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Neue Trinkwasserverordnung 2018: Diese Änderung müssen Sie beachten!

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Trinkwasser

Die Trinkwasserverordnung bildet in Deutschland die rechtliche Grundlage zur Sicherstellung der einwandfreien Trinkwasserqualität. Zur Erhöhung der hygienischen Sicherheit von Trinkwasser und Vermeidung von Manipulationsversuchen durch Betreiber von Trinkwasseranlagen wurde die deutsche Trinkwasserverordnung erneut aktualisiert und gleichzeitig europarechtliche Anpassungen vorgenommen.

Die 19. Revision der Trinkwasserverordnung, in Kraft getreten am 9.1.2018, führt insbesondere zur Verschärfung der Betreiberpflichten mit Fokus auf die präventiven Maßnahmen. Das bedeuten die wichtigsten Änderungen für Ihre Einrichtung oder Praxis:

1. Pflicht zur Anzeige und Meldung bei Legionellen-Nachweisen

Treten bei periodischen Legionellen-Beprobungen Überschreitungen der technischen Maßnahmenwerte von 100 KbE/ 100 ml auf, ist das Analyselabor ab sofort gesetzlich verpflichtet, die positiven Befunde direkt an das zuständige Gesundheitsamt zu melden. Sie als Betreiber der Trinkwasseranlage werden über den Befund zeitgleich informiert, es bleibt Ihnen somit keine Möglichkeit der zweiten Nach-Beprobung und späteren Unterrichtung des Gesundheitsamtes. Die in der Vergangenheit stattgefundenen Manipulationsversuche, z. B. durch Nachkontrollen, bis ein negativer Befund vorlag, der den Überwachungsbehörden gemeldet werden konnte, werden so verhindert. Vereinbaren Sie daher mit Ihrem Analyselabor die Vorgehensweise bezüglich der zeitnahen Übermittlung der Befunde (z. B. Erstübermittlung der Befunde per E-Mail, ggf. zusätzlich per Post). Legen Sie Ansprechpartner und Verantwortliche in Ihrer Einrichtung fest (z. B. Organisation von Sanierungsmaßnahmen, Beauftragung von Kontrolluntersuchungen). Ebenso sollten Sie die Ansprechpartner zur Kommunikation mit der Überwachungsbehörde benennen, Optimal ist es, eine Person als Ansprechpartner zu bestimmen, etwa den Betreiber, d. h. den Inhaber der Einrichtung oder Praxis.

Hinweis: Sorgen Sie dafür, dass in Ihrer Einrichtung nach Kenntnis eines positiven Befundes direkt eine strukturierte Meldung inklusive bereits eingeleiteter Maßnahmen an das zuständige Gesundheitsamt gesendet wird. So können Sie eine gute Zusammenarbeit mit den Überwachungsbehörden sichern.

2. Legionellen-Untersuchungen

Bisher wurden die Probenentnahme und die Untersuchungen von voneinander unabhängigen Parteien durchgeführt, z. B. Probenentnahme durch einen akkreditierten Probennehmer oder eine Hygienefachkraft mit entsprechender Befähigung zur Probenentnahme und durch Auswertung der Proben durch zertifizierte Wasserlabore. Dieser Prozess wird nun zusammengeführt, d. h., die Analyselabore müssen die Aufsicht sowohl über die Probenentnahme als auch über die Analyse haben. Ab sofort sollten Sie also externe Probennehmer in das Qualitätsmanagementsystem des Labors einbinden. Es müssen im Vorfeld die Probenentnahmestellen festgelegt und bezüglich einer ordnungsgemäßen Probenentnahme ausgestattet sein (z. B. mit entsprechenden Entnahmeventilen).

Achten Sie bei der Festlegung der Entnahmestellen hierauf: Entnehmen Sie sowohl am Abgang der Trinkwasserleitung vom Warmwasserspeicher als auch am Wiedereintritt in den Warmwasserspeicher und in der Peripherie Proben.

  • Beachten Sie dabei, dass alle Steigstränge des Trinkwassersystems erfasst werden. Berücksichtigen Sie bei der Untersuchung auf Legionellen die Bereiche, in denen das Wasser zum Duschen entnommen wird.
  • Legen Sie in hygienisch hochsensiblen Bereichen, wie z. B. dem OP-Bereich, vermehrt Probenentnahmestellen fest.
  • Beachten Sie auch Räume mit erfolgter Nutzungsänderung ohne Rückbau von Sanitäranlagen und die daraus resultierende Problematik von Stagnation (z. B. als Lagerraum genutzte Duschräume).

Wählen Sie geeignete Entnahmearmaturen aus: Zur ordnungsgemäßen Probenentnahme muss die Entnahmearmatur desinfizierbar sein. Es sind abflammbare Armaturen zu bevorzugen. Beispiele: Probenentnahmeventile mit Temperaturindikator oder Eckventile mit sterilem Einwegteil (siehe DVGW, Arbeitsblatt W 521 und VDI 6023). Weitere detaillierte Informationen erhalten Sie auch durch Ihren Sanitärplaner. Unter der Probenentnahmearmatur muss ausreichend Abstand sein, damit das Probenentnahmegefäß ohne Kontakt mit der Probenentnahmearmatur unter den Auslauf gehalten werden kann.

3. Hygienische Inbetriebnahme

Weisen Sie Ihre Einrichtungsleitung darauf hin, dass nach Errichtung eines Neubaus oder Umbauten und Neuinstallation von Trinkwassersystemen die Erstuntersuchung des Trinkwassersystems in den ersten 3 bis 12 Monaten nach Fertigstellung veranlasst werden muss. Denn Objekte gehen nach der Erstinbetriebnahme der Wasserinstallationen nicht sofort in den ordnungsgemäßen Betrieb über und das Wasser stagniert oft über längere Zeit. Daher ist bei Neuinstallationen und verzögerter Inbetriebnahme der Räumlichkeiten immer darauf zu achten, dass die noch nicht im laufenden Betrieb genutzten Wasserstellen regelmäßig ausgiebig gespült werden, um Stagnation zu vermeiden. Im ruhenden Wasser kommt es zu deutlicher Vermehrung der im Wasser enthaltenen Biokulturen. Diese zeigt sich in einer verstärkten Bildung von Biofilmen, d. h. dem Einschluss von Bakterien an den Rohrwandungen. Bei Wiederinbetriebnahme des Trinkwassersystems werden davon größere Anteile mitgerissen und führen evtl. zu einer Überschreitung von Grenzwerten.

4. Höchstwerte für Chlorat in Desinfektionslösungen

Die Anforderungen an die Desinfektion von Trinkwasser wurden ebenfalls verschärft: Der Höchstwert von Chlorat bei Natriumchlorid wurde auf 70µg/Liter und 1,2µg/Liter freies Chlor festgesetzt. Legen Sie die detaillierte Dosierung bei notwendiger Desinfektion von Trinkwasseranlagen mit Technikern und dem Sanitärplaner fest. Erstellen Sie dazu unter Berücksichtigung der Herstellerangaben des Desinfektionsmittel-Lieferanten auch eine schriftliche Arbeitsanweisung.

Fazit: Die Trinkwasserverordnung stellt hohe Anforderungen an die Trinkwasserüberwachung und somit auch an Sie als Betreiber. Deshalb sollten Sie die Trinkwasserversorgung Ihrer Einrichtung oder Praxis mit in das Qualitätssicherungssystem integrieren. Dazu erstellen Sie gemeinsam mit Sanitärplanern, Technikern und dem Hygienefachpersonal einen Wasser-Hygieneplan, in dem prophylaktische Maßnahmen und die Vorgehensweise bei Problemen festgelegt werden.

Autor: Jörg Stojke

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