baggern oder Antriebsmaschinen auf.

    Ganzkörpervibrationen haben einen erheblichen Einfluss auf den menschlichen Körper. Sie können einerseits die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Andererseits wirken sich die Vibrationen negativ auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Darüber hinaus können Ganzkörpervibrationen zu Schäden an Wirbelsäule führen. Zu dieser Berufskrankheit stellt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) auf ihrer Webseite ein kostenfreies Merkblatt bereit.

    In § 9 der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV ) sind die Expositionsgrenzwerte und Auslösewerte für Ganzkörpervibrationen festgelegt.

    WertartWert inklusive Richtung
    Der Expositionsgrenzwert beträgt: A(8) = 1,15 m/s2 in (horizontaler) X- und Y-Richtung
    A(8) = 0,80 m/s2 in (vertikaler) Z-Richtung
    Der Auslösewert für Ganzkörper-Vibrationen beträgt: A (8) = 0,50 m/s2 (für alle Richtungen)

    Der Expositions- und Auslösewert bezieht sich auf einen 8-Stunden-Arbeitsag.

    Der Expositionsgrenzwert definiert den Wert, den der Beschäftigte am Arbeitstag maximal ausgesetzt sein darf. Wenn die Auslösewerte überschritten werden, müssen Arbeitgeber Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung von Lärm und Vibrationen ergreifen.

    Jugendliche, wie beispielsweise Auszubildende sowie stillende Mütter dürfen nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, bei denen die Sicherheit und Gesundheit durch Vibrationen beeinträchtigt wird.

    Hand-Arm-Vibrationen

    Hier erfolgt die Einwirkung der Vibrationen in den meisten Fällen durch die Arbeitsgeräte auf das Hand-Arm-System. Die Vibrationen verursachen Knochen- und Gelenkschäden, Durchblutungsstörungen und neurologische Erkrankungen. Hand-Arm-Vibrationen entstehen vor allem durch Arbeiten mit vibrierenden Handmaschinen, wie Arbeiten mit Schleifgeräten, Meißelhämmern oder Motorkettensägen.

    Die Expositionsgrenzwerte und die Auslösewerte sind ebenfalls in § 9 LärmVibrationsArbSchV festgeschrieben.

    Wertart Wert
    Der Expositionsgrenzwert beträgt: A (8) = 5 m/s2
    Der Auslösewert ist folgender: A (8) = 2,50 m/s2

    Auch hier beziehen sich der Expositionsgrenzwert und der Auslösewert auf einen 8-Stunden-Arbeitstag.

    Tätigkeiten mit Hand-Arm-Vibrationen, die über lange Jahre ausgeführt werden, können zu verschiedenen Berufskrankheiten führen. Diese wurden bereits in die Berufskrankheiten-Verordnung aufgenommen und lauten:

    • BK 2103: „Erkrankung durch Erschütterung bei Arbeit mit Druckluftwerkzeugen oder gleichartig wirkenden Werkzeugen oder Maschinen“
    • BK 2104 „Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen an den Händen“

    *Die Abkürzung BK steht für Berufskrankheit

    Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Vibrationen

    Fakt ist: Ähnlich wie bei Lärm wirken Vibrationen über eine Reihe von verschiedenen Einflussgrößen auf die Gesundheit ein. Die Belastung des Körpers und der Gesundheit resultiert aus verschiedenen Faktoren:

    • Stärke der Vibrationen
    • Frequenz der Schwingungen
    • Einwirkdauer der Vibrationen
    • allgemeine Arbeitsweise
    • Tätigkeiten

    Folgende Erkrankungen werden durch Vibrationen ganz konkret verursacht. Hand-Arm-Vibrationen und Ganzkörper-Vibrationen werden dabei nochmals unterschieden:

    Erkrankungen durch Ganzkörper-Vibrationen

    Im Zusammenhang mit Ganzkörper-Vibrationen stehen häufig Gleichgewichtsstörungen sowie die sogenannte See- und Luftkrankheit. Darüber hinaus sind die Vibrationen oft für Sehstörungen verantwortlich und beeinträchtigen die feinmotorische Koordination und die körperliche Leistungsfähigkeit. Bei manchen Beschäftigten bewirken Ganzkörper-Vibrationen auch Magenbeschwerden und Erkrankungen an der Wirbelsäule. Lärmschwerhörigkeit wiederum wird nicht durch Vibrationen ausgelöst

    Gesundheitliche Schäden durch Hand-Arm-Vibrationen

    Langjährige Vibrationsbelastungen im höheren Frequenzbereich können zu Durchblutungsstörungen in den Fingern führen. Die Folgen sind Taubheit oder die sogenannte Weißfinger-Krankheit. Im niederfrequenten Bereich sind degenerative Veränderungen der Handknochen sowie Schädigungen der Gelenke in der Hand, des Ellenbogens und der Schultern zu erwarten. Damit einher gehen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Darüber hinaus sind Ermüdungsbrüche möglich. Bei tiefen Temperaturen erhöht sich das Risiko für diese Beschwerden.

    Vibrationsschutz: Wie Sie Gefahren durch Vibrationen vermeiden

    Problem erkannt, Problem gebannt – wie in so vielen Arbeitsbereichen gilt dieser Leitspruch auch für den Vibrationsschutz im Betrieb. Denn nur wenn Sie wissen, welche Schwingungen Schäden verursachen, können Sie sie auch wirkungsvoll vermeiden. Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und die Richtlinien in der deutschen Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbschV) niedergeschrieben, die seither für alle Arbeitgeber verpflichtend sind.

    Konkret bedeutet dies, dass Sie als Arbeitgeber die Gefährdung durch die Schwingungseinwirkung an Arbeitsplätzen ermitteln und bewerten sowie ggf. Präventionsmaßnahmen wie zum Beispiel Vibrationsdämpfer ergreifen und arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen müssen. Sollte der Arbeitgeber selbst nicht über die nötigen Kenntnisse verfügen, muss er sich beispielsweise von einer Fachkraft oder einem Betriebsarzt beraten lassen. Die Verantwortung bleibt aber in jedem Fall beim Arbeitgeber.

    Beachten Sie diese 7 betrieblichen Aufgaben und Pflichten zum Vibrationsschutz

    Um Gesundheitsgefährdungen zu vermeiden, müssen Arbeitgeber verschiedene präventive Maßnahmen ergreifen, die im Folgenden beschrieben werden:

    1. Ermittlung und Beurteilung der vorliegenden Gefährdung und Belastung am Arbeitsplatz
    2. Ausarbeitung eines Programms mit geeigneten technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Minimierung der Gefährdung und Belastung
    3. Laufende Einhaltung der vorgegebenen Expositionsgrenzwerte
    4. Unterweisung der Beschäftigten hinsichtlich der Gefährdung und Belastung sowie geeigneter Maßnahmen zur Gefährdungsvermeidung
    5. Anhörung und Beteiligung der Beschäftigten
    6. Gesundheitsüberwachung durch die Veranlassung bzw. das Angebot arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen
    7. Dokumentation aller Maßnahmen, Daten und Vorkommnisse

    Für die Umsetzung dieser Pflichten und Richtlinien hat der Gesetzgeber Ihnen ein geeignetes Instrument an die Hand gegeben, mit dem Sie alle Aufgaben sicher berücksichtigen: Die Gefährdungsbeurteilung. Der erste und damit komplizierteste Schritt ist die Bestandsaufnahme und Bewertung, gefolgt von einem Maßnahmenprogramm zum Vibrationsschutz.

    Allgemeine Gefährdungsbeurteilung in sieben Schritten

    1. Erkennung der potentiellen Gefährdung am Arbeitsplatz
    2. Zusammenfassung einzelner Gruppen von Beschäftigten mit vergleichbaren Tätigkeiten
    3. Ermittlung des Tagesexpositionswerts A(8)
    4. Beurteilung der Gefährdung
      4.1 Wird der Expositionsgrenzwert überschritten?
      4.2 Gibt es eine Überschreitung des Auslösewertes?
      4.3 Ist der Auslösewert erreicht?
      4.4 Wird der Auslösewert unterschritten?
    5. Durchführung von Vibrationsmessungen
    6. Dokumentation
    7. Kontrolle und erneute Gefährdungsbeurteilung
    Die Gefährdungsbeurteilung ist der erste und sicherste Schritt bei der Bestandsaufnahme und Bewertung von Gefahren durch Vibrationen im Betrieb. In einem zweiten Schritt wird das Maßnahmeprogramm zum Vibrationsschutz entwickelt.

    Erst mit einer Gefährdungsbeurteilung können auftretende Expositionen frühzeitig erkannt und reduziert werden. Um alle Gefährdungen vollständig einzubeziehen, sollte die Beurteilung folgendermaßen durchgeführt werden:

    • tätigkeitsbezogen
    • maschinenbezogen
    • arbeitsplatzbezogen
    • personenbezogen

    Basis der Gefährdungsermittlung sind entweder Erfahrungswerte oder konkrete Messungen, die in der Regel nur mit einer spezifischen Fachkunde und teuren Messgeräten erfolgen können.

    Allerdings müssen Unternehmen Gefährdungen nicht individuell ermitteln. In den meisten Fällen können typische Vibrationsbelastungen auch ohne großen messtechnischen Aufwand aus Katalogen, (Online-) Datenbanken oder aus Herstellerangaben wie beispielsweise Bedienungsanleitungen entnommen werden.

    Auch die Auskünfte von Unfallversicherungsträgern oder Aufsichtsbehörden helfen bei der Einschätzung, welche Arbeitstätigkeiten sowie Arbeitsplätze hohe Vibrationseinwirkungen mit sich bringen und deshalb als gefährdend einzuschätzen sind.

    Herstellerangaben bieten in der Praxis die am einfachsten verfügbare Grundlage für eine Gefährdungsermittlung. Denn mit der EG-Maschinenrichtlinie werden die Hersteller von Maschinen dazu verpflichtet, konkrete Angaben zu den auftretenden Vibrationen an den Maschinen zu machen.

    Gefährdungsbeurteilung für den Vibrationsschutz erstellen – ein Leitfaden

    Wenn Arbeitgeber wissen, welche Schwingungen Schäden verursachen, können sie diese wirkungsvoll vermeiden. Um Gefahren im Unternehmen zu erfassen und zu bewerten, müssen Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung für jeden Arbeitsplatz vornehmen. Gemäß § 5 des Arbeitsschutzgesetzte (ArbSchG) sind sie dazu verpflichtet, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung werden die Vibrationswerte für jeden Arbeitsplatz gemessen.

    Zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung dienen Messverfahren und -geräte, mit denen man die vorhandenen Arbeitsplatz- Expositions- und Auslösewerte bestimmt. Darüber hinaus dienen die Verfahren und Geräte zur Überprüfung der Werte und ob diese eingehalten werden. Die Messungen werden manchmal auch stichprobenartig durchgeführt. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber die Ergebnisse dokumentieren.

    Für die Messergebnisse besteht eine Aufbewahrungspflicht von 30 Jahren. Eine spätere Einsicht in die Messergebnisse muss jederzeit möglich sein.

    Tagesschwingungen am Arbeitsplatz berechnen

    Die Gefährdungsbeurteilung ist wiederum festgeschrieben in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbschV) Arbeitgeber müssen mögliche Gefahren sowohl für Hand-Arm-Vibrationen als auch für Ganzkörper-Vibrationen erfassen.

    Wenn die Vibrationswirkung der verwendeten Arbeitsmaschine sowie die damit verbundenen Expositionszeiten bekannt sind, kann die Tagesschwingung berechnet werden. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) stellt dafür auf seiner Webseite kostenfrei einen Rechner zur Verfügung.

    Darüber hinaus stellt die IFA eine Checkliste für die Gefährdungsbeurteilung zur Verfügung.

    Messungen bei Ganzkörper-Vibrationen

    Ganzkörper-Vibrationsmessungen erfolgen in der Regel direkt auf dem Fahrersitz des zu messenden Fahrzeugs oder auf der vibrierenden Standfläche. Hierfür kommt ein Triaxial-Beschleunigungsaufnehmer-Messkissen zum Einsatz, das auf dem Sitz montiert und mit Klebeband fixiert wird.

    Bei dieser Messung werden alle drei Raumrichtungen berücksichtigt. Deshalb muss auf die richtige Ausrichtung des Messkissens (x = Brust-Rücken-Richtung, y = Schulter-Schulter-Richtung, z = Wirbelsäulenrichtung / Vertikale) sowie auf die korrekte Gewichtseinstellung am Fahrersitz geachtet werden.

    Die Messdauer berücksichtigt die während des Arbeitsablaufes zu fahrende Strecke. Diese sollte mindestens 15 Minuten betragen. Messungen werden immer während des normalen Betriebes durchgeführt und beziehen eventuell vorhandene Randbedingungen wie Beladungen oder Lasten mit ein.

    Zur Beurteilung der Ganzkörper-Vibrationen dient der größte Effektivwert der frequenzbewerteten Beschleunigung in den drei Messrichtungen. Dabei müssen vorab die Beschleunigungswerte in den horizontalen Richtungen (x- und y-Richtung) mit einem Korrekturfaktor von 1,4 multipliziert werden. Die Umrechnung auf den Tages-Vibrationsexpositionswert erfolgt dann unter Berücksichtigung der tatsächlichen effektiven Expositionsdauer.

    Berechnungen von Expositionswerten kann man sich vereinfachen, indem man die Kennwertrechner aus dem Internet verwendet. Diese Expositionsrechner nehmen auch eine Mittelwertbildung vor und stellen zum Teil die Ergebnisse anschaulich in Form eines Ampelmodells dar: Ergebnisse unterhalb der Auslösewerte sind grün gekennzeichnet, Ergebnisse oberhalb der Grenzwerte befinden sich im roten Bereich.

    Gefährdungsermittlung bei Ganzkörper-Vibrationen

    Um die Gefährdungen von Ganzkörper-Vibrationen zu ermitteln und zu bewerten, gehen Arbeitgeber folgendermaßen vor:

    1. Fahrbahnen im Betrieb (Werksgelände oder Werkshallen) überprüfen und Schlaglöcher sowie Ausbrüche beseitigen. Durch ebene Fahrbahnen wird die Vibrationsbelastung gemindert und Unfälle verhindert.
    2. Auf geringe Vibrationswerte bei Neuanschaffung von Fahrzeugen achten.
    3. Arbeitsabläufe sollten so organisiert werden, dass sich effektive Fahrzeiten (Expositionsdauern) erzielen lassen.
    4. Auf Mitarbeiter achten, die in relevanten Fahrzeugen arbeiten. Arbeitgeber sollten die Sitzposition der Arbeitnehmer regelmäßig überprüfen.
    5. Mitarbeiter sollten eine verdrehte Körperhaltung vermeiden. Auf die Fahrzeuge sollten nach Möglichkeit schwindungsmindernde Sitze montiert und korrekt eingestellt und in regelmäßigen Abständen gewartet werden.
    Die tägliche Vibrationsbelastung sollte den Wert A(8) = 0,5 m/s2 nicht überschreiten.

    Nach der Gefährdungsermittlung von Ganzkörper-Vibrationen müssen Arbeitgeber die Beschäftigten über die Gefährdungen sowie über die Auslöse- und Grenzwerte informieren. Bei regelmäßigen Vibrationsbelastungen sollten Unternehmen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen anbieten.

    Durchführung von Messungen bei Hand-Arm-Vibrationen

    Hand-Arm-Messungen werden immer an den Handgriffen der Maschine durchgeführt. Ein Triaxial-Beschleunigungsaufnehmer wird dafür mit einer Schelle oder mit einem Halsband am Griff befestigt und dient als Messgerät. Für die Beurteilung von Hand-Arm-Vibrationen wird dann der Schwingungsgesamtwert (ahv) aus den frequenzbewerteten Beschleunigungen aller drei Schwingungsrichtungen ermittelt. Unternehmen und Arbeitgeber müssen darauf achten, dass immer der für den Arbeitsplatz typische Arbeitsablauf gemessen wird.

    Gefährdungsermittlung bei Hand-Arm-Vibrationen

    1. Für jeden Arbeitsplatz muss geprüft werden, ob handgehaltene und -geführte Arbeitsmittel und Werkzeuge, die zu Belastungen der Gelenke führen, ersetzt werden können. Bei dieser Prüfung müssen hochtourige Arbeitsmittel und Werkzeuge mit Frequenzen von 20 biss 100 Hz besonders beachtet werden, da sie zu hohen Belastungen der Hände führen.
    2. Arbeitsmittel überprüfen, ob sie mit Handgriffen, Dämpfungen und Abfederungen ausgestattet sind. Bei der Anschaffung von neuen Geräten müssen Arbeitgeber darauf achten, dass sie einen geringen Vibrationswert haben. In der Regel machen die Werkzeug-Hersteller Angaben zu diesem Wert und beraten ihre Kunden dahingehend.
    3. Überprüfung organisatorischer Möglichkeiten, wie beispielsweise Verfahrensänderungen zur Beseitigung oder Minderung hoher Expositionen. Arbeitgeber müssen vor allem auf hohe Greif- und Andruckkräfte achten. Durch geeignete Arbeitsweisen oder technische Hilfen können diese vermieden werden. Vor allem bei Arbeiten im Freien sowie bei Kälte sollten die Arbeitnehmer spezielle Vibrationshandschuhe tragen.

    Risikobewertung von Vibrations-Gefährdungen

    Neben der Gefährdungsbeurteilung müssen Unternehmen und Arbeitgeber eine Risikobewertung vornehmen. Damit wird das Gesundheitsrisiko für die Arbeitnehmer durch Ganzkörper- und Hand-Arm-Vibrationen ermittelt. Für eine Einschätzung und Bewertung des gesamten Gesundheitsrisikos müssen im Einzelfall aber noch weitere Einflussgrößen berücksichtigt werden:

    • Ungünstige Arbeitsbedingungen wie eine unnatürliche Arbeitshaltung oder veraltete Arbeitsmittel können zu erhöhten Expositionen führen.
    • Höhere Greif- und Andruckkräfte verstärken die Expositionseinwirkung.
    • Kälteeinflüsse. Sie wirken sich ungünstig auf die Expositionswirkung aus.

    Auch Kennwerte zur Wirkung dieser Einflüsse können aus den vorhandenen Online-Datenbanken entnommen werden. Ein Beispiel ist die KarLa-Datenbank des Landesamts für Arbeitsschutz Brandenburg.

    Sinn und Ergebnis der Risikoeinschätzung ist die Beurteilung, ob ein derart großes Gesundheitsrisiko besteht, dass weitere Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten getroffen werden müssen. Die Grenzwerte hierfür gibt die folgende Tabelle wieder und kann daher als Leitfaden verwendet werden:

    Grenzwert als Vektorsumme der 3 Koordinatenrichtungen Risikobewertung und erforderliche Maßnahmenplanung
    Hand-Arm-Vibrationen: Tagesexpositionswert A(8): kleiner als 2,5 m/s2  
    Ganzkörper-Vibrationen Tagesexpositionswert A(8): kleiner als 0,5 m/s2

    Es besteht nur ein geringes Risiko für die Beschäftigten

    Hand-Arm-Vibrationen
    Tagesexpositionswert A(8): größer als 2,5 m/s2
    Ganzkörper-Vibrationen Tagesexpositionswert A(8): größer als 0,5 m/s2
    Hier besteht ein hohes Risiko für die Mitarbeiter. Es müssen Maßnahmen geplant werden:
    Information, Unterweisung, Anhörung und Beteiligung der Arbeitnehmer, Festlegung und Durchführung eines Vibrationsminderungsprogramms Gesundheitsüberwachung der Mitarbeiter Gesundheitsakten für die Belegschaft anlegen
    Hand-Arm-Vibrationen Tagesexpositionswert A(8): größer als 5 m/s2  
    Ganzkörper-Vibrationen Tagesexpositionswert A(8): größer als 5 m/s2 (X-/Y-Richtung) und 0,8 m/s2 (Z-Richtung)
    Es besteht ein sehr hohes Risiko. Hier müssen Arbeitgeber Sofort-Maßnahmen ergreifen, um die Exposition unter den Expositionsgrenzwert zu senken.

    Risikominderung und Festlegung von Maßnahmen: So reagieren Sie richtig auf bestehende Gesundheitsrisiken

    Wenn Sie im Zuge der Risikobeurteilung festgestellt haben, dass die Tätigkeiten den Auslöse- oder gar den Expositionsgrenzwert überschreiten und Sie deshalb Maßnahmen zur Expositionssenkung durchführen müssen, folgt nun die Erarbeitung eines konkreten Maßnahmenplans.

    Erarbeitung eines Maßnahmenplans zum Vibrationsschutz

    Wenn die Expositions- und Auslösewerte überschritten sind, müssen Arbeitgeber technische und organisatorische Maßnahmen ergreifen, um die Mitarbeiter vor den Vibrationsbelastungen zu schützen und die Gesundheitsgefährdungen zu reduzieren. Beispiele für geeignete Maßnahmen sind:

    • Alternative Arbeitsverfahren
    • Austausch von Arbeitsmitteln
    • Begrenzung der Dauer und Intensität der Expositionen

    Schutzmaßnahmen nach dem Stop-System

    Die Maßnahmen zum Vibrationsschutz sollten nach dem sogenannten Stop-System geplant werden.

    S – Substitution: Maßnahmen, die den Arbeitsprozess so ändern, dass keine gesundheitsschädlichen Vibrationen entstehen.

    T – Technische Lösungen: Nachrüstung oder Austausch von Maschinen, Werkzeugen und Fahrzeugen

    O – Organisatorische Maßnahmen: Vibrationsintensive Tätigkeiten sollten zeitlich begrenzt werden. Man kann beispielsweise für die betroffenen Arbeitnehmer Höchst-Arbeitszeiten am betrachteten Arbeitsplatz festlegen.

    P – Persönliche Schutzmaßnahmen: Wenn keine anderen Maßnahmen möglich sind, kommen die persönlichen Schutzmaßnahmen an die Reihe. Allerdings eignen sie sich nur für Hand-Arm-Vibrationen mit höher frequenten Schwingungsanteilen. Zu diesen Maßnahmen gehört beispielsweise die Bereitstellung von persönlichen Vibrationshandschuhen.

    Zusätzliche Maßnahmen

    • arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung für die Arbeitnehmer.
    • Dokumentation aller Maßnahmen zum Vibrationsschutz. Dazu gehört auch die Mitarbeiterunterweisung inklusive der Unterschriften der Belegschaft.
    • Regelmäßige Überprüfung der Maßnahmen auf deren Wirksamkeit.
    Handlungsanleitungen für Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter vor Vibrationsbelastungen geben unter anderem die Berufsgenossenschaften sowie die Unfallversicherungsträger.

    So finden Sie die passenden Schutzmaßnahmen

    Für die Wahl geeigneter Schutzmaßnahmen kann die folgende Checkliste als Grundlage dienen. Die Maßnahmen müssen dann nur noch auf den jeweiligen Arbeitsplatz bzw. die betreffende Tätigkeit angepasst werden:

    Ermittelter Tagesexpositionswert: Geeignete Maßnahmen
    Hand-Arm-Vibrationen: Der ermittelte Tagesexpositionswert A(8) liegt knapp unterhalb von oder bei 2,5 m/s2

    Ganzkörper-Vibrationen: Der ermittelte Tagesexpositionswert A(8) liegt knapp unterhalb von oder bei 0,5 m/s2
    Informieren Sie Ihre Beschäftigten über Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung.

    Unterweisen Sie sie über die mögliche Gesundheitsgefährdung durch die Vibrationen.
    Hand-Arm-Vibrationen: Der ermittelte Tagesexpositionswert A(8) liegt über 2,5 m/s2

    Ganzkörper-Vibrationen: Der ermittelte Tagesexpositionswert A(8) liegt über 0,5 m/s2
    Erarbeiten Sie ein schriftliches Vibrationsminderungsprogramm, das die S-T-O-P-Reihenfolge berücksichtigt.

    Bieten Sie Ihren Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung an.

    Dokumentieren Sie sämtliche Maßnahmen (auch die Mitarbeiterunterweisungen inkl. Unterschrift der Beschäftigten) in einem Maßnahmenprotokoll.

    Überprüfen und dokumentieren Sie regelmäßig die Wirksamkeit der Maßnahmen.
    Hand-Arm-Vibrationen: Der ermittelte Tagesexpositionswert A(8) liegt über 5 m/s2

    Ganzkörper-Vibrationen: Der ermittelte Tagesexpositionswert A(8) liegt über 0,8 m/s2
    Stellen Sie betreffenden Tätigkeiten sofort ein oder reduzieren Sie sie so, dass die Grenzwerte von 2,5 m/s2 unterschritten werden.

    Erst wenn weitere Sofortmaßnahmen greifen und der Grenzwert zuverlässig unterschritten wird, dürfen die Arbeiten wieder aufgenommen werden.

    Veranlassen Sie regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen.

    Bei der Maßnahmenfestlegung sollten Sie jedoch nicht aufs gerate Wohl hin die einfachsten Optionen wählen. Denn je nach Fokus der Maßnahme sollte diese nach folgendem Schema priorisiert werden.

    Primärmaßnahmen zum Vibrationsschutz

    Unter den Primärmaßnahmen werden alle Maßnahmen verstanden, welche die Vibrationen an der Quelle reduzieren. Primärmaßnahmen mindern zudem alle weiteren negativen Auswirkungen der Schwingungen.

    Im Bereich von Hand-Arm-Vibrationen kommt oft schwingungsarme Technologie zum Einsatz. Hier müssen Arbeitgeber unter anderem auf folgende Punkte achten:

    • Einsatz von Pressnietgeräten für die Herstellung von Nietverbindungen
    • Verwendung von Drehmomentschraubern anstatt Schlagschraubern zur Montage von Schraubverbindungen
    • Benutzung von Bohrhämmern gegenüber Schlagbohrmaschinen
    • Einsatz von schwingungsgedämpften Schlag- und Aufbruchhämmern im Straßen- und Bergbau
    • Benutzung von Meißelhämmern mit vibrationsdämpfender Griffhülse für die Stein- und Stahlbearbeitung
    • Verwendung von Motorkettensägen mit vibrationsgedämpften Handgriffen im Forstbetrieb
    • regelmäßiges Schärfen von Werkzeugen
    • regelmäßiges Auswuchten von Werkzeugen und Maschinen
    • Einsatz von Klebemitteln statt Nieten

    Bei Ganzkörper-Vibrationen sind es drei Bereiche, in denen Maßnahmen zum Schutz vor Vibrationen ergriffen werden müssen.

    Beseitigung von Fahrbahnunreinheiten

    Hier müssen Unternehmen auf folgendes achten:

    • Begradigen von unbefestigten Wegen und Baustellen
    • Inspektion von Werkstraßen und Toreinfahrten
    • Vermeidung von Schwellen und Querrillen
    • Ausbessern von Schäden, wie beispielsweise Schlaglöchern

    Beseitigung von Schwingungsanregungen

    Hier geht es um die Reduzierung der Schwingungen bei Schienen- und Kranfahrzeugen. Verbindungsstellen von Schienen müssen gut verschweißt und Stoßstellen regelmäßig ausgebessert werden. Diese Primärmaßnahmen erfordern eine regelmäßige Inspektion und Wartung der Schienen.

    Einsatz von geeigneten Technologien

    Hier können Arbeitgeber Fahrer- oder Führerkabinen mit gefederten Sitzen ausstatten. Darüber hinaus sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter darauf hinweisen, dass jeder Fahrer den Sitz auf sein eigenes Körpergewicht einstellen muss.

    Zu große Federwege und der Einsatz von Gummidämpfern und Gummimatten an den oberen und unteren Enden des Federwegs. Achsfederungen sollten mit Hydraulik und Niveauregelungen ausgestattet werden.

    Sekundärmaßnahmen zum Vibrationsschutz

    Hierbei handelt es sich um Maßnahmen, die zur Minderung der Schwingungsübertragung und -ausbreitung beitragen. Sekundärmaßnahmen zum Vibrationsschutz können ebenfalls zur Schwingungsreduzierung beitragen.

    Im Bereich der Ganzkörper-Vibrationen müssen Sekundärmaßnahmen der Schwingungsisolierung von Maschinen oder Arbeitsplätzen vorgenommen werden, beispielsweise durchSchwingfundamente oder Schwingisolatoren. Darüber hinaus muss auf die Entkopplung der Maschine von Gebäude- oder anderen Maschinenteilen geachtet werden.

    Bei Hand-Arm-Vibrationen werden Sekundärmaßnahmen nicht angewandt.

    Organisatorische Maßnahmen bei Ganzkörper- und Hand-Arm-Vibrationen

    Eine Gefährdung durch Vibrationen kann auch reduziert werden, indem durch Änderung der Arbeitsorganisation die Expositionszeit verringert wird.

    Für beide Vibrationsformen gültig

    • Rotation der Beschäftigten bei der Arbeit mit gefährdenden Geräten, um die Expositionszeit jedes einzelnen Beschäftigten zu reduzieren
    • Einplanung längerer Pausen und damit Verringerung der gefährdenden Arbeitszeit

    Technischen Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung

    Für weitere Informationen, branchenbezogene Gefährdungstabellen und Hilfestellungen zur Vibrationsmessung empfehlen wir, die Technischen Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (TRLV) heranzuziehen. Mit den TRLV wird die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutz-Verordnung (LärmVibrationsArbschV) hinsichtlich der Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen, der Messung sowie der Ableitung von geeigneten Schutzmaßnahmen konkretisiert.

    Zur Gewährleistung einer rechtssicheren Umsetzung können Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung und das daraus abgeleitete Vibrationsschutzprogramm mit den Regeln der TRLV abgleichen.

    Die TRLV finden Sie auf den Internetseiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua)

    Persönlicher Schutz bei Hand-Arm-Vibrationen

    Sollten keine anderen Maßnahmen in Betracht kommen, kann die Vibrationsbelastung durch persönliche Schutzmaßnahmen zu mindern.

    Die Verhaltensänderung des betroffenen Arbeitnehmer kann sich bei der Hand-Arm-Vibration durch regelmäßiges Training einer angemessenen Körperhaltung unter ärztlicher Aufsicht verbessern. Nur so ist gewährleistet, dass sich die Halte- und Andrückkräfte beim Einsatz von Geräten verringert.

    Außerdem müssen Arbeitgeber die Arbeitnehmer mit einer persönlichen Schutzausrüstung in Form von Vibrationshandschuhen bei hochfrequenten Vibrationen ausstatten. Bei Schleifmaschinen sollten die Handschuhe getragen werden.

    Persönliche Schutzmaßnahmen kommen bei Ganzkörper-Vibrationen nicht in Betracht.

    9 Schritte zur Erstellung und Pflege eines Vibrationsminderungsprogramms

    Selbst wenn Ihre Gefährdungsbeurteilung ergeben hat, dass Sie keine weiteren Maßnahmen zur Vibrationsminderung planen müssen, kann ein Vibrationsminderungsprogramm Sinn machen, um Ihre Beschäftigten über das gesetzliche Maß hinaus zu schützen und Vorkehrungen für künftige erhöhte Belastungen zu treffen.

    Übersteigen die ermittelten Expositionswerte die rechtlichen Auslöse- oder Grenzwerte, haben Sie ohnehin keine Wahl. Dann müssen Sie als Arbeitgeber ein Vibrationsminderungsprogramm erarbeiten, um eine Gefährdung Ihrer Arbeitnehmer durch Vibrationen ausschließen oder so weit wie möglich verringern zu können.

    Schritt 1: Ermitteln Sie die Vibrationsexposition

    Dieser Schritt ist für die Hand-Arm- und Ganzkörper-Vibration gleichermaßen wichtig. Denn: In vielen Fällen kann der Gerätehersteller geeignete Informationen liefern oder Sie recherchieren die passende Werte aus Datenbanken. Eventuell können Erfahrungen aus vergleichbaren Berufsbildern verschiedener Branchenverbände genutzt werden. Aber prüfen Sie, ob die Literatur- bzw. Datenbankwerte für das verwendete Gerät herangezogen werden können und ob die Einsatzbedingungen übereinstimmen. Sie können auch die Tages-Vibrationsexpositionswerte aus der Höhe der Vibrationen und der individuellen Einsatzdauer recherchieren oder berechnen. Sollte alles nicht funktionieren, führen Sie eigene Messung durch oder geben Sie diese in Auftrag.

    Schritt 2: Vergleichen Sie die Vibrationsexposition mit den Auslöse- und Grenzwerten

    Im Segment Hand-Arm-Vibration ist auf den Auslösewert zu achten. Berechnen Sie ihn anhand der Formel A(8) = 2,5 m/s2  – er sollte nicht überschritten sein. Auch der Grenzwert darf nicht überschritten werden – diesen errechnen Sie anhand dieser Formel – A(8) = 5 m/s2 .

    Bei Ganzkörper-Vibrationen achten Sie auf die gleichen Schritte, allerdings werden hier andere Formel zu Berechnung genutzt. Auslösewert: A(8) = 0,5 m/s2. Grenzwert: A(8) = 0,8 m/s2.

    Schritt 3: Ermitteln Sie die Vibrationsschwerpunkte

    Bei der Identifizierung der Hand-Arm-Vibration ist der Vibrationsschwerpunkt einzelner Arbeiten zu berücksichtigen, die besonders hohe Vibrationen mit sich bringen – beispielsweise Arbeiten mit Aufbruchhämmern. Weiterhin sind Arbeitsmittel und Geräte zu identifizieren, die mit einer überdurchschnittlich hohen Vibration arbeiten. Auch Tätigkeiten, bei denen hohe Greif- und Andruckkräfte notwendig sind oder Arbeiten die eine ungünstige Körperhaltung voraussetzen sind regelmäßig auszukundschaften.

    Vibrationsschwerpunkte aus einzelnen Arbeitsschritten, die besonders hohe Vibrationen mit sich bringen (z. B. Fahrtanteile über Kopfsteinpflaster oder Stöße) sowie Maschinen oder Geräte mit überdurchschnittlich hohen Vibrationen sind bei der Ganzkörper-Vibration regelmäßig zu identifizieren.

    Schritt 4: Ermitteln Sie die Ursachen für die Vibrationen

    Bei Hand-Arm-Vibrationen sind die Umstände zu untersuchen, die auf die hohen Vibrationswerte zurückzuführen sind – beispielsweise

    • Geräte älterer Bauart
    • verschlissene Geräte, z. B. mit Getriebeschäden
    • stumpfe oder abgenutzte Werkzeuge
    • fehlende oder nicht geeignete Entkoppelungen oder Abfederungen
    • mangelnde Wartung der Geräte
    • hohe Greif- und Andruckkräfte

    Genauso sind Umstände zu untersuchen, die die Ganzkörper-Vibration betrifft und ebenfalls auf die hohen Vibrationswerte zurückzuführen sind:

    • unebene Fahrbahnverhältnisse
    • Absätze, Löcher, Ausbrüche auf dem Fahrweg
    • Fehlen geeigneter Sitze mit Feder-Dämpfer-Systemen
    • Mangelhafte Einstellung oder fehlende Einstellmöglichkeiten auf das Fahrergewicht
    • Mangelhafte Fahrzeugwartung
    • unnötig lange Fahrzeiten

    Schritt 5: Vergleichen sie Ihre Geräte und Einsatzbedingungen mit dem Stand der Technik

    Hand-Arm-Vibration: Nehmen Sie Prüfungen vor, die sich auf den aktuellen Stand der vorhandenen Geräte bezieht – und nötigenfalls einen Austausch fordert. Denn: Neuere Geräte führen oft zu einer geringeren Vibrationsexposition und Anbauteile können die Vibration des Bedieners reduzieren. Griffe oder ergonomische Griffgestaltungen (z. B. gefederte Griffe) können zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen beitragen. Griffe, die vom Maschinengehäuse entkoppelt sind und/oder ein Massen-/Unwuchtausgleich besitzen, bewirken geringere Vibrationen. Weiterhin können Handgriffe oft mit Dämpfungen, z. B. Gummiüberzügen nachgerüstet werden.

    In vielen Fällen können schwingungsmindernde Werkzeuge, z. B. besondere Schleifscheiben, verwendet werden. Verfahrensänderungen können zur Minderung hoher Expositionen führen und oft kann der Umfang von Handarbeiten mit vibrierenden Geräten reduziert und automatisiert werden.

    Ganzkörper-Vibration: Hier prüfen Sie, ob Fahrzeuge und Geräte, dem Stand der Technik entsprechen oder eine Verbesserung nötig ist. Denn: Neuere Fahrzeuge führen oft zu einer geringeren Vibrationsexposition und die modernen Sitze tragen zu einer Vibrationsminderung bei. Durch regelmäßige Sanierungsarbeiten der Fahrbahnen treten ebenfalls deutliche Verbesserungen auf.

    Schritt 6: Wählen Sie die geeigneten Maßnahmen zur Vibrationsminderung aus

    Für beide Vibrationsarten wählen Sie die identifizierten Maßnahmen aus, die den größten Erfolg versprechen. Prüfen Sie anschließend, ob, wie und unter welchen Voraussetzungen die Maßnahmen umgesetzt werden können. Wählen Sie alternativ die Maßnahme, die den zweitgrößten Vibrationsminderungserfolg verspricht und prüfen Sie die Umsetzungsmöglichkeiten usw. Vergessen Sie nicht zu untersuchen, wie viele Beschäftige von den jeweiligen alternativen Minderungsmaßnahmen profitieren und ob bestimmte Beschäftigte, Berufsgruppen, Tätigkeiten oder Arbeiten davon ausgeschlossen werden.

    Legen Sie nach der Maßnahmenauswahl fest, welche Informationen, Unterweisungen oder weitere Vorkehrungen nötig sind.

    Schritt 7: Erstellen Sie eine Prognose zur Vibrationsminderung

    Um die Eignung der Maßnahme beurteilen zu können, muss eine Erfolgsprognose erstellt werden, die folgende Erwartungen enthält:

    • Erwartung der Vibrationsminderung
    • Prognose, ob nach erfolgter Maßnahme der Auslösewert bzw. der Expositionsgrenzwert überschritten wird.
    • Notwendigkeit weiterer, paralleler oder anschließender Maßnahmen

    Schritt 8: Erstellen Sie das Programm mit Prioritätenliste und Zeitplan

    Das Programm sollte mindestens die einzelnen zu veranlassenden Maßnahmenschritte sowie Termine für jede Maßnahme und evtl. jeden einzelnen Schritt enthalten. Weiterhin sind Zwischenergebnisse mit Terminen, die Nennung des Verantwortlichen für jeden einzelnen Schritt und ein Endtermin zur Umsetzung aller Maßnahmen in diesem Programm zu listen.

    Schritt 9: Führen Sie eine Erfolgskontrolle durch

    Die Erfolgskontrolle umfasst die Prüfung, ob die Maßnahmen korrekt umgesetzt wurden und wie sich die Vibrationsexposition entwickelt hat. Ebenfalls sollte in der Kontrolle enthalten sein, ob die prognostizierten Minderungen erreicht wurden und die Auslöse- und Expositionsgrenzwert eingehalten oder nachgebessert werden müssen. Sollte es diesbezüglich Komplikationen geben, muss eine weitere Nachprüfung und Überprüfung stattfinden. Notieren Sie abschließend, ob weitere Vibrationsminderungsmaßnahmen notwendig oder angeraten sind.

    Autor: Redaktion Safety Xperts