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Radonstrahlung: Die Gefahr des radioaktiven Zerfalls

© indranesia – Shutterstock
Radonstrahlung

Radioaktivität hat keineswegs nur etwas mit Atomkraftwerken zu tun. Vor allem aus dem Boden gelangen die Strahlen in die Luft. Wie gefährlich die sogenannte Radonstrahlung wirklich ist und wie man sich davor schützen kann.

    Radon ist ein Edelgas, das in der Natur vorkommt. Es entsteht durch den radioaktiven Zerfall von Uran, den es in unterschiedlichen Konzentrationen im Boden gibt. Im Erdreich kommt Radon in vielen Gesteinen vor.

    Weltweite Radonbelastung

    Die charakteristische Eigenschaft für das Edelgas: Man kann es nicht sehen, riechen oder schmecken. Darüber hinaus wird es aus allen Materialen freigesetzt, in denen Uran vorhanden ist. Weltweit gibt es keinen Raum, in dem die Radonstrahlung nicht vorkommt. Die natürliche Strahlung kommt überall auf der Welt vor. In Deutschland macht diese Strahlenexposition den größten Teil der natürlichen Strahlungsquellen aus, derer die Bevölkerung ausgesetzt ist.

    In bestimmten Gegenden Deutschlands ist die Radonbelastung – oder auch die Konzentration von Radon – höher als in anderen Gegenden. So ist das Radonpotenzial in Bayern, insbesondere im Bayerischen Wald sowie im Voralpenland, höher als in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg Vorpommern, wo es überwiegend flach ist.

    Laut Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) ist der Bayerische Wald ein Granitgebiet. Granit habe ein erhöhtes Radonpotenzial.

    Eine weitere Eigenschaft von Radon ist die kurze Halbwertszeit. Diese beträgt 3,8 Tage. Es hängt jedoch davon ab, in welcher Konzentration das Gas vorhanden ist. In der Regel zerfällt es nach vier Tagen in seine Folgeprodukte.

    Radonstrahlung kann ein Auslöser für Lungenkrebs sein

    Über Spalten und Risse in Böden und Gesteinen wird Radon freigesetzt und gelangt somit in Gebäude. In diesen sammelt es sich in den Innenräumen an. Sobald es eingeatmet wird, gelangt es in die Lunge und die Bronchien. Das Gas als solches ist nicht gefährlich, da es zu einem Großteil wieder ausgeatmet wird.

    Gefährlich für den Menschen sind allerdings die Zerfallsprodukte, speziell Polonium 214 und 218. Diese Schwermetalle lagern sich auf der Lunge ab und verursachen dort Zellschädigungen. Darüber hinaus können sie die DNA schädigen und begünstigen somit Lungenkrebs, heißt es beim BfS.

    Der Gefährlichkeitsgrad der Radonstrahlung hängt von der Dauer ab, derer sich der Strahlung ausgesetzt wird. Je länger, desto gefährlicher. Das Gas gilt neben dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Laut Angaben des BfS sterben jährlich rund 2.000 Menschen an den Folgen einer Radon-Exposition.

    Entdeckung von Radon

    Die Geschichte der Entdeckung von Radon reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Zur damaligen Zeit beobachtete der Arzt, Apotheker und Wissenschaftler Georg Agricola, dass Bergarbeiter im Erzgebirge an einer zumeist tödlich verlaufenden Lungenkrankheit erkrankten. In der Medizingeschichte ist sie unter dem Namen „Schneeberger Bergkrankheit“ bekannt. Etwa 150 Jahre später wurde Gleiches bei Minenarbeitern in Joachimsthal in Böhmen festgestellt. In beiden Bergbaurevieren wurde zu dieser Zeit Kupfer, Silber und Bleiglanz abgebaut. Im 20. Jahrhundert war es Pechblende zur Uran- und Radiumgewinnung. Doch bereits im 19. Jahrhundert erkannte man, dass es sich bei den Lungenkrankheiten um Lungenkrebs handelte.

    Das BfS führt seit 1993 die sogenannte Wismut-Studie durch. Es ist weltweit die größte Untersuchung, die rund 60.000 männliche Beschäftigte erfasst, die in der ehemaligen DDR zwischen 1946 und 1990 im Uranerzbergbau tätig waren. Laut Angaben des BfS ist das Ziel der Studie, die gesundheitlichen Folgen der beruflichen Strahlen- und Staubbelastung wissenschaftlich aufzuarbeiten.

    Es gibt zahlreiche Publikationen, in denen erste Ergebnisse veröffentlicht wurden. Auf Anfrage stellt das Bundesamt die Analysen für externe Wissenschaftler zur Verfügung.

    Regionale Unterschiede der Radonbelastung

    Wie bereits erwähnt, ist die Radonbelastung in Deutschland von Region zu Region unterschiedlich. In den norddeutschen Tiefebenen ist die Konzentration meistens niedriger als in der Alpenregion oder im Schwarzwald.

    Zur besseren Information stellt das BfS Karten zur regionalen Verteilung in Böden, Innenräumen und im Freien bereit. Das Bundesamt weist gleichzeitig darauf hin, dass Aussagen zu Einzelgebäuden oder Baugrundstücken aus den Karten nicht abzulesen sind.

    Radon im Boden

    Zwischen 1993 und 2003 hat das BfS insgesamt 2.346 Messungen flächendeckend in ganz Deutschland vorgenommen. Die Ergebnisse wurden vom Bundesamt auf einer Radon-Karte dargestellt. Auffällig ist, dass in Gebieten aufgrund ähnlicher geologischer Eigenschaften mit einer höheren Radon-Konzentration zu rechnen ist. Auf der Karte liegen die Messpunkte dichter beieinander als in den restlichen Regionen.

    Anhand der Messdaten hat das BfS die Konzentration von Radon im Boden flächendeckend abgeschätzt. Die Karte verdeutlicht die ermittelten Schätzungen. Wie hoch die Aktivität der radioaktiven Substanz Radon ist, zeigt das Bundesamt auf einer weiteren interaktiven Karte.

    Über die Radonkonzentration der Bodenluft auf Baugrundstücken macht die Karte des BfS keine Angaben. Hier ist die Situation vor Ort zu klären, heißt es von Seiten des Bundesamtes. Darüber hinaus trifft die Karte keine Aussage zur Radonkonzentration in einem Haus.

    Die Karten zeigen die regionale Situation in einem groben Raster. Der BfS verweist ausdrücklich darauf, dass man Aussagen zu einzelnen Grundstücken und Häusern nicht treffen kann.

    Radon im Freien

    Die Schwierigkeit bei Radon: Wenn es aus den Böden oder Gesteinen entweicht, gelangt es schnell in die Außenluft und vermischt sich mit ihr. Normalerweise tritt die Konzentration in geringen Mengen aus.

    Analog zu den Messungen für die Böden hat das Bundesamt für Strahlenschutz zwischen 2003 und 2006 deutschlandweit Messungen durchgeführt, wie hoch die Radonkonzentration in der Luft ist.

    Mit sogenannten Festkörperspurdetektoren wurde in 1,5 Meter Höhe über einen Zeitraum von drei Jahren jeweils ein Jahr die Radonkonzentration in der Außenluft gemessen. Unterstützt wurde das BfS dabei laut eigenen Angaben vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

    Wie hoch die Radonbelastung in der Luft ist, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab:

    • Geologie: Im Boden ist der Gehalt von Uran und Radium-226 in Mittel- und Süddeutschland höher als im Norden des Landes.
    • Witterungsverhältnissen: Radonarme Luftmassen in Norddeutschland senken die Radon-Konzentration in der bodennahen Luft. Wegen stärkerer Winde in den nördlichen Regionen wird die Luft stärker durchmischt.

    Genau wie zur Radonkonzentration wurde auch für die Luft eine Karte erstellt. Auf dieser ist sie in Bq pro Quadratmeter (Bq/m2) angegeben.

    Wohnungen als Problem

    Da Radon ein Gas ist, dass sich schnell verbreitet und die Strahlenexposition kaum aufgehalten werden kann, stellen Wohnungen und Büroräume vor diesem Hintergrund ein großes Problem dar.

    Über undichte Fundamente, Rohre, Fugen oder Kellerschächte kann Radon ins Haus gelangen und sich dort anreichern. Die Gefahr vor zu hoher Radonbelastung ist in Kellerräumen besonders hoch. Über Türen und Treppen kann er in die obersten Stockwerke gelangen. Obwohl es sich das Gas mit der Raumluft verdünnt, ist die Konzentration um ein Vielfaches höher als in der Außenluft.

    Vor hoher Radonkonzentration ist man auch in Büroräumen nicht gefeit. Die Belastung ist auch hier um ein Vielfaches höher als in der Außenluft. Hinzu kommt im Büro die nichtionisierende Strahlenbelastung durch Handys, Laptops, Desktop-PCs und W-LAN. Die Strahlenbelastung ist dann für Beschäftigte enorm.

    Schutzmaßnahmen vor Radonbelastung in Haus und Wohnung

    Das BfS hat einige Tipps für Verbraucher zusammengestellt, welche Schutzmaßnahmen vor zu hoher Radonbelastung im Haus treffen kann. Diese sind im Folgenden kurz und knapp zusammengefasst.

    • Regelmäßige und intensive Lüftung

    Dies sollte mehrmals am Tag geschehen. In wenigen Minuten sollte man die gesamte Raumluft austauschen. Das sogenannte Stoßlüften beschleunigt den Luftaustausch. Damit der Luftaustausch effektiv ist, muss ein Durchzug in allen Räumen entstehen. Durch das kurze und intensive Lüften verliert der Raum auch weniger Heizungswärme.

    Allerdings hilft diese Maßnahme laut Angaben des BfS nicht immer. Aus diesem Grund sollte man regelmäßig Messungen durchführen.

    • Abdichten von Türen und Leitungen zum Keller

    Diese Maßnahme kann in der Regel der Haus- oder Wohnungsbesitzer selbst durchführen. Silikon reicht zum Beispiel aus, um Fugen und Risse abzudichten. Darüber hinaus kann man Türen abdichten. In der Regel ist hier eine umlaufende Dichtung ausreichend, um sich vor Radioaktivität aus dem Keller zu schützen. Allerdings lässt die Wirkung von Dichtungen im Laufe der Jahre nach. Deshalb sollten man sie in regelmäßigen Abständen ersetzen. Türen gegen Radonstrahlung sind zudem nur dann wirksam, wenn sie geschlossen sind. Deshalb empfiehlt sich der Einbau eines automatischen Türschließers. 

    • Bodenluft absaugen

    Zu den Tipps gehört, dass die radonhaltige Bodenluft in regelmäßigen Zeitabständen unter dem Gebäude abzusaugen ist. Laut Angaben des BfS ist dies eine international erprobte Sicherheitsmaßnahme. Diese setzt allerdings voraus, dass der Baugrund eine entsprechende Gasdurchlässigkeit hat.

    • Hinzuziehen von externer Beratung

    Beim Schutz vor Radonstrahlung im Haus kann eine externe Beratung niemals schaden. Einige Bundesländer in Deutschland bilden Experten aus, die Haus- und Wohnungseigentümer zum Schutz vor Radon informieren. Derzeit befinden sich diese Experten jedoch nur in Sachsen und Bayern in der Ausbildung.

    • Maßnahmen bei Neubauten

    Bei einem Neubau muss man auf Qualität bei den verwendeten Materialien achten. Die Dichtungen von Türen müssen den Anforderungen entsprechen, die beim Schutz vor Radon wichtig sind. Das Edelgas dringt selbst durch kleinste Stellen. Aus diesem Grund ist ein Qualitätsmanagement an dieser Stelle elementar. Radon-Sanierungen lassen sich kostengünstig in vorgesehene Um- und Ausbauarbeiten für ein Gebäude integrieren.

    Gesetzliche Regelungen zum Schutz vor Radon

    Das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) regelt den Schutz vor Radon. Das Gesetz sieht verschiedene Maßnahmen vor, um die Gesundheit der Bevölkerung in Gebieten mit hoher Radonkonzentration zu schützen.

    Im Gesetz ist ein Wert von 300 Becquerel festgelegt. Dieser Wert dient als Richtschnur für eine erhöhte Konzentration von Radon in Innenräumen. Wenn er am Arbeitsplatz überschritten wird, müssen sofort Maßnahmen eingeleitet werden, um die Radon-Konzentration dort zu senken.

    Lässt sich die Radon-Konzentration am Arbeitsplatz nicht unter 300 Becquerel pro Kubikmeter senken, ist der Arbeitsplatz zu melden, die zu erwartende Strahlendosis für die Beschäftigten muss abgeschätzt werden und dann sind eventuell weitere Maßnahmen zu treffen.

    Das BfS teilt zudem mit, dass bis Ende 2020 die einzelnen Bundesländer ermitteln und bekanntgeben sollen, in welchen Gebäuden eine zu hohe Radon-Konzentration vorhanden ist. Es wird zudem vermutet, dass dann der Referenzwert von 300 Becquerel deutlich überschritten wird.

    Parallel werden die Anforderungen an Maßnahmen zum Schutz vor Radon in Wohngebäuden und an Arbeitsplätzen in untergesetzlichen Verordnungen wie zum Beispiel der Strahlenschutzverordnung ausgearbeitet.

    Überschreitung des Becquerel-Wertes am Arbeitsplatz

    Doch was passiert, wenn die 300 Bc am Arbeitsplatz überschritten werden? Sollte dies der Fall sein, muss der Arbeitsplatz bei den zuständigen Strahlenschutzbehörden der einzelnen Bundesländer gemeldet werden. Im Vorfeld muss der Arbeitgeber eine Schätzung der zu erwartenden Strahlendosis an die Behörden abgeben.

    Wenn die Dosis 6 Millisievert pro Jahr überschreitet, greifen die Regelungen des beruflichen Strahlenschutzes. Die Strahlendosis wird dann dauerhaft durch einen externen Experten gemessen und an das Strahlenschutzregister im BfS  gesendet.

    Das Strahlenschutzregister des Bundesamtes wacht darüber, dass die Grenzwerte für die jährliche Strahlenbelastung und die Berufslebensdosis aller im Register erfassten Beschäftigten eingehalten werden.

    Arbeitgeber können sich an die amtlichen Messstellen in den Bundesländern richten, um Messungen durchführen zu lassen. Wird ein betroffener Arbeitsplatz strahlenschutzüberwacht, sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Beschäftigten an diesem Arbeitsplatz sowohl im Strahlenschutzregister des BfS als auch bei der zuständigen amtlichen Messstelle zu registrieren.

    Nähere Informationen für Arbeitgeber gibt es auf der Webseite des Bundesamtes.

    Andere Krankheiten durch Radonstrahlung

    Wie bereits erwähnt, verursacht Radonstrahlung Lungenkrebs. Doch gilt das Edelgas als Auslöser für andere Krebsarten? Aus Studien, die im Auftrag des BfS durchgeführt wurden, geht hervor, dass Radonstrahlung auch das Auftreten von Hals-Nasen-Rachen-Tumoren begünstigt. Derzeit werden Studien aus der Schweiz kontrovers diskutiert, die einen Zusammenhang zwischen Radonstrahlung und Hautkrebs belegen sollen. Das BfS distanziert sich jedoch aufgrund nicht ausreichender Belege davon.

    Dennoch sollte man sich Radon nicht unnötig aussetzen, obwohl es für medizinische Zwecke genutzt wird. Es gibt beispielsweise die Radontherapie, die Rheumakranken helfen soll. Radon als Heilungsmittel zu verwenden wird allerdings von Medizinern und Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Der gesundheitsfördernde Aspekt ist umstritten.

    Autor: Redaktion Safety Xperts

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