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Diese Desinfektionsmittel sind in jeder Einrichtung erforderlich

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Desinfektionsmittel

Als Hygienebeauftragte wissen Sie, Desinfektionsmittel ist nicht gleich Desinfektionsmittel. Bei der Auswahl der richtigen Produkte wird sich die Leitung auf Sie verlassen. Dabei gibt es viele Aspekte zu beachten, was häufig zu Fehlern führt. Damit Sie sicher agieren, erhalten Sie nachfolgend die wichtigsten Anforderungen im Überblick.

Das Ziel aller Desinfektionsmittel ist es, Keime abzutöten bzw. zu inaktivieren und so die Sicherheit von Patienten und Mitarbeitern zu erhöhen. Bei der Auswahl sind die korrekte Anwendung, die Verträglichkeit z. B. mit Materialien und die Wirkspektren von entscheidender Bedeutung.

Diese 3 Desinfektionsmittel müssen Sie haben

Für die Auswahl und Beschaffung eines Desinfektionspräparats ist zunächst wichtig, für welchen Zweck das Desinfektionsmittel eingesetzt werden soll. Jede medizinische Einrichtung muss die folgenden Desinfektionsmittel vorhalten und korrekt anwenden:

Für die verschiedenen Einsatzgebiete gibt es Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen und Wirkspektren.

Praxistipp: Zweck der Anwendung und Wirkspektrum sind im Hygieneplan für jedes zur Desinfektion bestimmte Produkt separat festzulegen. Benennen Sie dort auch immer die exakten Vorgaben zur Benutzung. Geben Sie die korrekten Einwirkzeiten an und beschreiben Sie, ob es sich um ein gebrauchsfertiges Produkt handelt oder ob ein Konzentrat mit Wasser angesetzt werden muss. In diesem Fall sind die genauen Dosierangaben einzutragen.

So wählen Sie Händedesinfektionsmittel und Hautantiseptika richtig aus

Anwendung: Setzen Sie die Präparate ausschließlich gemäß dem vom Hersteller vorgegebenen Verwendungszweck ein. Das bedeutet, dass Sie beispielsweise ein Hautantispetikum nicht für die hygienische oder chirurgische Händedesinfektion benutzen dürfen. Umgekehrt sollte die Haut eines Patienten vor einer Injektion auch nicht mit einem Händedesinfektionspräparat desinfiziert werden. Der Austausch von Desinfektionsmitteln für eine andere als vom Hersteller vorgesehene Verwendung ist grundsätzlich nicht zulässig.

Wirksprektrum: Bei der Händedesinfektion und der Hautantiseptik brauchen Sie Wirkstoffe mit kurzen Einwirkzeiten. Daher wird am häufigsten Alkohol eingesetzt. Durch den raschen Wirkungseintritt und seine schnelle Verdunstung eignet er sich sehr gut für Händedesinfektion und Hautantiseptik. Sollten Sie andere Mittel für diese Indikationen mit alternativen Wirkstoffen suchen, können Sie in der aktuellen VAH-Liste nachsehen.

Achtung: Händedesinfektionsmittel und Hautantiseptika sind Arzneimittel!

Händedesinfektionsmittel und Hautantiseptika zählen zu den Arzneimitteln. Dementsprechend gelten für Handhabung, Lagerung und Anwendung besondere Vorgaben. Dazu gehört in erster Linie, dass diese Präparate nur aus den Originalgebinden entnommen werden dürfen. Ein Umfüllen von einem Behälter in einen anderen ist nur unter Reinraumbedingungen möglich und erfordert ein speziell dafür ausgebildetes Personal. Eine Apotheke erfüllt in der Regel diese Anforderungen.

In den meisten Einrichtungen des Gesundheitswesens ist ein Umfüllen aus organisatorischen Gründen nicht durchführbar und wirtschaftlich auch nicht sinnvoll. Hinzu kommt, dass die Produkthaftung auf den Praxisinhaber bzw. die Einrichtungsleitung übergeht. Denn das Umfüllen wird als Herstellung von Arzneimitteln betrachtet.

Praxistipp: Schreiben Sie bei der erstmaligen Verwendung das Anbruchdatum gut sichtbar auf das jeweilige Gebinde. Das vom Hersteller angegebene Verfallsdatum gilt nur für den ungeöffneten Behälter. Die maximal mögliche Standzeit gibt Ihnen der Hersteller üblicherweise in seiner Gebrauchsanweisung an.

Das ist bei der Auswahl des Flächendesinfektionsmittels zu beachten

Anwendung: Bei der Flächendesinfektion ist zwischen der Flächenschnelldesinfektion, z. B. zwischen 2 Behandlungen, und der Flächendesinfektion am Ende des Arbeitstages zu unterscheiden.

Unabhängig vom Verfahren müssen Sie bei der Aufbereitung von Arbeitsflächen oder Fußböden die vom Hersteller vorgegebene Einwirkzeit beachten. Falls Sie kein gebrauchsfertiges Produkt verwenden, ist auch die Konzentration der Desinfektionsmittellösung ausschlaggebend. Nur dann ist die erforderliche Desinfektionswirkung gewährleistet.

Wirkspektrum: Je nach Beschaffenheit der zu desinfizierenden Oberfläche ist auf die Kompatibilität des Materials mit dem Desinfektionswirkstoff zu achten. In der Praxis hat es sich bewährt, Präparate mit besonders verträglichen Inhaltsstoffen zu verwenden. Diese sind sehr schonend zu empfindlichen Materialien wie beispielsweise Acryl oder Kunstleder und dennoch effektiv in der Wirkung. Fragen Sie im Zweifelsfall den Lieferanten der Arbeitsflächen oder des Bodens, welche Wirkstoffe für das jeweilige Material verträglich sind und welche nicht.

Für fast alle Oberflächen und Fußböden eignen sich Präparate mit quaternären Ammoniumverbindungen, kurz QAV genannt. Durch deren Anwendung entstehen nahezu keine Schäden oder Verfärbungen, vorausgesetzt, Sie achten auf die Vorgaben des Herstellers zu Dosierung und Einwirkzeit. Da es sich hier um einen Stoff handelt, der nicht flüchtig ist, müssen Sie lediglich in vorgegebenen Intervallen die Rückstände regelmäßig entfernen. Am besten funktioniert dies mit klarem Wasser. Damit vermeiden Sie, dass sich auf den Oberflächen ein klebriger Belag aufbaut.

Wirkstoff Wirkbereich Achtung!
Alkohole Bakterizid, fungizid, begrenzt viruzid, viruzid (je nach Einwirkzeit), schneller Wirkungseintritt Schnell flüchtiger Wirkstoff, Dämpfe möglichst nicht einatmen
Phenole Bakterizid, fungizid, begrenzt viruzid Umweltverträglichkeit, starke Geruchsbelästigung
Säuren Bakterizid, fungizid, viruzid, sporizid (z. B. Peressigsäure) Ätzende Wirkung, zum Teil Reizung der Atemwege
Quaternäre Ammoniumverbindungen (QAV) Teilweise bakterizid, begrenzt viruzid, fungizid Nicht flüchtig, Ablagerungen regelmäßig entfernen (Klebe-Effekt), sehr gute materialverträglichkeit
Amine Bakterizid, fungizid, begrenzt viruzid Nicht kompatibel mit Aldehyden (Verfärbungen)
Aldehyde Bakterizid, fungizid, viruzid, begrenzt sporizid Eiweißfixierend, nicht kompatibel mit Aminen (Verfärbungen)

 

HINWEIS
Da es sich bei den Flächendesinfektionsmitteln nicht um Arzneimittel handelt, ist das Umfüllen grundsätzlich gestattet, oft aber nicht praktikabel. Die zu befüllenden Behältnisse müssen Sie vorher entsprechend reinigen und desinfi zieren. Nur so können Sie gewährleisten, dass sich darin keine Rückstände mehr befi nden, wenn das neue Präparat eingefüllt wird.

Welche speziellen Präparate benötigt man bei der Aufbereitung von Medizinprodukten?

Anwendung: Bereiten Sie Medizinprodukte manuell auf, benötigen Sie zusätzlich ein Instrumentendesinfektionsmittel. Dieses muss auf Ihre Risikobewertung, Ihr Aufbereitungsverfahren und Ihr Instrumentarium abgestimmt sein.

Wirksprektrum: Sofern Sie keine nachfolgende Sterilisation durchführen, muss das Präparat auf jeden Fall ein viruzides Wirkspektrum aufweisen. Dies bedeutet, dass Ihr Präparat sowohl behüllte als auch unbehüllte Viren erreicht. Prüfen Sie Ihr Produkt auf die richtige Wirksamkeit. Auch bei Instrumentendesinfektionsmitteln müssen Sie auf die Herstellerangaben zu Konzentrationen und Standzeiten achten, damit die erforderliche Wirkung gewährleistet ist.

So entscheiden Sie sich für das richtige Desinfektionsmittel

Für die Auswahl des Desinfektionsmittels sind die Präparatkomponenten ausschlaggebend. Benötigen Sie ein viruzid wirksames Desinfektionsmittel, gibt es für diesen Zweck viele geeignete Substanzen, z. B. Alkohole, Aldehyde, Phenole und Säuren. Bevor Sie sich für einen Wirkstoff entscheiden, achten Sie unbedingt auf die Angaben des Instrumenten- oder Oberflächenherstellers. Schließen Sie definitiv aus, dass ein Präparat einen Schaden durch Unverträglichkeiten verursachen kann. Oben sehen Sie eine kleine Übersicht über die gängigsten Inhaltsstoffe und deren Wirkung bzw. Eigenschaften.

Eine Hilfestellung für die richtige Entscheidung

Der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) gibt regelmäßig eine Liste heraus, in der sämtliche Desinfektionsmittel enthalten sind, die im medizinischen Bereich eingesetzt werden können. Alle in Ihrer Einrichtung zur Desinfektion benutzten Produkte sollten grundsätzlich in dieser VAH-Liste aufgeführt sein. Dann können Sie davon ausgehen, dass die erforderlichen Wirkbereiche auch abgedeckt werden. Darüber hinaus hat der Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz (IHO) eine Viruzidie-Liste herausgegeben, die alle viruzid wirksamen Mittel enthält. Die Zuhilfenahme dieser beiden Listen ist eine echte Hilfestellung bei der Konfiguration Ihres Desinfektionsmittelportfolios. Nutzen Sie diese Quellen, die im Internet unter folgenden Adressen zu finden sind: www.vah-online.de bzw. www.iho-viruzidie-liste.de

Praxistipp: Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Ihr Präparat VAH- oder IHO-gelistet ist, können Sie dies zunächst durch eine Listeneinsicht überprüfen. Haben Sie keinen Zugriff auf die Listen oder keinen Internetzugang, lassen Sie sich vom Hersteller des Mittels bzw. von Ihrem Lieferanten eine entsprechende Bestätigung oder ein Zertifikat vorlegen. Seriöse Hersteller stellen Ihnen dies ohne weiteres zur Verfügung, da sie bestrebt sind, dass deren Produkte auch in den Listen vertreten sind.

Treffen Sie Regelungen für Sonderfälle

Bei bestimmten Behandlungsspektren kann es unter Umständen nötig sein, dass Sie weitere Desinfektionspräparate einsetzen. Beispielsweise ist in der Chirurgie bei der Behandlung und Versorgung von Wunden ein entsprechendes Wundantiseptikum zu verwenden. Bei der Behandlung von Verbrennungen oder Druckgeschwüren ist eventuell auch ein Schleimhautdesinfektionsmittel notwendig. Die in diesen Mitteln enthaltenen Wirkstoffe sind, je nach Indikation, beispielsweise Ethanole und Chloride. Beachten Sie auch hier ebenfalls die Angaben des Herstellers zum Verwendungszweck und zu den Wirkspektren. In einigen Fällen müssen Desinfektionsmittel spezielle Wirkbereiche aufweisen. So kann es nötig werden, dass bei Auftreten bestimmter Keime wie beispielsweise Clostridium difficile, Mycobacterium tuberculosis oder bei unbehüllten Viren wie Adeno-, Rota- oder Noroviren mit passenden Präparaten gearbeitet werden muss.

Treten Infektionen mit solchen Keimen gehäuft auf, sollten Sie auf ein Mittel mit auf den jeweiligen Erreger abgestimmten Wirkstoffen (z. B. sporizid, viruzid, tuberkulozid) zurückgreifen. Legen Sie diese Sondermaßnahmen auch in Ihrem Hygieneplan fest und beschreiben Sie exakt die Vorgehensweisen in solchen Fällen. Das Personal muss jederzeit wissen, welche Vorgaben zur Desinfektion beim Eintritt bestimmter Ausnahmen gelten.

Lesen Sie auch: Reinigungs- und Desinfektionsplan: Ihr wichtiger Baustein zum Hygienemanagement

Autor: Jörg Stojke

 


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