So setzen Sie Ihren Hygieneplan in die Praxis um

So setzen Sie Ihren Hygieneplan in die Praxis um

Ein Hygieneplan fasst die Maßnahmen zusammen, mit denen Infektionen eingedämmt und deren Ausbreitung verhindert werden soll. Für Gemeinschaftseinrichtungen und Massenunterkünfte müssen Sie gemäß den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) beschreiben, wie Sie bestimmte Hygienestandards konsequent umsetzen. (Aktualisiert am 29.10.20)

Hygiene ist Chefsache: Arbeitgeber sind für sichere und damit auch für hygienische Lebens- und Arbeitsbedingungen in Unternehmen verantwortlich. Der Arbeitgeber kann jedoch Hygienebeauftragte bestellen, die ihn bei der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen unterstützen und bspw. einen Hygieneplan erstellen.

Vorgaben zur allgemeinen Hygiene finden Sie in der Arbeitsstättenverordnung und den Technischen Regeln für Arbeitsstätten, z. B. in den ASR A4.2 „Pausen- und Bereitschaftsräume“ und ASR A4.1 „Sanitärräume“.

    Darum brauchen Sie einen Hygieneplan

    In besonders infektionsgefährdeten Bereichen sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um hygienische und sichere Arbeitsbedingungen zu gewährleisten: Das IfSG fordert deshalb Hygienepläne für alle Gemeinschaftseinrichtungen, Lebensmittelbetriebe und Gesundheitseinrichtungen, in denen Infektionskrankheiten übertragen werden können. Das sind z. B. Kindertagesstätten und Schulen, Krankenhäuser, Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Dialyseeinrichtungen etc.

    Den Hygieneplan erstellen

    Wie Sie Ihren Hygieneplan formal gestalten, ist vom IfSG nicht vorgeschrieben. Wichtig ist, dass Sie alle betroffenen Bereiche in Ihrer Einrichtung berücksichtigen und die Maßnahmen tatsächlich
    geeignet sind, einen hygienischen Zustand herzustellen. Mit einem gründlich erarbeiteten und jährlich aktualisierten Hygieneplan können Sie nachweisen, dass Sie Ihre Sorgfaltspflicht erfüllt
    haben.

    Wichtige Inhalte eines Hygieneplans

    Wichtige Bestandteile des Hygieneplans sind dabei der Reinigungs- und Desinfektionsplan und der Hautschutzplan.

    Weitere Inhalte des Hygieneplans können sein:

    • hygienerelevanter Umgang mit Medikamenten und Produkten
    • allgemeine Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz
    • Aufbereitung von Produkten
    • Vorgaben zur Sterilisation
    • Hygieneanweisungen für Lebensmittel, Wasser und Luft
    • Vorgaben zur Abfallentsorgung

    6 Tipps zur erfolgreichen Hygieneplan-Umsetzung

    Um eine Orientierung für die Erstellung eines Hygieneplans zu kriegen, sind folgende Schritte sinnvoll:

    1. Analysieren Sie die Infektionsgefahren im Rahmen verschiedener Bereiche.
    2. Bewerten Sie anschließend, wie hoch die Infektionsrisiken sind.
    3. Legen Sie spezielle Maßnahmen in Ihrem Plan fest, wie die Infektionsrisiken und deren Ausbreitung minimiert oder umgangen werden können.
    4. Sorgen Sie dafür, dass im Rahmen des Hygieneplans Aktualisierungen durch Begehungen sowie Dokumentationen ermöglicht werden.
    5. Bestimmten Sie Zuständigkeitsbereiche und Verantwortlichkeiten für die regelmäßige Aktualisierung der Maßnahmen. Änderungen sollten erkenntlich sein, zum Beispiel durch das Erstellungsdatum und Überarbeitungsdatum.
    6. Zuletzt ist es wichtig, das Personal zu unterweisen und die Kenntnisnahme durch eine Unterschrift zu sichern.
    Falls ein Musterplan verwendet wird, sollte der Plan nicht komplett übernommen, sondern an die entsprechenden Gesundheitseinrichtungen angepasst werden.
    Mit unseren Tipps wird der Hygieneplan ein Erfolg © Konstantin Yuganov – Adobe Stock

    Aufbewahrung und Verwaltung des Hygieneplans

    Sie sollten den Hygieneplan als elektronische Datei verwalten. Nur die verantwortliche Person, also der Hygienebeauftragte oder die Leitung sollten darin Änderungen vornehmen können. Verzeichnen Sie auf jeder geänderten Seite des Plans das Änderungsdatum. Damit wird ersichtlich, wann die Aktualisierung stattgefunden hat.

    Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin einer medizinischen Einrichtung sollte den Hygieneplan gelesen und verstanden haben. Daher macht es Sinn, diesen auch als gedruckte Ausfertigung vorzuhalten. Werden Änderungen notwendig, drucken Sie die betroffenen einzelnen Seiten aus und integrieren Sie sie dann in die Druckversion.

    Bestimmte Teile des Hygieneplans wie z. B. der Reinigungs- und Desinfektionsplan oder der Hautschutzplan sollten außerdem an Stellen, an denen hygienerelevante Tätigkeiten ausgeführt werden, ausgehängt sein.

    Halten Sie den Hygieneplan aktuell

    Ein Anlass für die Änderung des Hygieneplans sind gesetzliche Änderungen. Darüber hinaus sollten Sie Ihren Hygieneplan regelmäßig auf Aktualität überprüfen. Erstellen Sie sich dazu am besten einen auf Ihre Einrichtung und auf Ihr Tätigkeitsprofil zugeschnittenen Fragenkatalog.

    Die wichtigsten Fragestellungen sind hier kurz dargestellt:

    • Liegen alle notwendigen Informationen vor?
    • Sind die im Hygieneplan enthaltenen Angaben darauf abgestimmt?
    • Laufen alle Prozesse wie im Hygieneplan beschrieben ab?
    • Sind die Abläufe detailliert genug beschrieben?
    • Werden neue oder andere Produkte verwendet?
    • Stimmen alle Dosierangaben und Einwirkzeiten?
    • Haben sich Zuständigkeiten geändert?
    • Fallen bisherige Bereiche weg oder kommen neue hinzu?
    • Sind sonstige Umstrukturierungen erfolgt?
    • Ist der Arbeitsschutz überall gewährleistet?
    • Ist Ihre Gefährdungsbeurteilung auf dem neuesten Stand?

    Diese Fragenliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Selbstverständlich sollten Sie weitere individuelle Gesichtspunkte darin aufnehmen. Je genauer und kompletter die Fragen abgefasst sind, desto leichter fällt es Ihnen, zu ändernde Punkte zu identifizieren.

    Hygienebegehung und Begehungsprotokoll

    Arbeitgeber können in Ihrem Unternehmen ein Hygieneteam einsetzen, das den Plan erarbeitet, prüft und aktualisiert sowie die Hygieneschulung für die Mitarbeiter durchführt. Um die erforderlichen Maßnahmen für eine Einrichtung oder eine Abteilung festzulegen, sollten Sie den Istzustand mit einer Begehung ermitteln.

    Als Fachkraft für Arbeitssicherheit sollten Sie dabei die Leitung der Einrichtung und das Hygieneteam einbeziehen. Berücksichtigen Sie auch Hinweise und Anregungen von Eltern (z. B. in Kindertagesstätten und Schulen), Besuchern und Angehörigen (z. B. in Krankenhäusern und Pflegeheimen), Mitarbeitern und Reinigungspersonal (z. B. in Unternehmen).

    Starten Sie Ihre Begehung am besten auf dem Außengelände. Berücksichtigen Sie dann Bau und Einrichtung (z. B. Schäden am Gebäude) und die sogenannte Umgebungshygiene (Zustand von Böden, Wänden und Decken). Achten Sie in Feuchträumen auf Schimmelbildung, schauen Sie sich im Rahmen der Ist-Analyse den Zustand von Handwaschbecken und Armaturen an.

    Wichtig: Fassen Sie Beobachtungen und kritische Punkte in einem Begehungsprotokoll zusammen. Sorgen Sie dafür, dass Mängel rasch behoben werden.

    Systematische Reinigung

    Organisieren Sie dann die Reinigung von Flächen und Gegenständen. Halten Sie im Reinigungsplan fest, wer welche Flächen und Gegenstände wie häufig bzw. wann mit welcher Methode reinigen soll. Eine Desinfektion von Flächen ist nur notwendig, wenn diese mit potenziell infektiösen Substanzen (wie Blut oder Fäkalien) kontaminiert sind. Spezielle Hinweise finden Sie in der DGUV-Regel „Desinfektionsarbeiten im Gesundheitsdienst“ (DGUV-Regel 107-002) und der DGUV-Regel „Reinigungsarbeiten mit Infektionsgefahr in medizinischen Bereichen“ DGUV-Regel 101-017.

    Fazit: Hygieneplan mit Maßnahmen erfolgreich umsetzen

    Der Hygieneplan beinhaltet Verfahrensweisen und Anweisungen für die Einhaltung bestimmter Hygienestandards. Dieser hat zum Ziel, die Ausbreitung von Infektionen und Krankheiten zu minimieren und zu verhindern. Mithilfe konkreter Maßnahmen können Mitarbeiter angeleitet werden, wie es sich beispielsweise im Umgang mit Produkten oder der allgemeinen Pflege und Desinfektion bestimmter Flächen oder Körperteile zu verhalten hat.

    Regeln Sie die Verantwortlichkeit für alle Bereiche und halten Sie Maßnahmen und Personen in Ihrem Hygieneplan fest. Sorgen Sie dafür, dass die Mitarbeiter in einer Hygienebelehrung über alle Maßnahmen informiert sind. Und zu guter Letzt: Denken Sie daran, den Erfolg Ihrer Maßnahmen regelmäßig zu kontrollieren.

    FAQ- Wichtige Fragen zum Hygieneplan

    Was ist ein Hygieneplan?

    Ein Hygieneplan ist ein Dokument, das präventive Anweisungen zur Einhaltung bestimmter Hygienestandards enthält, um die Verbreitung von Infektionen und Krankheiten zu verhindern.

    Wer schreibt einen Hygieneplan vor?

    Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gibt den Leitern entsprechender Einrichtungen vor, Verfahrensweisen und Unterweisungen zum Einhalten festgelegter Hygienestandards sichergestellt sind.

    Woraus besteht der Hygieneplan?

    Der Hygieneplan ist in seiner Form und Struktur frei gestaltbar. Folgende Inhalte müssen jedoch feste Bestandteile sein: WAS ist Fokus des Hygieneplans (Hände, Haut etc.)? WIE und WOMIT wird die Hygiene vorgenommen? Wie lauten die ANWEISUNGEN? WER ist verantwortlich?

    Wo sollte der Hygieneplan ausgehangen sein?

    Der Hygieneplan sollte in den entsprechenden Bereichen, in denen das Infektionsrisiko hoch ist bzw. Hygienestandards für die Tätigkeit relevant sind, ausgehangen sein.

    Autor: Redaktion SafetyXperts