Lärmschutzfenster: Mehr Ruhe und Gesundheit

Lärmschutzfenster: Mehr Ruhe und Gesundheit

Moderne Lärmschutzfenster sind mehrfachverglast und schallisoliert und lassen den Lärm draußen vor der Tür. Gleichzeitig bieten die Fenster einen Wärmeschutz. Welche wichtigen Infos es noch gibt und wer den Einbau von Lärmschutzfenstern bezuschusst.

Extremer Lärm und eine dauerhafte Lärmbelastung machen langfristig krank. Rund 28 Prozent der Deutschen fühlten sich im Jahr 2018 in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld durch Verkehrs- oder Nachbarschaftslärm belästigt. Innerhalb der Europäischen Union belegt Deutschland neben Malta einen der Spitzenplätze in Bezug auf die gefühlte Lärmbelästigung.

    Geräuschbelastungen in Deutschland

    Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, geht dies aus der Statistik EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) hervor. Diese liefert jährlich Ergebnisse zu Einkommen, Armut und Lebensbedingungen in den EU-Mitgliedsstaaten.

    In Kroatien, Ungarn, Bulgarien und Estland ist der Bevölkerungsanteil, der sich durch Lärm belästigt fühlte, im EU-Vergleich am niedrigsten, heißt es in der Statistik. In den Ländern lag der Anteil jeweils unter 10 Prozent. Der EU-Durchschnitt lag bei 18 Prozent.

    Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die EU-Umgebungsrichtlinie aus dem Jahr 2017. In dieser wurde die Geräuschbelastung der Bevölkerung in Ballungsräumen und an Straßen mit einem Verkehrsaufkommen von mindestens drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr erfasst. Demnach fühlten sich 2,3 Millionen Menschen in Deutschland tagsüber Schallpegeln von mehr als 65 Dezibel (dB) ausgesetzt. In der Nacht litten mehr als zwei Millionen Menschen unter Geräuschpegeln von über 55 dB.

    Der Lärm des Straßen-, Flug- und Schienenverkehrs wird für die Deutschen zunehmend zur Belastung. Neben den gesundheitlichen Schäden verschlechtert sich für viele die Konzentration am Arbeitsplatz. Darüber hinaus raubt der nächtliche Lärm einem Großteil der Bevölkerung nachts den Schlaf.

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    Lärmschutzfenster haben gesundheitsfördernde Wirkung

    Lärmschutzfenster, auch Schallschutzfenster genannt, sind vor diesem Hintergrund ein wirksames Gegenmittel. Die modernen Fenster schirmen die eigenen vier Wände vom Lärm der Außenwelt ab und wirken sich positiv auf das körperliche Wohlbefinden aus.

    Moderne Lärmschutzfenster sind nicht nur eine der wichtigsten Maßnahmen in bezug auf den Lärmschutz. Die modernen Modelle zeichnen sich zudem durch die Mehrfachverglasung aus. Eine Doppel- oder Dreifachverglasung ist bei den modernen Modellen heutzutage üblich. Darüber hinaus bestehen Schallschutzfenster aus unterschiedlich dicken Glasscheiben. Außerdem bieten die Fensterhersteller die mehrfachverglasten Lärmschutzfenster mit besonderen Schallschutzfolien an. Diese Folien werden im Glas verbaut.

    Die Fenstertechnik ist heutzutage weit fortgeschritten. Damit der Lärm von außen auf ein Minimum reduziert wird, gibt es sogenannte Verbund- und Kastenfenster. Diese zeichnen sich durch einen noch besseren Schallschutz aus. Die gleichzeitige Aufwertung der Hausfassade ist ein weiterer Vorteil dieser Verbund- und Kastenfenster. Zudem ist in diesen Fenstern meistens ein Verdunklungs- und Sonnenschutz eingebaut.

    Beim Einbau der Lärmschutzfenster kommt es allerdings auf die fachgerechte Montage an. Kleinere Abweichungen vom Mauerwerk führen bereits zu einer Reduzierung des Schallschutzes und somit zu eine Dysfunktion der mehrfach verglasten Schallschutzfenster.

    Vor dem Hintergrund der Fenstermontage ist es gleichzeitig ratsam, die Dämmung des Rollladenkastens vorzunehmen. Darüber hinaus sollte die Haustür eine Schalldämmung bekommen oder gegen eine neue und bereits gedämmte Tür ausgetauscht werden. Mit diesen Maßnahmen kehrt sowohl im Büro als auch in Privaträumen Ruhe ein. Büroangestellte haben außerdem noch oft das Problem, aufgrund der Lärmbelastung einen Tinnitus zu bekommen.

    Dagegen sind vor allem Anwohner von Industrieanlagen oder von Bahnstrecken Industrielärm und Schienenverkehrslärm ausgesetzt. Durch die hohe Lärmbelastung leidet das körperliche und seelische Wohlbefinden. Lärmschutzfenster bieten hier eine Abhilfe, indem sie den Lärm von draußen abschirmen.

    Schallwirkung der modernen Fenster im Detail

    Die Reduktion des Schalls auf ein Minimum ist eines der wesentlichen Merkmale der Lärmschutzfenster. Wie bereits erwähnt, sorgen dafür unterschiedlich dicke Glasscheiben. Allerdings spielen weitere Faktoren für die effektive Schalldämmung eine Rolle.

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    Mithilfe von Lärmschutzfenstern werden alle Störgeräusche von außen unterbunden © Kekyalyaynen – Adobe Stock

    Neben der Dicke der Scheibengläser, spielt der größere Abstand der Scheibengläser zueinander eine Rolle. Bei einem doppelt verglasten Lärmschutzfenster können die zwei verbauten Scheiben bis zu 14 Millimeter im Außenbereich sowie bis zu 4 Millimeter im Innenbereich dick sein. Zwischen beiden Scheiben gibt es außerdem einen Scheibenzwischenraum. Dieser Zwischenraum kann je nach Fenstermodell zwischen 12 und 24 Millimeter betragen.

    Die großen Abstände der Scheiben zueinander haben eine bestimmte Funktion. Dadurch werden laute Geräusche zu einem Großteil gemindert. Die Schallwellen gelangen dadurch nur schwer ins Innere und die geringe Lautstärke macht sich sofort in den Räumen bemerkbar.

    Moderne Schallschutzgläser zeichnen sich außerdem durch eine weitere Eigenschaft aus. Der Scheibenzwischenraum ist bei den meisten Modellen mit einem Gas gefüllt. Somit wird der Schallschutz nochmals erhöht. Argon, Krypton oder Xenon sind die am meisten verwendeten Gase für den Scheibenzwischenraum. Dadurch werden die Schallwellen aufgehalten und die entstehenden Resonanzen sowie die damit verbundene Lautstärke reduziert.

    Die Fugendichte ist ein weiteres Merkmal moderner Schall- oder Lärmschutzfenster. Wie erwähnt, kommt es auf die exakte Montage der Fenster an. Nur wenn diese optimal und bis auf den Millimeter eingebaut sind, werden die Schallwellen ausreichend reduziert und die Lautstärke in den Räumen gemindert.

    Die Schallschutzverglasung bieten die Fensterhersteller nicht nur als Doppelverglasung an. Eine Dreifachverglasung ist ebenfalls möglich. Somit wird der Schallschutz noch mehr optimiert.

    VDI Richtlinie und DIN-Norm 4100

    Bei der Auswahl der passenden Lärmschutzfenster spielt die VDI-Richtlinie 2719 eine besondere Rolle. Die Richtlinie wurde vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) herausgegeben.

    Die Richtlinie „Schalldämmung von Fenstern und deren Zusatzeinrichtungen“ behandelt die Faktoren, die für die wirksame Schalldämmung von Fenstern wichtig ist. Mit Hilfe der Richtlinie kann das passende Fenster mit Blick auf den Schallschutz ausgewählt werden. Allerdings müssen bei der Auswahl unter anderem die Art der Raumnutzung, die Maße der Schalldämmung sowie die Flächenanteile der Außenwände berücksichtigt werden.

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    © Safety Xperts

    Außerdem spielen Rollladenkästen sowie Lüftungseinrichtungen bei der Auswahl der Fenster eine Rolle. Laut Angaben des VDI wird die Schalldämmung verbessert, je höher die Schallschutzklasse ist. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick zum Schalldämmwert der jeweiligen Schallschutzklasse.

    Neben der Richtlinie 2719 hat der VDI eine weitere Richtlinie in Bezug auf den Schalschutz von Fenstern herausgegeben. Hierbei handelt es sich um die DIN-Norm 4100. Mit dieser Richtlinie zum „Schallschutz von Wohnungen – Kriterien für Planung und Beurteilung.

    Mit der DIN-Norm 4100 werden drei Schallschutzstufen definiert. Diese Stufen sind wichtig für die Beurteilung unterschiedlicher Qualitäten des baulichen Schallschutzes. Anhand der VDI-Richtlinie werden die unterschiedlichen Schallschutzstufen den üblichen Baubewertungsstufen zugeordnet. Letztendlich lässt sich damit die Qualität der Wohnung in Bezug auf den Schallschutz festlegen. Bei neuen Gebäuden ist der Schallschutz eine wesentliche Eigenschaft, der gleichzeitig zur Wertsteigerung der Immobilie beiträgt.

    Eine weitere Funktion der DIN-Norm 4100: sie dient der vertraglichen Verabredung zwischen Bauherrn, Bauausführenden und bauakustischen Beratern. Außerdem ist sie eine Ergänzung der Richtlinie DIN 4109. Mit dieser Norm sollen Menschen in Wohnungen und Bürogebäuden vor Belästigung durch Schallübertragung geschützt werden. Die Anforderungen dafür sind in dieser Norm festgeschrieben.

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    Einteilung in Schallschutzklassen und Schalldämmmaß

    Lärmschutzfenster werden insgesamt in sechs Schallschutzklassen unterteilt. Dabei gilt die Faustregel: je höher die Schallklasse ist, desto höher ist auch die Schalldämmung. Die Wahl der Schallschutzklasse steht in engem Zusammenhang mit der Geräuschkulisse des Wohnumfelds. Darüber hinaus ist Lärm stets ein subjektives Empfinden. Außerdem birgt eine zu hohe Schallschutzklasse auch Nachteile für die Bewohner der Wohnung oder des Hauses oder für Mitarbeiter in einem Büro. Das Isolationsgefühl und die hohen Kosten für die Lärmschutzfenster sind zwei Beispiele dafür.

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    Die Auswahl der richtigen Schallschutzklasse ist von entscheidender Bedeutung © LoloStock – Adobe Stock

    Gemäß der DIN 4109 und 4100 werden die Schallschutzfenster in die sechs Klassen und zusätzlich in Schalldämmmaß unterteilt. Dies zeigt die folgende Tabelle.

    SchallschutzklasseSchalldämmwert in dB
    SK 125 bis 29 dB
    SK 230 bis 34 dB
    SK 335 bis 39 dB
    SK 440 bis 44 dB
    SK 545 bis 49 dB
    SK 6mehr als 50 dB

    Das Schalldämmmaß gibt an, wieviel Lärm von außen vom Lärmschutzfenster abgehalten wird. Eine Verringerung um 10 Dezibel wird schon deutlich als Halbierung der Lautstärke wahrgenommen.

    Wärmeschutz und Gesundheit durch Schallschutzfenster

    Schall- oder Lärmschutzfenster mit der entsprechenden Schallschutzklasse sorgen jedoch nicht nur für ruhige Räume im Haus oder in der Wohnung. Langfristig wirken sich die modernen Fenster auf das physische und psychische Wohlbefinden aus. Der ausreichende Einlass von Tageslicht ist mit den Lärmschutzfenstern gleichzeitig gegeben.

    Mittlerweile halten die Fensterhersteller passende Lösungen bereit, die natürliches Licht in die Räume lassen. Gleichzeitig bieten Schallschutzfenster einen wirksamen Hitzeschutz, der vor allem in den Sommermonaten von großer Bedeutung ist.

    Je größer die Fenster in der Hausfassade sind, desto mehr Tageslicht kommt herein. Das Licht ist erwiesenermaßen gut für die Gesundheit und fördert die Konzentration. Außerdem sorgen großformatige Fenster für ein gesundes Raumklima. Obwohl die meisten Lärmschutzfenster doppelt verglast sind, erwärmen sie durch solare Wärmeeinträge der Verglasung in den kalten Wintermonaten die Räume des Hauses. Lärmschutzfenster bieten also gleich mehrere Vorteile:

    • Die Lautstärke von draußen wird durch die Mehrfachverglasung deutlich verringert.
    • Durch die effiziente Dämmung der Fenster bleibt die Wärme im Raum und bieten somit einen guten Wärmeschutz.
    • Die Energiekosten werden sich nach dem Einbau der Schallschutzfenster spürbar senken.

    Zuschuss für die Montage

    Der Einbau von mehrfachverglasten Schallschutzfenstern ist für Haus- und Wohnungsbesitzer oft mit hohen Kosten verbunden. Fenster der Schallschutzklasse 3 sind meistes mit einem zweistelligen Aufpreis pro Quadratmeter Fensterfläche verbunden. Die Kosten für die Montage von Schallschutzfenstern mit der Schallschutzklasse 5 liegen in der Regel im dreistelligen Bereich pro Quadratmeter Fensterfläche.

    Beim Kauf und bei der Montage sollte allerdings die Qualität der Fenster im Vordergrund stehen und der Preis an zweiter Stelle. Wer Straßenlärm oder Fluglärm ausgesetzt ist oder gar an einer Hauptstraße wohnt, sollte etwas mehr Geld für die Lärmschutzfenster ausgeben. Die Gesundheit sollte stets die oberste Priorität haben.

    Der Einbau der Fenster wird durch die KfW-Förderbank (Kreditanstalt für den Wiederaufbau) in vielen Fällen bezuschusst. Auf der Webseite der KfW gibt es verschiedene Förderprogramme – unter anderem zur energetischen Gebäudesanierung. Im Rahmen einer solchen Sanierung lassen sich viele Immobilienbesitzer die lärm- und schallschützenden Fenster einbauen.

    Je nach Förderprogramm vergibt die KfW zinsgünstige Kredite oder feste Zuschüsse zu den Investitionskosten. Die KfW-Programme existieren bundesweit. Allerdings sind die Förderrichtlinien von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Aus diesem Grund sollte man sich von einem Fachmann beraten lassen.

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    Immer häufiger wird der Einbau von Lärmschutzfenstern bei Gebäudesanierungen berücksichtigt © yuriygolub – Adobe Stock

    Wer ein zinsgünstiges Darlehen oder einen festen Zuschuss von der KfW bekommen möchte, muss einen entsprechenden Antrag an die Förderbank stellen. Nach der Bewilligung, wird dieser über die Hausbank ausgezahlt.

    Förderung für Schallschutz an Verkehrswegen und Flughäfen

    Das Bundesimmissionsschutzgesetz regelt den Verkehrslärm in Deutschland. In den meisten Fällen fördern der Bund, die Stadt oder die Gemeinde daher den Einbau von passiven Schallschutz. In vielen Fällen werden bis zu 75 Prozent der Einbaukosten erstattet. Wenn neue Straßen gebaut werden oder Änderungen an Verkehrswegen geschehen, können diese Ansprüche geltend gemacht werden.

    Fazit zu Lärmschutzfenstern

    Lärmschutz- oder Schallschutzfenster sind aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens auf Bundesstraßen und Autobahnen heutzutage wichtiger denn je. Die Fenster sorgen mit ihrer Bauweise nicht nur für einen erhöhten Schallschutz, sondern sind gleichzeitig wohltuend für das körperliche und geistige Wohlbefinden.

    Die Mehrfachverglasung von Lärmschutzfenstern und die Schalldämmung durch die größeren Abstände der Scheiben zueinander sorgen für eine maximale Reduzierung des Schallpegels. Allerdings legen die Fensterhersteller Wert darauf, dass der Schallschutz die Räume des Hauses und der Wohnung nicht vollkommen von der Außenwelt abschneidet.

    Lärmschutzfenster sind in sechs Schallschutzklassen eingeteilt. Für Wohnungen und Häuser an Verkehrswegen eignen sich in der Regel Fenster der Klasse 3. Bei Büros und Wohnungen in der Nähe eines Flughafens sollten die Fenster eine höhere Schallschutzklasse aufweisen.

    Holzfenster oder Kunststofffenster werden den Anforderungen an einen ausreichenden Schallschutz gerecht. Vor dem Einbau steht jedoch die ausführliche und kompetente Beratung durch einen Fachmann. Darüber hinaus sollte der Einbau nur durch einen ausgewiesenen Fachbetrieb erfolgen.

    Autor: Redaktion SafetyXperts