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ESD Sicherheitsschuhe und ihre Notwendigkeit

© Foustontene – fotolia.com
ESD Schuhe

Um eine gefährliche Körperdurchströmung über die Füße zu verhindern, müssen Elektriker bei Bedarf zusätzlich zu anderen elektrisch isolierenden persönlichen Schutzausrüstungen, beispielsweise Schutzanzügen, Handschuhen und Gesichts- sowie Kopfschutz, elektrisch isolierendes Schuhwerk wie Halbschuhe oder Stiefel tragen.

Anforderungen an elektrisch isolierende Schuhe (ESD Schuhe) und Stiefel legt die Norm DIN EN 50321 (VDE 0682-331) „Elektrisch isolierende Schuhe für Arbeiten an Niederspannungsanlagen“ fest. ESD Sicherheitsschuhe werden mit der Zusatzkennzeichnung „I“ versehen. Deren Durchgangswiderstand liegt bei einem Wert höher als 1 Gigaohm. Die sind entweder in die Klasse 00 oder in die Klasse 0 eingeteilt. Das bedeutet, dass sie geeignet sind für Arbeiten unter Spannung oder in der Nähe unter Spannung stehender Teile bis zu den Spannungsgrenzen in unserer Tabelle.

Elektrische Klassen, hier dargestellt am Beispiel von Handschuhen

Isolierender Handschuh Höchste Betriebsspannung des Netzes
Klasse kV (Effektivwert) kV (Gleichspannung)
00 0,5 0,75
0 1,0 1,5
1 7,5 11,25
2 17,0 25,5
3 26,5 39,75
4 36,0 54,0

Mehr zum Thema: Das bedeuten die Kennzeichnungen bei Sicherheitsschuhen 

ESD Schuhe richtig tragen, lagern und prüfen

Wie jede andere PSA müssen elektrisch isolierende Schuhe bestimmungsgemäß benutzt und pfleglich behandelt werden. Eine regelmäßige Sichtprüfung vor dem Gebrauch ist daher sinnvoll. Achten Sie beim Putzen darauf, die Herstellerempfehlung zu berücksichtigen.

Isolierende Schuhe und Stiefel sind jährlich einer Wiederholungsprüfung laut Herstellerangaben zu unterziehen. Der Hersteller beschreibt in seiner Gebrauchsanleitung auch, wie die Prüfung auf dem Kennzeichnungsfeld am Schuh zu vermerken ist.

Stellen Sie sicher, dass elektrisch isolierende Sicherheitsschuhe gemäß den Informationen des Herstellers gelagert werden.

ESD Schuhe
© SafetyXperts – Kennzeichnung am Schuh

Aber nicht nur die schon genannten Kriterien sind wichtig um den ausreichenden ESD-Schutz zu gewährleisten, sondern auch der jeweilige Fußboden. Sinnvolle Testmethoden müssen deshalb auch die Kombination von Schuh und Untergrund in die Messungen einbeziehen. Für eine Entladung über den Schuh muss ein geerdeter Untergrund vorhanden sein.

Definition der Berufsgenossenschaft ETEM
Leitfähige Medien, Materialien und Gegenstände besitzen einen so geringen elektrischen Widerstand, dass sie geerdet werden können und auch selbst als Erdungspunkt für andere Gegenstände infrage kommen.
Ableitfähige Medien, Materialien und Gegenstände besitzen einen höheren elektrischen Widerstand als leitfähige, können aber dennoch nicht gefährlich aufgeladen werden, solange sie Kontakt zu Erde haben und keinen stark ladungserzeugenden Prozessen ausgesetzt sind.
Isolierende Medien, Materialien und Gegenstände sind weder leitfähig noch ableitfähig und können in der Regel nicht geerdet werden.

Elektrisch isolierende Schuhe richtig auswählen

Stellen Sie als Sicherheitsbeauftragter sicher, dass die richtigen Schuhe zur Ableitung bei der Gefährdungsbeurteilung ausgewählt werden. Dabei ist zu unterscheiden, dass es bei ESD Schuhen um den Schutz von Werkteilen und Geräten durch kontrollierte Ableitung und nicht um den Schutz von Menschen vor antistatischen Auswirkungen geht. Um die ausgewählten ESD Schuhe dann entladen zu können, muss ein geerdeter Untergrund vorhanden sein. Zudem muss nicht nur darauf geachtet werden, dass die richtigen Schuhe ausgewählt werden, sondern auch der richtige entladende Boden vorhanden ist.

Die Technische Regel für Betriebssicherheit 2153 „Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen“ gibt Hilfestellung für Schutzmaßnahmen gegen Gefährdungen durch elektrostatische Aufladungen und hilft bei der Auswahl von Persönlicher Schutzausrüstung. Wichtige Parameter sind dabei:

  • Gebrauch von Gegenständen oder Einrichtungen aus isolierenden Materialien vermeiden;
  • Leitfähigkeit bzw. Ableitfähigkeit der Medien erhöhen (leitfähige oder ableitfähige Beschichtungen, leitfähige Fäden in Textilien, Additive in Flüssigkeiten, Beschichtung des Schüttgutes)
  • Begrenzung der Abmessungen von isolierenden Oberflächen
  • Erdung von leitfähigen und ableitfähigen Gegenständen oder Einrichtungen
  • Erhöhung der Luftfeuchtigkeit durch Befeuchtung
  • Ionisierung der Luft
  • die Bewegungsgeschwindigkeit von Schüttgütern und Flüssigkeiten in den Rohrleitungen und Behältern begrenzen (Strömungs-, Füll-, Rührgeschwindigkeit)
  • leitfähige Behälter verwenden
  • Vermeiden von verspritzender Flüssigkeit und Gasblasen
  • Unterteilung der Volumina, wo Schüttgut, Staubmaterial, verschmutzte Gase untergebracht sind, mittels geerdeter Gegenstände (Stäbe, Gitter)
  • Vermeidung von Ladungstrennung (Riemenantriebe, Förderbänder, Folien- oder Papierbahnen, Körper mit gleichen Oberflächen verwenden)
  • Maßnahmen zum Schutz von Personen
  • leitfähige oder ableitfähige Kleidung und Schuhwerk tragen
  • Personenerdung
  • geeignete Gestaltung von Arbeitsmitteln (Vermeidung von Feldverzerrung durch Arbeitsmittel)
  • Konsequenter Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung

Die richtige Unterweisung

Des Weiteren ist es wichtig, die jeweiligen Mitarbeiter richtig zu unterweisen, wann und wo sie die ESD Schuhe und ggf. weitere PSA tragen müssen. Zum Beispiel müssen sie darüber aufgeklärt werden, dass die elektrisch isolierenden Schuhe nicht als Arbeitsschuhe für Elektriker bzw. bei Arbeiten an elektrische Spannung führende Quellen geeignet sind. Auch die Umgebungstemperatur kann die Ableitfähigkeit des Schuhs beeinträchtigen. Kühlen Sicherheitsschuhe beispielsweise im Winter über Nacht aus, erhöht sich der Durchgangswiderstand. Feuchtigkeit fördert im Allgemeinen die Ableitfähigkeit des Schuhs etc.

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Autor: Sabine Kurz

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