Schutzmaßnahmen im Unternehmen: So implementieren Sie einen Plan für den Arbeitsschutz

Schutzmaßnahmen im Unternehmen: So implementieren Sie einen Plan für den Arbeitsschutz

Um den Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit im Betrieb dauerhaft zu gewährleistet, empfiehlt sich die Erstellung und Implementierung eines konkreten Schutzmaßnahmenplans.

Jedes Unternehmen und jeder Arbeitgeber steht in der Pflicht, innerbetriebliche Maßnahmen zum Arbeitsschutz zu implementieren, um jegliche Gefährdung der Mitarbeiter auszuschließen und deren Gesundheit sicherzustellen. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) gilt als rechtliche Grundlage für alle Arbeitsschutzmaßnahmen. Das ArbSchG verfolgt gemäß § 1 das Ziel, die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit durch Maßnahmen des Gesundheits- und Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern.

    Um dieses vom Gesetzgeber erklärte Ziel zu erreichen, ist ein Unternehmen auf Grundlage von § 3 ArbSchG verpflichtet:

    • Die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen sowie
    • Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und an sich ändernde Gegebenheiten anzupassen.

    Doch auch DGUV (die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) gibt Regelungen zum Arbeitsschutz vor. Laut der DGUV Vorschrift 1 ist jeder Arbeitgeber dazu verpflichtet, mittels einer Beurteilung der arbeitsbedingten Gefährdungen die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu identifizieren.

    Wirkungsvolle Schutzmaßnahmen im Betrieb zu implementieren ist ausschließlich möglich, wenn innerbetrieblich ein stringent ausgearbeiteter und spezifischer Plan zum Arbeitsschutz und zur Arbeitssicherheit existiert. Dieser muss nachvollziehbar und objektiv umsetzbar sein.

    Gesetzliche Grundlagen für den Arbeitsschutz – was Unternehmen beachten müssen

    Neben dem Arbeitsschutzgesetz, dass als übergeordnete Instanz für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit gilt, müssen Unternehmen, abhängig vom Aufgabengebiet und der Branche, weitere rechtliche Vorgaben und Regelwerke beachten.

    Wesentlich ist zum Beispiel die Arbeitsstättenverordnung, die der Sicherheit und dem Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten dient. Sie regelt unter anderem die Größe und Beschaffenheit von Arbeitsräumen im Betrieb oder die Einrichtung und Ausgestaltung von Telearbeitsplätzen.

    Firmen, die mit biologischen Stoffen arbeiten, unterliegen der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen. Ähnlich verhält es sich mit Unternehmen, die Gefahrstoffe jeglicher Art, zum Beispiel Säuren, im Produktionsprozess nutzen. Auch für einen Maßnahmenplan Asbest gelten spezifische Verordnungen, beispielsweise die Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (GefStoffV). Weitere Regelwerke behandeln den Umgang mit Lärm oder Maßnahmen zur Unfallverhütung. Diese sind in den Vorschriften der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) festgeschrieben.

    Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber sind verpflichtet, sich über branchenspezifische Vorgaben und Regeln zu erkundigen und diese stringent im eigenen Unternehmen umzusetzen. Dies betrifft unter anderem ebenfalls die Arbeitsschutzmaßnahmen im Büro.

    Wer den Arbeitsschutz im Betrieb organisiert

    Spezielle Arbeitsschutzfachleute sind in den meisten Betrieben dafür zuständig, Arbeitsschutzmaßnahmen zu implementieren und deren Umsetzung zu kontrollieren. Sie können auf verschiedene Leitfäden und Kompendien zurückgreifen. Eine wichtige Ratgebersammlung zur Ermittlung gefährdungsbezogener Arbeitsschutzmaßnahmen stellt der „Ratgeber zur Ermittlung gefährdungsbezogener Arbeitsschutzmaßnahmen im Betrieb“ dar. Dieser wird abgekürzt als Handbuch für Arbeitsschutzfachleute bezeichnet und kann auf den Internetseiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) betrachtet und geladen werden.

    Arbeitsschutz nach dem TOP-Prinzip – so funktioniert die Umsetzung im Betrieb

    Der Gesetzgeber führt im Arbeitsschutzgesetz neben den Grundpflichten des Arbeitsgebers ebenfalls allgemeine Grundsätze zum Arbeitsschutz auf. Zu den wichtigsten allgemeinen Grundsätzen, die im § 4 des ArbSchG definiert werden, gehören die Prinzipien, dass:

    • Gefahren ihrer Quelle zu bekämpfen sind und dass der
    • Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstigen gesicherten arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen ist.

    Abseits dieser Leitgedanken hat sich im Bereich der Arbeitsschutzmaßnahmen das TOP-Prinzip etabliert. Mit diesem Prinzip kann der Gesundheitsschutz im Betrieb präzisiert werden.

    Das TOP-Prinzip enthält eine Unterteilung von Arbeitsschutzmaßnahmen in die folgenden Komponenten:

    1. T            = Technische Maßnahmen im Arbeitsschutz
    2. O           = Organisatorische Maßnahmen im Arbeitsschutz
    3. P            = Personenbezogene Arbeitsschutzmaßnahmen

    Praxisbeispiel zur Anwendung des TOP-Prinzips

    Das TOP-Prinzip kann in vielen Bereichen eines Unternehmens angewandt werden. In einem Industriebetrieb könnten Arbeitsschutzstandards wie folgt definiert werden:

    T

    Sicherstellen, dass Geräte und Maschinen bestimmungsgemäß eingesetzt werden.
    Einbau einer Lichtschranke an ungesicherten Maschinen.
    Einrichtung eines wirksamen Überspannungsschutzes.

    O Regelmäßige Schulungen zur Verwendung von Maschinen und zur Arbeitssicherheit. Die Erstellung leicht verständlicher und praxisnaher Betriebsanweisungen. Einhaltung von Höchstarbeitszeiten nach einer objektiven Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsplätzen oder Schutzmaßnahmen bei Alleinarbeit. Kennzeichnung von Feuerlöscheinrichtungen in allen Räumen im Betrieb.
    P Professionelle Einweisung in die persönliche Schutzausrüstung (PSA). Regelmäßige Teambesprechungen zu Arbeitssicherheit und Vorgaben. Fortlaufende arbeitsmedizinische Untersuchungen und Vorsorge beim Betriebsarzt.

    Was Unternehmen mit personenbezogenen Arbeitsschutzmaßnahmen verbinden sollten

    Personenbezogene Arbeitsschutzmaßnahmen schließen in jedem Fall den sozialen Arbeitsschutz mit ein. Unter dem Terminus „Sozialer Arbeitsschutz“ werden alle Bereiche im Betrieb zusammengefasst, die die Sicherheit von schutzbedürftigen Beschäftigten berühren. Als im Besonderen schutzbedürftige Arbeitnehmer gelten vor allem:

    • Jugendliche Auszubildende unter 18 Jahren, deren Rechte zum Beispiel im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) beleuchtet werden.
    • Werdende Müttern, für die das Mutterschutzgesetz (MuSchG) unter anderem Maßnahmen im Arbeitsschutz definiert.
    • Schwerbehinderte Arbeitnehmer, deren besondere Rechte zum Beispiel im 9. Sozialgesetz (SGB IX) behandelt werden.

    Personenbezogenen Arbeitsschutzmaßnahmen wie zum Beispiel die regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorge beim Betriebsarzt sollte innerbetrieblich grundsätzlich ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.

    Warum vorbeugende Maßnahmen im Arbeitsschutz essenziell sind

    Vorbeugende Arbeitsschutzmaßnahmen machen den Hauptteil der Schutzmaßnahmen zur Arbeitssicherheit in einem Betrieb aus. Arbeitsschutz basiert auf der Verpflichtung, Unfälle oder Beeinträchtigungen der Mitarbeiter proaktiv zu verhindern und somit die Gesundheit aller Mitarbeiter dauerhaft zu gewährleisten. Aus diesem Grund bauen Arbeitsschutzmaßnahmen aufeinander auf. Sie bestehen aus einem Gesamtpaket, das den Arbeitsschutzstandard im Unternehmen darstellt.

    Maßnahmen der Vorsorge sind Teil eines Kreislaufs, der Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit im Unternehmen sicherstellt. Dieser besteht zunächst aus der wichtigen Aufgabe, Gefährdungsbeurteilungen innerbetrieblich vorzubereiten. In einer Gefährdungsbeurteilung erfolgt die systematische Ermittlung und Bewertung aller relevanten Gefährdungen am Arbeitsplatz.

    Eine objektive Bewertung von Risiken und Gefährdungen ist essenziell, um zu einem späteren Zeitpunkt geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen implementieren zu können. Objektivität und Professionalität spielen eine wichtige Rolle bei beim Clustern der Gefährdungsbeurteilung. Auf diese Weise können die eklatantesten Probleme im Betrieb mit Vehemenz angegangen und beseitigt werden.

    Nach einer Priorisierung der Herausforderungen im Betrieb sind Unternehmen angehalten, geeignete Maßnahmen zu definieren, umzusetzen und fortlaufend zu überprüfen. Auf diese Weise entsteht ein Arbeitsschutzstandard, bei dem der Status quo regelmäßig infrage gestellt wird. Das regelmäßige Fortschreiben und Überprüfen der Gefährdungsbeurteilung ist ein Garant dafür, vorbeugende Maßnahmen zum Arbeitsschutz und zur Arbeitssicherheit umzusetzen. Dies verhindert proaktiv Unfälle und Belastungen der Mitarbeiter und führt zu mehr Gesundheit und auch Effizienz im Betrieb.

    Beispiel für vorbeugende Maßnahmen im Arbeitsschutz – Corona und Arbeitssicherheit

    Die Corona Pandemie mit dem neuartigen Coronavirus hält die Welt seit Beginn des Jahres 2020 in Atem. Die Arbeitsschutzmaßnahmen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Covid 19 oder von weiteren epidemischen Erkrankungen, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgegebn wurden, sind ein einleuchtendes Beispiel für vorbeugende Maßnahmen im Arbeitsschutz, hier eine Pandemieplanung. Eine Fachkraft für Arbeitsschutz, der Vorgesetzte oder andere verantwortliche Mitarbeiter im Betrieb sind verpflichtet, die von dem Gesetzgeber, dem BMAS oder den örtlichen Gesundheitsbehörden aufgestellten Regeln und Allgemeinverfügungen zum Schutz vor dem Coronavirus umzusetzen.

    Dies bedeutet für die Belegschaft eines Unternehmens zum Beispiel, Schutzmasken zu tragen, wenn der Mindestabstand nicht gewährleistet werden kann. Ebenso kann es nach sich ziehen, Teams oder Kohorten zu bilden, die ausschließlich miteinander arbeiten, sodass bei einem Ausbruch von SARS CoV-19 nicht der gesamte Betrieb an Quarantänemaßnahmen gebunden ist. Risikogruppen müssen darüber hinaus im Besonderen vor dem Coronavirus geschützt werden.

    Zusammenfassung und Fazit: Arbeitsschutz und Arbeitsschutzstandard sollten in Unternehmen priorisiert werden

    Der Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit gehören zu den wesentlichen Aufgaben und Verpflichtungen, die Arbeitgeber für die Beschäftigten im Unternehmen sicherstellen müssen. Als gesetzliche Grundlage für Arbeitssicherheit und Arbeitsschutzmaßnahmen gilt das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Es definiert die Eckpunkte für Arbeitsschutzstandards im Betrieb.

    Arbeitsschutz im Unternehmen bedeutet grundsätzlich, im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung Pläne zu konkretisieren und diese mit Effizienz zu transformieren. Das TOP-Prinzip, das technische, organisatorische und personenbezogene Arbeitsschutzmaßnahmen einschließt, kann einer Fachkraft für Arbeitsschutz im Betrieb helfen, Gefährdungen korrekt einzuschätzen und Maßnahmen für den Gesundheitsschutz, zum Beispiel in der Pandemieplanung umzusetzen. Wesentlich ist darüber hinaus, dass Arbeitsschutzmaßnahmen proaktiv umgesetzt werden, um Unfällen oder Belastungen der Mitarbeiter wirksam vorzubeugen.

    Autor: Redaktion SafetyXperts

    FAQ: Fragen und Antworten zu Schutzmaßnahmen im Unternehmen

    Was bedeutet Arbeitsschutz nach dem TOP-Prinzip in der Praxis?

    Unternehmen können Arbeitsschutzmaßnahmen effizient nach dem TOP-Prinzip einteilen. Die jeweiligen Anfangsbuchstaben stehen für eine spezifische Kategorie von Arbeitsschutzmaßnahmen. Alle technischen Arbeitsschutzmaßnahmen werden mit dem Buchstaben „T“ abgekürzt. Organisatorische Maßnahmen im Arbeitsschutz erhalten den Buchstaben „O.“ Die wichtigen personenbezogenen Arbeitsschutzmaßnahmen werden mit „P“ abgekürzt.

    Welche personenbezogenen Arbeitsschutzmaßnahmen sind für Betriebe essenziell?

    Betriebe, die schwangere Mitarbeiter oder jugendliche Auszubildende unter 18 Jahren beschäftigen, müssen im Besonderen personenbezogene Arbeitsschutzmaßnahmen umsetzen. Für Schwangere gelten zum Beispiel auf Grundlage des Mutterschutzgesetzes abweichende Pausenzeiten. Ebenso muss ihnen ein Ruheraum zur Verfügung gestellt werden. Auszubildende unter 18 Jahren unterliegen dem Jugendarbeitsschutzgesetz, dass unter anderem abweichende Vorgaben zu Pausenzeiten oder zur Beschäftigung am Wochenende und an Feiertagen macht.

    Ist die Arbeitsstättenverordnung für alle Unternehmen maßgeblich?

    Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) verfolgt das Ziel, die Sicherheit und den Schutz der Beschäftigten durch Vorgaben zu Arbeitsstätten zu gewährleisten. Das Gesetz beschreibt, wie Arbeitsplätze, zum Beispiel in Industriebetrieben oder Büroarbeitsplätze eingerichtet werden müssen. Grundsätzlich gilt die Arbeitsstättenverordnung für alle Betriebe als Maßstab. Sie kann von spezifischen Verfügungen, zum Beispiel der Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (GefStoffV) ergänzt werden. In der ArbStättV wird unter anderem die Größe und Beschaffenheit von Arbeitsräumen im Betrieb oder die Einrichtung und Ausgestaltung von Telearbeitsplätzen geregelt.