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Gefahrstoffverordnung: Wo ist besondere Qualifikation nötig?

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Gefahrstoffverordnung

Wer mit besonders gefährlichen Chemikalien arbeitet, braucht auch eine besondere Qualifikation. Diese kann häufig durch die Teilnahme an einem entsprechenden Lehrgang erworben werden. Wer einen Sachkundenachweis benötigt, muss auch eine Prüfung ablegen. Wir haben für Sie zusammengestellt, welche besonderen Qualifikationen die Gefahrstoffverordnung fordert.

Gefahrstoffverordnung fordert spezielle Fach- oder Sachkunde

Die Begriffe „fachkundig“ und „sachkundig“ sind zentrale Begriffe der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Damit in der Praxis diese Ausdrücke korrekt verwendet werden, liefert Ihnen die GefStoffV auch die entsprechende Begriffsbestimmung.

Fachkundig ist, wer zur Ausübung einer in der Gefahrstoffverordnung bestimmten Aufgabe befähigt ist. Die Anforderungen an die Fachkunde sind abhängig von der jeweiligen Art der Aufgabe. Zu den Anforderungen zählen eine entsprechende Berufsausbildung, Berufserfahrung oder eine zeitnah ausgeübte entsprechende berufliche Tätigkeit sowie die Teilnahme an spezifischen Fortbildungsmaßnahmen.

Sachkundig ist, wer seine bestehende Fachkunde durch Teilnahme an einem behördlich anerkannten Sachkundelehrgang erweitert hat. In Abhängigkeit vom Aufgabengebiet kann es zum Erwerb der Sachkunde auch erforderlich sein, den Lehrgang mit einer erfolgreichen Prüfung abzuschließen. Sachkundig ist ferner, wer über eine von der zuständigen Behörde als gleichwertig anerkannte oder in der Gefahrstoffverordnung als gleichwertig bestimmte Qualifikation verfügt.

In diesen Fällen ist Fachkunde gefordert

Der Begriff „fachkundig“ wird in der Verordnung im Zusammenhang mit den folgenden 4 Maßnahmen verwendet.

1. Arbeitsplatzmessungen: Wer Arbeitsplatzmessungen durchführt, muss fachkundig sein. Die Anforderungen an diese Fachkunde sind in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 402 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition“ genauer beschrieben.

2. Zugangsbeschränkungen für besonders gefährliche Stoffe: „Totenkopf-Stoffe“ sind unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern, dass nur fachkundige Personen Zugang haben. Gleiches gilt für Chemikalien, die mit dem Gefahrenpiktogramm GHS 08 (Korpus) gekennzeichnet und wie folgt eingestuft sind:

  • spezifisch zielorgantoxisch der Kategorie 1
  • krebserzeugend der Kategorien 1A oder 1B oder
  • keimzellmutagen der Kategorie 1A oder 1B

Zudem dürfen Tätigkeiten mit diesen Chemikalien nur von fachkundigen oder besonders unterwiesenen Personen ausgeführt werden. Gleiches gilt für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die als

  •  reproduktionstoxisch der Kategorie 1A oder 1B oder
  • atemwegsensibilisierend eingestuft sind.

Diese Forderung gilt gemäß TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“ als erfüllt, wenn die Lagerung

  1. in einem geeigneten, abschließbaren Schrank,
  2. in einem abschließbaren Gebäude oder abschließbaren Raum, wenn das Gebäude von unterschiedlichen Gruppen genutzt wird, oder
  3. auf einem Betriebsgelände mit Werkszaun und Zugangskontrolle, einschließlich Industrieparks, erfolgt. Konkretisierungen zur Fachkunde enthält die TRGS 510 jedoch nicht.

3. Öffnen begaster Einheiten: Begaste Fahrzeuge, Waggons, Container, Tanks oder andere begaste Transportbehälter  dürfen nur unter Aufsicht einer fachkundigen  Person geöffnet werden, die in der Lage ist, mögliche Gefährdungen von Beschäftigten oder anderen Personen zu ermitteln, zu beurteilen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu veranlassen. Begasungen selbst dürfen ausschließlich von Personen mit entsprechenden Sachkundenachweis durchgeführt werden.

4. Gefährdungsbeurteilung: Die Gefährdungsbeurteilung darf ausschließlich von fachkundigen Personen durchgeführt werden. Als fachkundig sind z. B. die Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Betriebsarzt anzusehen.

Sonderfall: Fachkunde für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung

Die Gefahrstoffverordnung und die Technischen Regeln zur Gefahrstoffverordnung regeln nicht, wie die Fachkunde für die Gefährdungsbeurteilung erworben werden kann. Es gibt viele Schulungsveranstalter, die entsprechende Kurse anbieten. Doch allein durch die Teilnahme an solchen Kursen können Sie nicht die erforderliche Fachkunde erwerben. Die Veranstalter können den Teilnehmern daher auch nicht die „Erlangung der Fachkunde gemäß GefStoffV“ bescheinigen. Fachkunde-Fortbildungsveranstaltungen können aber zur Vervollständigung der Fachkunde (und zu deren Auffrischung) beitragen, sofern die nachstehend beschriebenen Kenntnisse vermittelt werden. Wer die Gefährdungsbeurteilung durchführt, benötigt mindestens folgende Kenntnisse:

  • zu den für die Beurteilung notwendigen Informationsquellen nach TRGS 400,
  • zu den Gefahrstoffen und ihren gefährlichen Eigenschaften,
  • zu den mit den Gefahrstoffen im Betrieb durchgeführten Tätigkeiten,
  • zum Vorgehen bei der Beurteilung gesundheitlicher (inhalativer, dermaler, oraler) und physikalisch-chemischer Gefährdungen,
  • zur Substitution gemäß der TRGS 600,
  • zu technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen,
  • zur Kontrolle der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen und mm zur Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung.

Die Anforderungen an den Umfang und die Tiefe der notwendigen Kenntnisse können in Abhängigkeit von der Branche, dem Betrieb und den zu beurteilenden Tätigkeiten unterschiedlich und müssen nicht in einer Person vereinigt sein.

Für besonders gefährliche Arbeiten brauchen Sie einen Sachkundigen

Von der „Fachkunde“ zu unterscheiden ist die „Sachkunde“: Bei den folgenden 3 Tätigkeiten wird in Anhang I der GefStoffV die Sachkunde gefordert:

a. Begasungen: Für Tätigkeiten mit Begasungsmitteln, wie z. B. Cyanwasserstoff (Blausäure) oder Phosphorwasserstoff, benötigen Sie die Erlaubnis der zuständigen Behörde. Damit Sie diese Erlaubnis erhalten, ist zunächst die erforderliche Sachkunde und ausreichende Erfahrung für Begasungen nachzuweisen.

b. Schädlingsbekämpfung: Für die Schädlingsbekämpfung mit sehr giftigen, giftigen und gesundheitsschädlichen Chemikalien benötigen Sie
sachkundige Personen. Sachkundig sind „Geprüfte Schädlingsbekämpfer“. Ihre zuständige Behörde kann aber auch andere Qualifikationen als gleichwertig anerkennen.

c. Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten):  Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten mit Asbest dürfen nur von geeigneten Fachbetrieben durchgeführt werden. Bei den Arbeiten ist dafür zu sorgen, dass mindestens eine weisungsbefugte sachkundige Person vor Ort tätig ist. Dieser Sachkundenachweis wird durch die erfolgreiche Teilnahme an einem von der zuständigen Behörde anerkannten Sachkundelehrgang erbracht.

Technische Regeln enthalten die Details

Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) konkretisieren die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung auch im Hinblick auf die bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen geforderte Qualifikation. Die nachstehende Tabelle informiert Sie darüber, welche Fach- und Sachkundeanforderungen im Technischen Regelwerk gefordert sind und wie Sie die Qualifikation erhalten können.

Gefahrstoffverordnung

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Autor: Gabriele Janssen


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