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Explosionsschutz: Diesen Leitfaden müssen Sie kennen

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Explosionsschutz

Um den Explosionsschutz im Unternehmen zu organisieren, sollten Sie die physikalischen Voraussetzungen kennen, unter denen es zu einer Explosion kommen kann.

Da Explosionen – glücklicherweise – sehr selten sind, taucht immer wieder die Frage auf, ob die zum Teil sehr kostspieligen Maßnahmen zum Explosionsschutz überhaupt gebraucht werden. „Das kann doch bei uns nicht passieren …“ haben Sie in diesem Zusammenhang sicher schon oft gehört. Das andere Extrem ist es, wenn übervorsichtig alles als explosionsgefährlich eingestuft wird, was auch nur ansatzweise mit einem brennbaren Stoff (Gase, Dämpfe, Stäube etc.) und einer Zündquelle zu tun hat. Hierdurch wird eine Übersensibilität erzeugt, die mittelfristig wieder zu Diskussionen und Fragen führt. Wie so immer, liegt die „Wahrheit“ in der Mitte.

Wann es zu Explosionen kommen kann

Ausschlaggebend für das Entstehen einer Explosion ist die „Gleichzeitigkeit“ der folgenden Bedingungen

  • ein brennbarer Stoff mit einem hohen Dispersionsgrad (z. B. als Staub, Nebel, Dampf) ist vorhanden,
  • die Konzentration des brennbaren Stoffs liegt in einer sauerstoffreichen Umgebungsatmosphäre (i. d. R. Luft, aber auch reiner Sauerstoff) innerhalb seiner Explosionsgrenzen,
  • eine Zündquelle mit ausreichender Zündenergie für den brennbaren Stoff ist zugegen.

Wenn diese 3 Voraussetzungen nun zeitlich und örtlich zusammenkommen, kann es zu einer Explosion kommen. So weit die reine Physik. Für Ihre fachmännische Beurteilung des Explosionsschutzes ist es aber weitergehend notwendig, nicht nur die physikalischen Grundlagen einer Explosion zu kennen und zu identifizieren, sondern auch zu bewerten, ob eine gefahrdrohende Menge vorliegt oder entstehen kann.

Erkennen Sie die Explosions-Gefahr und deren mögliche Auswirkungen

Der erste Schritt zu einem erfolgreichen Explosionsschutz, ist die Analyse potenzieller Auslöser. Mit einer Gefährdungsbeurteilung identifizieren und analysieren Sie die Gefährdung, führen eine Bewertung der Gefährdung durch, beschreiben die notwendigen Maßnahmen und können auch den Erfolg Ihrer Maßnahmen kontrollieren.

Nutzen Sie folgende Leitfragen zur Identifizierung und Analyse:

  • Ist ein brennbarer Stoff vorhanden?
  • Liegt die Konzentration zu „fett“, d. h. oberhalb der oberen Explosionsgrenze?
  • Ist die Konzentration zu „mager“, d. h. unterhalb der unteren Explosionsgrenze?
  • Sind brennbarer Stoff und Zündquelle zur gleichen Zeit am gleichen Ort vorhanden?
  • Ist die explosionsfähige Konzentration oder Zündquelle nur zeitweise vorhanden?
  • Kann die brennbare Flüssigkeit gekühlt, die Atmosphäre verdünnt werden?
  • Kann die Gefährdung an einem anderen Ort entstehen?

Wenn Sie die Maßnahmen für den Explosionsschutz festlegen, sollten Sie systematisch vorgehen, um Explosionen zu vermeiden oder deren Auswirkungen zu reduzieren:

  1. Die Entstehung bzw. Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre verhindern.
  2. Keine Wirksamkeit von Zündquellen ermöglichen.
  3. Präventive Maßnahmen durchführen. Halten Sie die gesamte Beurteilung in einem Explosionsschutzdokument fest.

Das Explosionsschutzdokument müssen Sie aber nur dann erstellen, wenn durch die Explosion Mitarbeiter oder erhebliche Sachwerte gefährdet werden können, also eine gefahrdrohende Atmosphäre entsteht. Sollte dies nicht der Fall sein, genügt es, wenn Sie die Gefährdungsbeurteilung mit dem Ergebnis formlos dokumentieren.

Diese TRGS zum Explosionsschutz sollten Sie kennen

Der Insider erkennt schon an der Bezifferung einer Technischen Regel, welches Teilgebiet des Arbeitsschutzes sie betrifft: Die TRGS der 7xx-Reihe sind dem Explosionsschutz zugeordnet. Die TRGS 725 befasst sich mit Mess-, Steuer- und Regeleinrichtungen im Rahmen von Explosionsschutzmaßnahmen. In der TRGS 727 geht es um die Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen.

TRGS 725: Mit MSR-Technik Explosionsgefährdungen reduzieren

Mess-, Steuer- und Regeleinrichtungen (MSR) haben im Explosionsschutz wichtige Funktionen. Bedarfsgerecht gesteuerte Lüftungsanlagen dienen dazu, das Entstehen gefährlicher explosionsfähiger Atmosphären zu vermeiden. Auch Temperaturen, Drücke oder Füllstände werden mithilfe von MSR-Technik überwacht. Die TRGS 725 ist für mechanische, pneumatische, hydraulische, elektrische, elektronische sowie programmierbare elektronische MSR-Einrichtungen anzuwenden. Zu ihren wesentlichen Inhalten zählen, wie Sie:

  • die Anforderungen an Explosionsschutzeinrichtungen (Ex-Einrichtungen) im Zuge der Gefährdungsbeurteilung ermitteln.
  • Explosionsschutzvorrichtungen als Maßnahmen zur Zonenreduzierung, zur Zündquellenvermeidung und zum Reduzieren der Auswirkungen einer Explosion nutzen.
  • das Ausfallverhalten von Ex-Einrichtungen beurteilen.wie Sie deren Zuverlässigkeit bzw. Ausfallwahrscheinlichkeit über Klassifizierungsstufen in ein Konzept der funktionalen Sicherheit umsetzen.
  • MSR-Einrichtungen mit Sicherheitsfunktion prüfen.

TRGS 727: Zündgefahren beurteilen und Schutzmaßnahmen festlegen

Elektrostatische Aufladungen sind in explosionsgefährdeten Bereichen stets zu vermeiden. Das können Aufladungen von Gegenständen und Einrichtungen sein, von Flüssigkeiten, von Gasen oder von Schüttgütern. Auch Personen oder PSA-Komponenten können sich elektrostatisch aufladen. Für all diese Auf- und Entladungsvorgänge in der Elektrostatik gibt die TRGS 727 „Anleitungen zum Vermeiden von Zündgefahren“. Sie erfahren hier z. B.

  • wie Sie gefährliche Aufladungen durch geerdete leitfähige oder ableitfähige Netze, Rahmen etc. vermeiden.
  • welche Anforderungen an Fördergurte und Antriebsriemen bestehen.
  • mit welchen verfahrenstechnischen Maßnahmen Sie Aufladungen beim Umgang mit Flüssigkeiten vermindern.
  • wie Sie gefährliche elektrostatische Aufladungen beim Umgang mit Schüttgütern verhindern.
  • was Sie für den Einsatz von Staubsaugern und Staubsauganlagen beachten müssen.
  • wann und warum Ihre Mitarbeiter ableitfähiges Schuhwerk tragen sollten.

In den Anhängen der TRGS 727 finden Sie nützliche Tabellen zu:

  • Leitfähigkeiten und Relaxationszeiten ausgewählter Flüssigkeiten
  • Mindestzündenergie und Mindestzündladung brennbarer Gase und Dämpfe
  • typischen Ableitwiderständen von Fußböden und Fußbodenbelägen

Beide Regeln konkretisieren die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung und für beide Technischen Regeln gilt die Vermutungswirkung. Das bedeutet: Wer die Regeln in seinem Betrieb umsetzt, kann davon ausgehen, dass er die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung erfüllt.

Auch interessant: Arbeitsschutz beim Umgang mit explosiven Stoffen

Autor: Martin Damm & Friedhelm Kring

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