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Lebensgefährliches Hängetrauma: Nach 30 Minuten kann es zu spät sein

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Hängetrauma

Auch wenn eine Person dank einer Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) zunächst gerettet wird, ist die Gefahr damit noch nicht ausgestanden. Kann etwa ein Kollege nicht zeitnah aus der Schutzeinrichtung geholt werden, kann dieser ein Hängetrauma erleiden.

Jeder dritte tödliche Arbeitsunfall ist durch Absturz bedingt. Dagegen sollen Absturzsicherungen bei Arbeiten in großer Höhe schützen, wie an Windkraftanlagen oder Fernmeldemasten. Was jedoch viele nicht wissen: Selbst wer nach einem freien Fall unverletzt in seinem Auffanggurt schwebt, ist noch nicht außer Gefahr. Wenn er nicht schnellstens wieder festen Boden unter die Füße bekommt, droht das sogenannte Hängetrauma, das oft tödlich endet.

Was ist ein Hängetrauma

Unter einem Hängetrauma (medizinisch: „orthostatischer Schock“) versteht man einen Kreislaufzusammenbruch aufgrund des freien, bewegungslosen und aufrechten Hängens in einem Auffanggurt. Dabei drückt das Eigengewicht über die Beine und das Gesäß auf die Gurte; die Venen – die das Blut aus den entfernten Körperregionen wieder zum Herz zurücktransportieren – werden zusammengepresst und so der Blutrückstrom behindert. Durch die Schwerkraft sammelt sich dann das Blut in den Beinvenen; lebenswichtige Organe wie Gehirn und Lunge werden nicht mehr richtig versorgt. Bereits nach 2 bis 12 Minuten können Bewusstlosigkeit und Herzrhythmusstörungen, innerhalb von 30 Minuten der Tod eintreten. Bis zu 48 Stunden nach dem Unfall droht noch immer ein akutes Nierenversagen – die häufigste Todesursache nach der Bergung aus längerem freiem Hängen.

Typische Symptome des Hängetrauma

Typisch für ein Hängetrauma sind ein unregelmäßig schneller Herzschlag, Muskelkrämpfe, verschwommenes Sehen, Schwindel, Übelkeit, Blässe, Taubheit in den Beinen und Atemnot. Der Übergang von diesen ersten Anzeichen bis zum vollständigen Kreislaufzusammenbruch verläuft unter Umständen sehr schnell und lässt dann keine Zeit mehr zum Handeln.

Gehen Sie beim Absturzunfall behutsam vor

Selbst die Feuerwehr ist darum oft nicht schnell genug am Unglücksort – besonders wenn sich der Vorfall in entlegeneren Gebieten abspielt. Deshalb sollten Sie als Sicherheitsfachkraft für den Fall des Falles für entsprechende Unterweisungen Ihrer Kollegen sorgen – am besten durch den Betriebsarzt. Nichtsdestotrotz gilt Vorsicht bei der Höhenrettung. Warten Sie wenn möglich auf ausgebildete Rettungskräfte, denn Eigenschutz geht vor.

Mit diesen 5 Rettungsmaßnahmen können Sie dem Betroffenen helfen:

  1. Wer nach einem Absturz „in den Seilen“ hängt, sollte möglichst seine Beine bewegen, weil er so den Blutstau hinauszögern kann.
  2. Sofern dies sicher möglich ist, befreien Sie den Verunglückten schnellstmöglich aus der frei hängenden Position. Bis die Feuerwehr eintrifft, kann es schon zu spät sein!
  3. Bringen Sie den Betroffenen nicht in die klassische stabile Seitenlage: Sie kann bewirken, dass dann das plötzlich zurückströmende Blut das Herz überfordert – dies kann zum sogenannten Bergungstod führen! Richtig ist: Bringen Sie ihn für ca. 20 bis 30 Minuten in eine Kauerstellung.
  4. Einzige Ausnahme von dieser Regel: Bei einem Herzstillstand muss sofort reanimiert werden.
  5. Auch wenn sich der Verunglückte scheinbar erholt, lassen Sie ihn – wegen des Risikos des Nierenversagens – sofort auf eine Intensivstation bringen.

Behandeln Sie einen Absturz immer als Notfall. Auch wenn sich der Betroffene gut, also äußerlich unverletzt scheint, bei Bewusstsein ist und selbstständig atmet, sollten Sie die Person zunächst in eine sogenannte
Kauerstellung bringen.

Hängetrauma_Kauerstellung
© Safety Xperts: Bringen Sie den Betroffenen in Kauerstellung und nicht in die stabile Seitenlage.

 

Anschließend muss er zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht werden. Nur so können auch nicht sichtbare Nachwirkungen ausgeschlossen werden.

Neufassung der TRBS 2121: Das müssen Sie bei PSAgA beachten

Autor: Rafael de la Roza

 

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