So hätte man den Säureunfall in Oberhausen vermeiden können

So hätte man den Säureunfall in Oberhausen vermeiden können

Radio- und Fernsehsender haben im Februar über den Säureunfall in Oberhausen berichtet. Ein geborstener 600-cm3-Behälter mit Schwefelsäure versetzte die Stadt in einen Ausnahmezustand. Die Chemiefirma gab als Grund für den Unfall menschliches Versagen an. Dabei hätte man mit einfachen Maßnahmen diese folgenschwere Verwechslung vermeiden können.

Salzsäure wurde irrtümlich in einen Tank mit hochkonzentrierter Schwefelsäure gepumpt. Diese Verwechslung löste einen Großeinsatz aus, an dem 130 Feuerwehrleute beteiligt waren. Beim Vermischen von Salz- mit Schwefelsäure kam es zu einer chemischen Reaktion, die so heftig war, dass der Tank aufplatzte. Es bildete sich eine Säurewolke, die mithilfe von Wasserwerfern bekämpft wurde. Während des Einsatzes wurden Züge gestoppt und die A42 teilweise für den Verkehr gesperrt. Erst nach 10 Stunden gab es Entwarnung. Rund 150 Menschen meldeten sich laut Polizei mit Atemwegsbeschwerden beim Rettungsdienst. Anwohner wurden aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen sowie Fenster und Türen zu schließen. Der Sachschaden beläuft sich nach Firmenangaben auf 1,5 Mio. €.

    Dieses Beispiel zeigt, dass Säureunfälle nicht nur zu erheblichen Sachschäden, sondern auch zu schwerwiegenden Verletzungen führen kann. Die Unfallursache: Eine Verwechslung von Chemikalien! Doch dieser Unfall hätte vermieden werden können – und zwar mit folgenden Maßnahmen.

    Ein Säureunfall ist vermeidbar

    Das war nicht der erste Chemieunfall durch Chemikalienverwechslung. Ein vergleichbares Ereignis hat die Firma Mondelez zum Anlass genommen, ein mustergültiges Sicherheitskonzept für das Abtanken von ätzenden Flüssigkeiten zu entwickeln.

    9 Maßnahmen mit denen Sie Katastrophen vermeiden:

    1. Stellen Sie sicher, dass Ihre Abladestationen für Tankwagen dauerhaft und gut sichtbar mit der UN-Nummer der Chemikalie gekennzeichnet (vgl. Abbildung) sind.
    2. Vereinbaren Sie bereits bei der Bestellung einen festen Liefertermin.
    3. Verweisen Sie den Tankwagen, wenn er auf dem Betriebsgelände ankommt, an die entsprechende Abtankstation.
    4. Lassen Sie die Lieferpapiere durch einen Entladekoordinator prüfen.
    5. Der Entladekoordinator gibt nach der formalen Prüfung den Tankstutzen für den Tankvorgang mit einem Schlüssel frei.
    6. Nach der Freigabe koppelt der Tankwagenfahrer den Schlauch an den betrieblichen Tankstutzen an.
    7. Bevor der Pumpvorgang beginnt, prüft eine automatische Sicherheitseinrichtung anhand der Dichte die chemische Identität der Chemikalie. Danach wird in einer Reaktionskammer analysiert, ob es beim Einströmen der Chemikalie zu einer Wärmeentwicklung kommt. Erst wenn die Sicherheitseinrichtung keine Wärmeentwicklung, also keine chemische Reaktion, meldet, kann die Pumpe in Betrieb genommen werden. Unter Sichtkontrolle des Tankwagenfahrers wird die Chemikalie in den Vorratstank gepumpt.
    8. Sobald das Abtanken beendet ist, entfernt der Fahrer den Schlauch und meldet die vollständige Ladungsübergabe an den Entladekoordinator.
    9. Der Entladekoordinator schließt die Übernahmestelle wieder ab.

    Bei Mondelez hat man die Zugangstüren zu den Abtankstationen mit der UN-Nummer der Chemikalie gekennzeichnet. Die Gefahrgutkennzeichnung des anliefernden Tankwagens muss die jeweils identische Kennzeichnung tragen. Dies wurde mit dem Lieferanten und Spediteur fest vereinbart.

    Dieses Konzept wurde gemeinsam mit der Gewerbeaufsicht, der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe und dem Anlagenbauer entwickelt.

    So einfach geht Arbeitsschutz und Umweltschutz im Betrieb!

    Autor: Gabriele Janssen