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Steharbeitsplatz: In diese Risikobereiche wird eingeteilt

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Steharbeitsplatz

Sie müssen kein Arbeitsmediziner oder Orthopäde sein, um die Gesundheitsgefährdung durch Steharbeit zu ermitteln. Der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) hat zur Unterstützung der betrieblichen Arbeitsschützer eine Handlungshilfe zur Steharbeit herausgegeben. Nutzen Sie dieses Schema, um Belastungen anhand von Dauer und Ausmaß der Stehhaltung zu bewerten.

Steharbeitsplatz
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Die obenstehende Tabelle zeigt, wie Sie den Steharbeitsplatz und seine Formen gemäß dem LASI-Vorschlag in 4 Risikobereiche einteilen. Wichtigstes Kriterium ist die Belastungsdauer. Sie gibt Ihnen eine grobe Orientierung, inwiefern Gestaltungsmaßnahmen notwendig werden.

So können Sie der Tabelle entnehmen, dass 2,5 Stunden stehende Tätigkeiten kaum ein Risiko sind, ab 4 Stunden müssen Sie jedoch handeln und den Steharbeitsplatz optimieren.

Weitere Belastungsfaktoren am Steharbeitsplatz

Die Dauer einer im Stehen verbrachten Tätigkeit ist jedoch nicht der einzige Bewertungsmaßstab. Beziehen Sie auch die anderen Arbeits- und Umgebungsfaktoren am Arbeitsplatz ein, die Art der Tätigkeit, die verwendeten Werkzeuge, Materialien usw.

Mögliche Belastungsfaktoren, die sich gerade bei Steharbeit besonders ungünstig auswirken können, sind z. B.:

  • das Arbeiten in räumlicher Enge
  • das Tragen von PSA, etwa von schwerem Atemschutz
  • das manuelle Bewegen schwerer Gegenstände, insbesondere mit verdrehtem Rumpf
  • das Greifen über Kopf, z. B. um Stellteile zu erreichen
  • feinmotorische Arbeiten, die zu Verspannungen in Schultern und Nacken führen können
  • ein vorgegebenes Arbeitstempo, etwa bei Kontrollarbeiten an
    einem Band
  • ein häufig notwendiges Vor- oder Zur-Seite Beugen, etwa bei diffizilen Schweiß­ oder Montagearbeiten

Diese Arbeitsfaktoren kommen auch bei sitzenden Tätigkeiten vor, können sich jedoch bei einem Dauerstehen früher und stärker auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken.

WICHTIG
Laut Mutterschutzgesetz darf der Arbeitgeber eine schwangere Frau nicht einsetzen, wenn sie „nach Ablauf des fünften Monats der Schwangerschaft überwiegend bewegungsarm ständig stehen muss und wenn diese Tätigkeit täglich vier Stunden überschreitet“. Das entspricht der oben genannten Risikoklasse 3.

 

Auf die richtige Einstellung kommt es an

Nutzen Sie zum Einstellen eines Steharbeitsplatzes diese Faustregeln:

  • Die optimale Arbeitshöhe bei einem Steharbeitsplatz liegt etwa in der Höhe des Ellbogens bis 10 cm tiefer. Das heißt, der Oberarm bildet mit dem Unterarm einen rechten Winkel oder etwas größer.
  • Der Blick sollte leicht nach unten gehen, der Winkel zwischen Blickrichtung und der Horizontalen bei etwa 30 +/- 15 Grad liegen.

Achtung: Für die geeignete Tischhöhe gibt es keine fixierten Werte. Die Höhe muss nicht nur dem Mitarbeiter, sondern auch der Arbeitsschwere angepasst sein. Müssen schwere Gegenstände herangezogen oder weggeschoben werden, kann eine etwas höhere Einstellung entlastend wirken. Bei Arbeiten mit geringem Kraftaufwand kann es angenehmer sein, den Tisch herabzusenken, um die Arme weniger stark anheben zu müssen. So ist es wichtig, jeweils individuell und der Situation angepasste Entscheidungen zum Wohle des Mitarbeiters zu treffen.

Spätestens dann werden Ergomatten notwendig

Das Arbeitsschutzrecht stellt so gut wie keine konkreten Anforderungen an Steharbeitsplätze. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Technische Arbeitsstättenregel zu Fußböden (ASR A1.5/1.2). Sie verlangt für Fälle, in denen sich andauernde (s. o.) Steharbeit nicht vermeiden lässt, folgende Maßnahmen: Sie müssen dafür sorgen, dass der Fußboden

  • ausreichend wärmegedämmt ist, d. h. aus einem Material besteht, das vor Bodenkälte isolierend wirkt.
  • mit ergonomischen Bodenbelägen ausgestattet ist; ergonomisch bedeutet hier: stoßdämpfend und elastisch, leicht federnd.

Nur selten sind Fußböden von vornherein für Steharbeit gestaltet. Daher werden oft Fußmatten oder Auflagen angeschafft, um die beiden Forderungen der ASR zu erfüllen. In einem solchen Fall müssen Sie jedoch unbedingt darauf achten, dass dadurch keine Stolpergefahren entstehen. Auch muss eine Matte in feuchten, öligen oder schmutzigen Arbeitsumgebungen unbedingt rutschfest sein.

Die gute Nachricht ist, dass Sie im Arbeitsschutz­-Fachhandel eine breite Palette von speziellen Bodenmatten finden; sie werden auch als „Ergomatten“ angeboten. Hochwertige Matten entlasten das Muskel- und Skelettsystem und beugen Verkrampfungen, Auskühlen und vorzeitigem Ermüden vor. Es gibt spezielle Modelle für die unterschiedlichsten Branchen und Einsatzzwecke. Fußmatten können schwer entflammbar, ölbeständig, antistatisch oder selbst für Schweißarbeitsplätze, Outdoor-Einsatze und sogar Reinräume geeignet sein.

Geeignete Schuhe bringen Erleichterung am Steharbeitsplatz

Auch da, wo kein spezielles Schuhwerk vorgeschrieben ist, sollten Sie an Steharbeitsplätzen darauf achten, dass Ihre Mitarbeiter sich nicht durch ungeeignete Schuhe unnötig belasten. Wichtige Kriterien für einen Schuh bei Steharbeit sind:

  • hochwertige Dämpfung
  • eine Innensohle mit Fußbett
  • eine in Länge wie Breite bequeme Passform
  • guter Halt im Fersenbereich
  • breite Absätze, die nicht höher als etwa 4 cm sind
  • eine Sohle, die eher flexibel als zu starr ist
  • Als vorteilhaft und entlastend wird oft empfunden, wenn der Mitarbeiter die Weite seines Schuhs selbst einstellen kann, z. B. durch Schnallen oder Schnürung.

Überall, wo Ihre Steharbeiter Sicherheitsschuhe tragen müssen, stellen die genannten Anforderungen in der Regel kein Problem dar. Heikler kann es dort sein, wo Mitarbeiter, etwa im Verkauf oder in der Gastronomie, ihre Fußbekleidung selbst wählen. Wenn es keine Vorgaben zur Arbeitskleidung gibt, bleibt Ihnen nur, Ihre Kolleginnen und Kollegen ggf. darauf anzusprechen oder die genannten Kriterien in einer Unterweisung vorzustellen. Zeigen Sie Verständnis für private oder der Mode geschuldete Vorlieben, aber machen Sie – besser noch Ihr Betriebsarzt – die Gesundheitsfolgen falschen Schuhwerks deutlich. Auch an Arbeitsplätzen, die hohe Anforderungen an korrektes Auftreten und Erscheinungsbild stellen, geht die Gesundheit vor. Wo Chefs z. B. das Tragen von High Heels am Empfang fordern, dürfen Sie dies als Arbeitsschützer nicht ignorieren.

Manchmal kann bei einem unvermeidbareren Steharbeitsplatz auch der Einsatz von Kompressionsstrümpfen infrage kommen. Diese unterstützen das Zurückströmen des Blutes „bergauf“ durch die Venen. Kompressionsstrümpfe oder -socken sollten jedoch nur nach Rücksprache mit dem Arzt getragen werden.

TIPP
Manchem hilft es, ein zweites Paar Schuhe am Arbeitsplatz zur Verfügung zu haben und zwischendurch zu wechseln.

Auch interessant: So wählen Sie die richtigen Arbeitsschutzschuhe aus

Stehhilfen entlasten die Füße um bis zu 60%!

Der dritte Ansatzpunkt für eine erleichterte Steharbeit neben Ergomatten und den richtigen Schuhen sind Stehhilfen. Eine Stehhilfe kann die Last des auf die Füße einwirkenden Körpergewichts um bis zu 60 % verringern. Auch wenn ein dauerhaftes Arbeiten an der Stehhilfe nicht immer möglich ist, so hilft es bereits, den Beinen und Füßen ab und an etwas Entlastung zu verschaffen.

Es geht nicht nur darum, dass Stehen auf Dauer körperlich anstrengend ist. Schauen Sie an den Arbeitsplätzen in Ihrem Unternehmen genauer hin. Das Merkblatt A017 der BG RCI zur Gefährdungsbeurteilung nennt die folgenden 4 Gefährdungs- und Belastungsfaktoren für Steharbeit:

  1. Belastung von Wirbelsäule und Beinen
  2. Arbeitshöhe
  3. Kopfhaltung
  4. Greifraum, das ist der Bereich, den man mit ausgestreckten Armen erreichen kann

Je länger eine Steharbeit andauert und je mehr ungünstige Faktoren zusammenkommen, desto größer wird die Gefahr, dass betroffene Mitarbeiter Gesundheitsbeschwerden entwickeln.

Steharbeitsplatz
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Autor: Friedhelm Kring

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