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Worauf im Umgang mit der Müllpresse geachtet werden muss

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Müllpresse

In vielen Betrieben sind Müllpressen im Einsatz. Der Umgang mit diesen Geräten ist nicht ganz ungefährlich: So geriet im Januar 2015 ein 27-jähriger Angestellter des Handelsunternehmens REWE in Niederelsungen mit seinem Arm in das Presswerk und wurde schwer verletzt. Lesen Sie hier, wie Sie solche Unfälle in Ihrem Betrieb verhindern können.

Beginnen Sie mit der Gefährdungsbeurteilung

Eine Müllpresse ist ein Container, der die angefallenen Produktions- und Verpackungsabfälle mittels eines mechanischen Presswerks komprimieren. Die Container werden dann von einem Recyclingunternehmen abgeholt und durch Leere ersetzt. Ermitteln Sie als Sicherheitsfachkraft zunächst die Gefährdungen, die bei der Arbeit mit Müllpressen auftreten können. Legen Sie dann auf dieser Grundlage die notwendigen Schutzmaßnahmen fest. Nach dem Arbeitsschutzgesetz gilt dabei die folgende Reihenfolge nach dem TOP-Prinzip:

  1. Technische Schutzmaßnahmen
  2. Organisatorische Schutzvorkehrungen, z. B. Prüfungen
  3. Personenbezogene Maßnahmen

Die wichtigsten Gefährdungen bei einer Müllpresse sind:

  • Hineingreifen,
  • Hineinstürzen und
  • Abstürzen von Arbeitsbühnen und Podesten, von denen aus die Pressebehälter befüllt werden.

Diesen Gefährdungen sollten Sie daher Ihr Hauptaugenmerk widmen.

Darüber hinaus dürfen Sie aber auch weitere Gefahren nicht vernachlässigen, z. B. Quetschgefahren beim Wechseln der Müllbehälter.

Sicherheitsschalter gegen Gefährdungen durch Hineingreifen

Bei Müllpressen mit angekoppelten Müllbehältern (stationäre Müllpressen) wird der gefüllte Behälter mit einem Gitter oder ähnlichen Einrichtungen verschlossen. Das Einlegen des Gitters erfolgt durch seitliche Öffnungen im Pressraum. Die Kanten dieser Öffnungen bilden mit den Kanten des Pressstempels gefährliche Quetsch- und Scherstellen. Diese Gefahrstellen sollten Sie durch Verschlussklappen entschärfen, die mit einem Sicherheitsschalter ausgerüstet sind: Dieser schaltet den Antrieb der Presse beim Öffnen der Klappen selbsttätig ab und bringt damit die Bewegung des Pressestempels sofort zum Stillstand.

HINWEIS
Beim Schließen der Klappe darf die Presse nicht selbstständig wieder anlaufen.

Besitzt der Müllbehälter noch weitere Öffnungen (z. B. Klappen oder Deckel für Reinigungsmaßnahmen), sollten diese ebenfalls über einen Sicherheitsschalter verfügen.

Maßnahmen gegen Hineinstürzen in den Einfülltrichter

Das Hineinstürzen von Beschäftigten in den Einfülltrichter können Sie beispielsweise mit einer der folgenden Schutzmaßnahmen verhindern:

  • Der Rand des Einfülltrichters befindet sich mindestens 1 m über der Standfläche, von der aus die Presse beschickt wird.
  • Liegt die Standfläche oberhalb des Trichterrandes, schützt ein fest angebrachtes und mindestens 1 m hohes Geländer gegen das Hineinstürzen.
WICHTIG
Wird ein Steckgeländer als Absturzsicherung ausgeführt, sollte es gegen Ausheben gesichert werden, z. B. durch Sicherungsschrauben.

Sicherungen gegen Abstürzen

Oft werden Müllpressen von Arbeitsbühnen, Laderampen, Podesten und ähnlichen hoch gelegenen Einrichtungen aus beschickt. Dabei kann es ebenfalls zu Absturzunfällen kommen. Auch diese Einrichtungen sollten Sie daher gegen Absturzgefahren sichern.

Geeignet sind hierfür Geländer von mindestens 1 m Höhe. Sie müssen darüber hinaus mindestens eine Knie- und eine Fußleiste besitzen, die mindestens 5 cm hoch ist.

Sorgen Sie auch für sichere Aufstiege

Achten Sie auch darauf, dass die Aufstiege zu Arbeitsbühnen, Podesten usw. keine Unfallgefahren bergen. Sicher sind Laufstege, Rampen oder Treppen von mindestens 1 m Breite. Geneigte Laufstege und Schrägrampen sollten eine Steigung von höchstens 10 % aufweisen. Rutschgefahren auf den Aufstiegen vermeiden Sie am besten, wenn Sie hierfür entweder Beläge aus profiliertem Blech (Riffelblech) oder Gitterroste verwenden. Die Aufsteige müssen – ebenso wie die Arbeitsbühnen selbst – durch ein mindestens 1 m hohes Geländer gesichert sein.

Steigleitern oder Steigeisen an Müllbehältern sind nur zulässig, wenn sie lediglich als Verkehrsweg für Wartungs-, Kontroll- und sonstige Instandhaltungsarbeiten dienen. Im Normalbetrieb sollten sie möglichst gesperrt sein.

Vermeiden Sie Unfälle beim An- und Abkoppeln der Müllpresse

Verletzungsgefahren vor allem durch Quetschen bestehen auch, wenn bei einer stationärer Müllpresse der volle Müllbehälter gegen einen leeren ausgetauscht wird. In der Regel wird das An- und Abkoppeln von den dafür besonders geschulten Mitarbeitern der Recyclingfirma vorgenommen, die auch die Behälter bereitstellt. Um Gefährdungen Ihrer eigenen Kollegen zu verhindern, sollten Sie mit der Entsorgungsfirma schriftlich vereinbaren, dass deren Mitarbeiter An- und Abkopplungsarbeiten nur dann vornehmen, wenn sich Ihre Kollegen nicht im gefährdeten Bereich aufhalten.

Achten Sie auf die vorgeschriebenen Prüfungen

Nach der Betriebssicherheitsverordnung müssen die austauschbaren Müllbehälter bzw. Müllpressbehälter vor der ersten Inbetriebnahme und später in regelmäßigen Abständen (Empfehlung: mindestens einmal jährlich) durch eine befähigte Person auf ihren betriebssicheren Zustand geprüft werden. Die Ergebnisse der Prüfung sind schriftlich festzuhalten und bis zur nächsten Prüfung aufzubewahren. Bei geliehenen Geräten wird diese Prüfung aus praktischen Gründen von der Recyclingfirma durchgeführt, die die Behälter bereitstellt. Aber: Die Verantwortung dafür, dass die vorgeschriebenen Prüfungen tatsächlich durchgeführt wurden, trägt letztlich Ihr Arbeitgeber, der ja die Arbeitsmittel seinen Beschäftigten überlässt.

Legen Sie daher in Ihrem Vertrag mit dem Recyclingunternehmen fest, dass nur (erfolgreich) geprüfte Behälter zur Verfügung gestellt werden. Noch besser: Lassen Sie sich immer mal wieder die Prüfprotokolle für die Pressbehälter vorlegen.

Darüber hinaus muss Ihr Bedienpersonal vor dem Arbeiten an der Müllpresse eine Sichtprüfung vornehmen – bei augenfälligen Mängeln darf sie keinesfalls benutzt werden und es ist sofort der Vorgesetzte (oder Sie als Sicherheitsfachkraft) zu informieren.

Setzen Sie nur unterwiesenes Personal ein

Alle Beschäftigten, die an der Müllpresse arbeiten, müssen vor Arbeitsbeginn und danach mindestens einmal jährlich im Rahmen einer Sicherheitsunterweisung über die damit verbundenen Gefährdungen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen unterwiesen werden. Die Unterweisung muss anhand einer Betriebsanweisung erfolgen, in der der sicherheitsgerechte Umgang mit Müllpressen schriftlich und verbindlich geregelt ist.

TIPP
Achten Sie darauf, dass die Recyclingfirma immer den gleichen Pressentyp bereitstellt, damit auch die Bedienung immer gleich ist. Damit werden die Betriebsanweisungen und die Unterweisungen sehr viel einfacher für Sie.

 

Autor: Rafael de la Roza

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