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Wegeunfälle – So verhindern Sie die unterschätzte Gefahr

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Wegeunfall

Rein statistisch betrachtet ist der tägliche Weg zur Arbeit doppelt so gefährlich und unfallträchtig wie der Arbeitsplatz im Unternehmen selbst. Mit folgenschwerem Ausgang, denn Arbeitsunfähigkeit, die durch Wegeunfälle verursacht wird, kostet Unternehmen mehr als Ausfälle, die durch Arbeitsunfälle entstehen.

Inhaltsverzeichnis
Warum das Thema „Wegeunfall“ für Sie als Sicherheitsfachkraft so wichtig ist
Was ist ein Wegeunfall?
So sind Wegeunfälle versichert
Fakten, die Sie vor Ihren geplanten Verkehrssicherheitsmaßnahmen kennen sollten
Die häufigsten Gründe für Wegeunfälle mit dem Pkw/Lkw oder Motorrad
Die häufigsten Gründe für Wegeunfälle mit dem Fahrrad
Die häufigsten Gründe für Wegeunfälle beim Zu-Fuß Gehen
Auf diese Gefahrengruppen müssen Sie in Ihrem Betrieb besonders achten
So gehen Sie bei geplanten Verkehrssicherheitsmaßnahmen richtig vor
Der Plan für Ihre Verkehrssicherheitsaktionen
Diesen Leitfaden sollten Sie als Sicherheitsfachkraft kennen
Regen Sie eine Wegeunfall – Unterweisung an

Aufgrund der meist schwereren Verletzungen und längeren Ausfallzeiten, die ein Wegeunfall nach sich ziehen kann, sind Wegeunfälle sogar teurer für Unternehmen, als ein Arbeitsunfall vor Ort. Für Sie als Sicherheitsfachkraft bedeutet das, Maßnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Arbeitssicherheit zu erarbeiten und durchzuführen. Wie diese Maßnahmen im Einzelnen umgesetzt werden können und was Sie bei der Verkehrssicherheitsarbeit beachten müssen, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Warum das Thema „Wegeunfall“ für Sie als Sicherheitsfachkraft so wichtig ist

190.968 meldepflichtige Wegeunfälle registrierte die DGUV in 2017, das sind 2,67 % mehr als im Vorjahr. 280 Wegeunfälle endeten sogar tödlich. Aber auch wenn es nicht zum Schlimmsten kommt, sind die Folgen von Wegeunfällen meist gravierender als die der Arbeitsunfälle im Betrieb. Denn die Verletzungen sind oft schwerer, die Ausfallzeiten länger. Darum ist die Verkehrssicherheit auch ein Thema für Sie als Sicherheitsfachkraft. Mit verursacht ist diese Entwicklung durch die steigende berufliche Mobilität: Rund 18 Mio. Pendler gibt es in Deutschland. Fast Zweidrittel von ihnen fahren mit dem Auto zur Arbeit; 14 % mit Bahn und Bus und der Rest pendelt per Fahrrad oder zu Fuß.

Bezogen auf zurückgelegte Wegekilometer stehen Fußgänger – dicht hinter Motorradfahrern – auf Platz 2 in der Wegeunfallstatistik. Altersmäßig sind jüngere Beschäftigte zwischen 18 und 25 Jahren besonders unfallgefährdet.

Was ist ein Wegeunfall?

Als Wegeunfall wird ein Unfall bezeichnet, der auf dem unmittelbaren Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, also dem Ort der versicherten Tätigkeit, passiert. Was bedeutet das aber genau für Sie? Als Sicherheitsfachkraft sollten Sie die Gründe eines Wegeunfalls so weit wie möglich herausfinden und prüfen. Dadurch können Sie eventuelle Schwachstellen aufdecken und geeignete Maßnahmen zur Verbesserung planen und organisieren. Unterscheiden Sie dabei, ob es sich bei den Wegeunfällen um technische (z. B. Defekt am Fahrzeug oder Fahrrad) oder organisatorische (z.B. Zeitdruck) Probleme handelt. Beraten Sie dann gemeinsam mit Ihrer Geschäftsleitung, den Vorgesetzten, dem Betriebsrat und ggf. den internen Betriebsarzt über mögliche Aktionen und Sicherheitsmaßnahmen.

Die besten Ergebnisse erreichen Sie mit einer Mischung aus Prävention und intensiver Schulung der Fahr- und Verhaltensweise Ihrer Kollegen. Machen Sie in jeder Form auf das Thema Wegeunfall aufmerksam, um die Mitarbeiter zu sensibilisieren, z.B. durch Plakate, Broschüren etc. Denken Sie bei Ihren Aktionen immer daran, dass es trotz aller Unterweisungen und Vorkehrungen immer nur begrenzt möglich ist, Ihren Kollegen Vorsichtsmaßnahmen einzuschärfen. Inwieweit Maßnahmen angenommen und außerhalb des Betriebs umgesetzt werden, liegt letztendlich immer im Ermessen und der Vernunft eines jeden Mitarbeiters selbst.

So sind Wegeunfälle versichert

Versicherungstechnisch sind Wegeunfälle dem Arbeitsunfall gleichgestellt. Der Mitarbeiter ist also auf dem direkten/unmittelbaren Weg von der Arbeit bis nach Hause und umgekehrt versichert. Außerdem sind bestimmte Umwege ebenfalls versichert, z.B. das Abholen von Mitfahrern einer Fahrgemeinschaft oder der Transport der Kinder zum Kindergarten oder zu einer Tagesmutter. Nicht versichert sind allerdings Fahrten privater Art wie z.B. der Zwischenstopp bei der Bank oder der Einkaufsbummel im Supermarkt – um noch schnell das Mittagessen einzukaufen. Diese Wege sind sozusagen eigenwirtschaftlich zu sehen und unterliegen nicht der gesetzlichen Unfallversicherung.

Fakten, die Sie vor Ihren geplanten Verkehrssicherheitsmaßnahmen kennen sollten

Die richtige Planung und Umsetzung Ihrer Verkehrssicherheitsmaßnahmen gelingt Ihnen am besten, wenn Sie wissen, wie und warum sich die Unfälle ereignen und wodurch sie verursacht werden. So können Sie gezielter auf die einzelnen Gefahrengruppen eingehen, Aktionen anbieten und einsetzen.

1. Wann die meisten Unfälle passieren

Die meisten Unfälle passieren laut der „Studie zu Verletzungsrisiken bei beruflich bedingter Verkehrsteilnahme“ am Nachmittag und in der Zeit zwischen 6 und 7 Uhr morgens. Mehr als ein Fünftel aller Wegeunfälle geschehen in diesem Zeitraum.Dabei spielen vor allem die Wochentage Montag und Freitag eine wichtige Rolle, da sich dann laut Statistik die meisten Unfälle ereignen. Machen Sie Ihre Kollegen darauf aufmerksam. Die Witterung ist ebenfalls häufiger Grund für Unfälle. Statistisch gesehen steigt deshalb besonders in den Monaten Oktober bis Dezember die Zahl der Unfälle an.

2. Wodurch Wegeunfälle verursacht werden

Häufigste Gründe für Wegeunfälle sind Fehlverhalten und mangelndes Fahrkönnen in verschiedenen Gefahrensituationen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Ihre Kollegen mit dem Pkw, dem Fahrrad oder zu Fuß in den Betrieb kommen.

  • Fehlverhalten:
    Weshalb falsch gehandelt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Anzünden bzw. Rauchen einer Zigarette, Ablenkung durch das Navigationssystem im Auto, Telefonieren mit dem Handy, Konzentrationsmangel, Termindruck, Müdigkeit oder privater und beruflicher Stress stellen ein erhöhtes Unfall- und Gefahrenpotenzial dar.Weisen Sie bei Ihren Sicherheitsmaßnahmen die Kollegen auf solche Risiken hin. Machen Sie darauf aufmerksam, dass sich viele Unfälle durch Konzentration und Wissen in bestimmten Situationen vermeiden lassen könnten. Übrigens geschehen – rein statistisch betrachtet – mehr Unfälle auf dem Weg zur Arbeit als auf dem Rückweg.
  • Mangelndes Fahrkönnen:
    Selbstüberschätzung und Fehler beim Fahren verursachen die gravierendsten Unfälle. Wie sehr es aber am Fahrkönnen mangelt, macht eine Umfrage der Zeitschrift „Auto Bild“ aus dem Jahr 2003 deutlich. Demnach halten sich 93 % der Frauen und 96 % der Männer für gute Autofahrer. Ginge es nach dieser Studie, dürfte es auf den Straßen kaum noch Unfälle geben. Beziehen Sie deshalb bei geplanten Sicherheitsmaßnahmen den Faktor Fahrkönnen und die Selbsteinschätzung der Fahrer mit ein.
Tipp
Gehen Sie bei Ihren Maßnahmen mit der Erklärung der potenziellen Gefahrensituationen spielerisch um. Melden Sie die Mitarbeiter z. B. bei einem Fahrtraining in Ihrer Nähe an. Dort lernen die Mitarbeiter, wie man sich im Straßenverkehr richtig verhält, wie Risiken vermieden werden und der Arbeitsweg sicherer wird.
Informationen über Fahrertrainings erhalten Sie z. B. beim ADAC oder beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat e.V. in Bonn.

 

Die häufigsten Gründe für Wegeunfälle mit dem Pkw/Lkw oder Motorrad

Seit Jahren ist das Auto an der Spitze der am häufigsten gewählten Verkehrsmittel für den Arbeitsweg. Da ist es kein Wunder, dass auch hier die häufigsten Unfälle geschehen. Aufgrund von häufig hohen Geschwindigkeiten, ist diese Art von Wegeunfall auch besonders gefährlich. Doch es gibt noch viele weitere Gründe, die das Pendeln mit dem Auto so riskant machen. Klären Sie Ihre Mitarbeiter über die folgenden 6 Gründe auf.

Zu hohe Geschwindigkeit auf Platz 1:

Zu hohe Geschwindigkeit belegt in der Unfallstatistik den traurigen Platz eins. Meist sind Ärger und Stress Auslöser für ein zu aggressives und schnelles Fahren.

Beispiel:
Klären Sie als Sicherheitsfachkraft in Schulungen Ihre Kollegen darüber auf, dass z. B. für einen Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h in einem Wohngebiet 13,5 m benötigt werden und bei einer überhöhten Geschwindigkeit von 50 km/h bereits 27,5 m. Der Anhalteweg verdoppelt sich also bei einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 50 km/h.

Als Faustformel für den Anhalteweg gilt: Reaktionsweg + Bremsweg

Dazu müssen Sie aber wissen, dass die Reaktionszeit Ihrer Kollegen umso kürzer ist, je früher sie eine Gefahrensituation erkennen. Bis das menschliche Gehirn aber die Gefahr erkennt und verarbeitet und der Fahrer handelt, dauert es meist mindestens eine Sekunde. Die innerhalb dieser Zeit zurückgelegte Strecke lässt sich nach folgender Formel berechnen:

Reaktionsweg = Geschwindigkeit x 3 / 10

In dieser Zeit legen Ihre Pkw-fahrenden Kollegen folgende Strecke zurück:

  • 30 km/h = 9 m
  • 50 km/h = 15 m
  • 70 km/h = 21 m
  • 90 km/h = 27 m

WICHTIG: Bei Übermüdung oder Unachtsamkeit ist der Reaktionsweg noch länger.

Der Reaktionsweg ist allerdings noch nicht der Bremsweg. Als Bremsweg wird die Distanz bezeichnet, die ein Fahrzeug vom Bremsen bis zum endgültigen Stillstand zurücklegt. Die Faustformel dafür lautet:

Bremsweg = Geschwindigkeit x Geschwindigkeit / 100

Diese Formel setzt eine Verzögerung von ca. 4 m/s voraus. Dieser Verzögerungswert gilt für sehr ungeübte Fahrer und schlechte äußere Bedingungen, z. B. regennasse Straßen. Dabei können allerdings Verzögerungswerte von 8 m/s erreicht werden.

Reaktionsweg + Bremsweg = Anhalteweg

  • 30 km/h: 9+9 m = 18 m
  • 50 km/h: 15+25 m = 40 m
  • 70 km/h: 21+49 m = 70 m
  • 90 km/h: 27+81 m = 108 m

Der Bremsweg beträgt also bei Tempo 50 ca.25 m. Addiert man diese Strecke mit dem Reaktionsweg, kommt man erst nach über 40 m zum Stehen!

Lassen Sie sich im Internet zu jeder Geschwindigkeit und jedem Straßenverhältnis den Bremsweg ausrechnen – unter www.raser-kommen-nicht-an.de (Lehreinheit/Bremsweg-Rechner).

Machen Sie Ihren Kollegen klar, dass Geschwindigkeit immer dem vorgeschriebenen Tempo angepasst werden soll, denn die Unfallhäufigkeit liegt bei unangepasster Geschwindigkeit 16-mal höher als bei vorgeschriebenem Tempo.

Alkohol am Steuer als zweithäufigster Wegeunfall

Obwohl es immer wieder Aufklärungsmaßnahmen gibt, passieren durch Alkohol am Pkw-Steuer 7-mal mehr Unfälle.Wenn es bei firmeninternen Feiern Alkohol gibt,sollten Sie mit dem Arbeitgeber absprechen,ob es möglich ist, die Mitarbeiter mit einem Sammeltaxi nach Hause zu bringen. Ansonsten weisen Sie die Kollegen darauf hin, dass jedes Glas am Steuer eines zu viel ist und Bus, Bahn oder Taxi den Weg nach Hause bestimmt sicherer machen als der eigenen Pkw.

Zu dichtes Auffahren belegt Platz 3

Machen Sie Ihre Kollegen darauf aufmerksam, dass sie einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum Vordermann einhalten. Als alte Faustformel gilt dabei:

Ausreichender Sicherheitsabstand = halber Tacho-Abstand.

Geben Sie den Mitarbeitern zu verstehen, dass sie mit genügend Sicherheitsabstand entspannter und stressfreier in den Tag starten und ein geringeres Auffahrunfallrisiko haben. Dieses Fahrverhalten hat außerdem einen weiteren positiven Nebeneffekt: Ihre Kollegen sparen jede Menge Kraftstoff.

Riskante Überholmanöver

Überholen wird vielen Autofahrern zum Verhängnis. Kommt auf dem Arbeitsweg dann noch Müdigkeit oder Unaufmerksamkeit mit ins Spiel, passieren schnell gefährliche Fehleinschätzungen. Dazu gehört z.B. das Überholen an Bergkuppen, in unübersichtlichen Kurven oder eine falsche Einschätzung der Geschwindigkeit des entgegenkommenden Fahrzeugs. Klären Sie die Mitarbeiter darüber auf, dass sie im Zweifel lieber nicht überholen und damit sicher zur Arbeit kommen.

Zu geringe Geschwindigkeit ist auch gefährlich

Wenn die Kollegen mit zu geringer Geschwindigkeit ihren Weg antreten, kann das aber ebenfalls zu einer Gefährdung im Straßenverkehr führen. Es wird dabei durch das verminderte Tempo der Verkehrsfluss gestört, weil ständig gebremst und behindert wird. Folge: Es steigt durch eventuelle Staus nicht nur für den Fahrer, sondern auch für nachfolgende Fahrzeuge die Unfallgefahr. Die Devise lautet deshalb: Immer zügig mit dem Verkehrsfluss fahren.

Kurvenschneiden

Kurvenschneiden stellt eine Gefahr dar, die von Ihren Kollegen im Pkw sicherlich häufig unterschätzt wird. Dieser Fahrstil führt zu Behinderungen für entgegenkommende Fahrzeuge und ist zudem extrem gefährlich, da durch die erhöhte Geschwindigkeit, mit der sich beide Pkw nähern, die Unfallfolgen katastrophal sein können.

Die häufigsten Gründe für den Wegeunfall mit dem Fahrrad

  • Nicht Anwenden der Handzeichen:
    65 % aller Fahrradunfälle werden beim Abbiegen ohne Handzeichen verursacht. Viele Fahrradfahrer werden von den Pkws meist zu spät gesehen und der Bremsweg reicht dann einfach nicht mehr aus, um den Unfall abzuwenden. Wenn sich der Radfahrer dann in letzter Minute entscheidet,doch abzubiegen,ohne Zeichen zu geben,lässt sich oft ein Unfall nicht mehr abwenden. Weisen Sie die Mitarbeiter darauf hin, dass sie als Fahrradfahrer ein ganz normaler Verkehrsteilnehmer sind und dementsprechende Signale „gesendet“ werden müssen, damit Unfälle in Zukunft vermieden werden.
  • Ohne Licht fahren: 26 % der Fahrradfahrer verunglücken bei Wegeunfällen, weil sie entweder vergessen, ihr Licht am Rad einzuschalten oder womöglich überhaupt keine Lampe haben. Dabei ist ein Licht am Rad Vorschrift, deren Missachtung eine Geldstrafe bedeuten kann. Mittlerweile gibt es aber in jedem Fachgeschäft gute Halogenlampen, die sich die Fahrrad fahrenden Kollegen z. B. am Sattel, an Jacke oder Mütze befestigen können. Damit sind die Radler für nachfolgende Fahrzeuge bei Dunkelheit sehr gut sichtbar und vermeiden böse Unfallfolgen.
  • Kurvenschneiden: Nicht nur bei den Pkw-Fahrern, auch bei den Fahrradfahrern gilt Kurvenschneiden als eine der Hauptunfallursachen. Geben Sie den Kollegen zu bedenken, dass sie auf dem Fahrrad weniger geschützt sind, als z. B. Autofahrer. Kurvenschneiden ist ein waghalsiges Unterfangen, das in 22 % der Fälle mit einem Unfall endet.

Die häufigsten Gründe für Wegeunfälle beim Zu-Fuß Gehen

Auch wenn Sie es kaum glauben mögen, aber wie gefährlich Zu-Fuß-Gehen ist, macht die Statistik deutlich: Bezogen auf zurückgelegte Wegekilometer stehen Unfälle von und mit Fußgängern auf Platz zwei – gleich hinter tödlichen Unfällen mit motorisierten Zweirädern! Viele Fußgänger stürzen oder stolpern und ziehen sich dabei böse Verletzungen zu. Sei es durch Unachtsamkeit z. B. beim Treppensteigen oder auf glatter Straße. Wichtig für Fußgänger ist, genau wie bei den Radfahrern, die Sichtbarkeit. Machen Sie darauf aufmerksam, dass Reflektoren an der Kleidung getragen werden, die es Zweiradfahrern oder Autofahrern ermöglichen, den Fußgänger rechtzeitig wahrzunehmen. Berücksichtigen Sie deshalb bei Ihren Verkehrssicherheitsmaßnahmen, dass auch Fußgänger auf dem Weg von oder zur Arbeit verunfallen.

Auf diese Gefahrengruppen müssen Sie in Ihrem Betrieb besonders achten

Jeder Wegeunfall hat eine individuelle Ursache. Dennoch sollten Sie als Sicherheitsfachkraft die Personengruppen kennen, die – rein statistisch gesehen – ein höheres Risiko haben zu verunfallen. Einige Personengruppen sind dabei besonders gefährdet. Bieten Sie diesen Gruppen Verkehrssicherheitsaktionen wie Schulungen, Seminare, Trainings etc. an.

WICHTIG: Vor allem Verkehrsteilnehmer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren gelten als häufige Unfallbeteiligte. Schenken Sie dieser „jüngeren“ Gruppe in Ihrem Betrieb durch Sicherheitsaktionen besondere Aufmerksamkeit.
Personengruppen mit einem erhöhten Wegeunfall-Risiko

  • Nacht- und Schichtarbeiter (mit entweder sehr kurzen oder sehr langen Schichten)
  • Jugendliche Aushilfskräfte bzw.Auszubildende
  • Personen mit kurzen Arbeitszeiten

So gehen Sie bei geplanten Verkehrssicherheitsmaßnahmen richtig vor

Damit Sie die Mitarbeiter bei geplanten Verkehrssicherheitsaktionen richtig schulen und informieren, müssen Sie 2 Ebenen unterscheiden: die Informationsebene und die Erlebnisebene. Überlegen Sie sich, wie die Aktionen ablaufen sollen und was Sie an „Information“ und „Erlebnis“ einbauen möchten. Sprechen Sie dann mit Ihrem Arbeitgeber über die einzelnen Möglichkeiten und verwenden Sie dann den nachstehenden Plan für Ihre Aktion.

1. Informationsebene

Bei der Informationsebene geben Sie Informationen an die Kollegen weiter oder führen mit ihnen eventuell persönliche Gespräche zum Thema Verkehrssicherheit.

„Wegeunfälle“ thematisieren Sie am besten, indem Sie Broschüren an die Mitarbeiter verteilen oder Plakate im Betrieb aufhängen. Zur intensiven Information ist es sinnvoll, den Kollegen Videos oder DVDs zum Thema vorzuführen.

Tipp
Material dazu erhalten Sie, teils kostenfrei, z. B. beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR) in Bonn, Telefon 0228/40001-0, oder beim ADAC. Diese Organisationen stellen auch geschulte Referenten bereit.

2. Erlebnisebene

Wie wichtig das Thema Wegeunfall ist, machen Sie den Mitarbeitern durch die Erlebnisebene klar. Das bedeutet für Sie, das Thema greifbar zu machen, z. B. durch Fahrsicherheitstrainings, Aktionen im Betrieb wie Seminare zum „Sicheren Fahren“,Pannenhilfe oder Erste Hilfe etc.

Tipp
Die Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltung (BGF) bezuschusst Fahrsicherheitstrainings nach den Richtlinien des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) in Bonn. Wichtig: Sie müssen den Antrag vor dem Training stellen. Weitere Informationen und ein Antragsformular finden Sie z. B. unter www.bgf.de. Auch andere Berufsgenossenschaften unterstützen Fahrsicherheitstrainings, fragen Sie einfach mal nach.

Sicherheitstrainings werden z. B. von den Berufsgenossenschaften, vom DVR oder ADAC angeboten. Außerdem können Sie am intensivsten und besten mit den Kollegen besprechen, denen bereit ein Wegeunfall widerfahren ist. Das gilt z. B. besonders bei saisonalen Besonderheiten wie die bevorstehende Wintersaison oder Ladungssicherung bei Lkw-Fahrten etc. Vielleicht können Sie die betroffenen Kollegen überreden, Ihre Erfahrungen zu teilen.

Der Plan für Ihre Verkehrssicherheitsaktionen

Verwenden Sie für Ihre Verkehrssicherheitsmaßnahmen am besten den nachfolgenden Ablaufplan. Mit den genannten 5 Punkten können Sie Ihre Aktionen besser organisieren und behalten dabei den (zeitlichen) Überblick:

1. Vorbereitung
  • Anlass: z.B. umfangreiche Verkehrssicherheitsaktion im Betrieb
  • Zielsetzung: z. B. weniger Krankheitsfälle durch Wegeunfälle
  • Zielgruppe: alle Mitarbeiter, die mit dem Pkw anreisen
  • Thema: z.B. „Sicherer fahren – gut ankommen“
  • Absprachen im Betrieb: z. B. mit Arbeitgeber, Betriebsrat, Betriebsarzt, Personalleitung etc.
  • Terminplan: z. B. Aktion findet statt am 25. November, Aushang von Plakaten zur Aktion 4 Wochen vorher, Einladen der Mitarbeiter 2 Wochen vorher, etc.
  • Was findet statt: z. B. Seminare mit gebuchtem Referenten zum Thema „sicheres Fahren“ mit abschließendem Fahrsicherheitstraining für alle Mitarbeiter
  • Kosten der Aktion
2. Planung: Wer arbeitet allgemein an den Aktionen mit?
  • Kontakte herstellen: z. B. Kontakt zu Referenten für interne Seminare herstellen, ADAC wegen Fahrsicherheitstraining für die Mitarbeiter etc.
  • Materialbeschaffung: z. B. Broschüren 4 Wochen vorher anfordern, Video zum Thema Fahrsicherheit 2 Wochen vorher bestellen etc.
3. Durchführung: Wie läuft die Aktion genau ab?
  • Genauer Zeitplan
  • Aufgabenverteilung: z. B. Frau X versendet Einladungen, Herr Y ist für die Referenten zuständig etc.
  • Eröffnung: z. B. Bestimmung des Redners für die Eröffnungsansprache, technischen Geräte bereitstellen etc.
  • Verlauf: z. B. Versorgung mit Getränken und Essen, Namensschilder, Transportmittel
  • Abschluss: z. B. Verantwortlicher Abschlussrede, eventuell Preisverleihung
4. Abschluss
  • Abbau: z. B. Abbauplan mit Verantwortlichen und Zeiten
  • Dankeschön: z. B. Abschlussessen mit allen Mitwirkenden
5. Erfolgskontrolle:
  • Befragung der Teilnehmer: z. B. Fragebögen

Diesen Leitfaden sollten Sie als Sicherheitsfachkraft kennen

Beim Thema Wegeunfall sollten Sie als Sicherheitsfachkraft Ihre Kollegen über bestimmte Risiken aufklären. Dazu gibt es einen „Leitfaden“ zum besseren Fahren. An diesen Kriterien sollten sich alle Verkehrsteilnehmer orientieren und damit ein Zeichen zum besseren Miteinander setzen:

  1. Sicherheit
  2. Zeit
  3. Sichtbarkeit
  4. Partnerschaftlichkeit
  5. Aufmerksamkeit

1. Sicherheit steht an erster Stelle

Generell ist statistisch betrachtet die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel die sicherste Wahl, um unfallfrei den Arbeitsweg zu bewerkstelligen. Für viele Ihrer Kollegen mag das aber vielleicht nur dann eine Alternative sein, wenn konkrete Vorteile und eine reibungslose Fahrt damit verbunden sind. Es gibt aber noch eine Reihe anderer Maßnahmen, die Sie als Sicherheitsfachkraft bei Ihrem Arbeitgeber anregen und eventuell durchführen können:

  • Passen Sie die Schichtpläne an die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel an.
  • Bieten Sie z. B. eine regelmäßige Überprüfung von Fahrzeugen kostenfrei an.
  • Regen Sie Fahrgemeinschaften und bieten Sie „Jobtickets“ an.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über die Möglichkeit eines Werksbusses.
  • Schlagen Sie Ihrem Arbeitgeber die Möglichkeit eines Zuschusses für Kollegen vor, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.
  • Besprechen Sie mit dem Arbeitgeber eine eventuelle Betriebsvereinbarung bei Beförderung in besonderen Fällen wie z. B. Betriebsfeiern etc.

Weitere Sicherheitsmaßnahmen: Machen Sie den Auto fahrenden Kollegen klar, dass sie zum eigenen Schutz immer den Sicherheitsgurt anlegen und darauf achten müssen, dass Mitfahrer auf den Rücksitzen ebenfalls angeschnallt sind. Die Kopfstützen auf die richtige Höhe einstellen, regelmäßig Beleuchtung prüfen und Scheibenwaschwasser rechtzeitig nachfüllen. Für die Fahrrad fahrenden Kollegen gilt: Schutzhelme aufsetzen, immer Handzeichen geben und die Verkehrszeichen wie Ampeln, Fußgängerüberweg etc. genauso beachten wie Autofahrer. Weisen Sie darauf hin, dass die Fahrräder regelmäßig geprüft werden sollten. Wenn ein Problem an Bremsen, Lenkung etc. festgestellt wird, sollte der Mitarbeiter diese umgehend vom Fachmann reparieren lassen. Kollegen, die zu Fuß zur Arbeit kommen, sollten sichere Überwege benutzen, auch wenn die Zeit knapp ist. Fußgänger sollten vor allem bei Straßeneinmündungen vorsichtig sein, um nicht Gefahr zu laufen, von eventuell abbiegenden Fahrzeugen übersehen zu werden. Im Zweifelsfall, auch wenn die Fußgängerampel Grün zeigt, lieber abwarten, bis das Fahrzeug durchgefahren ist.

2. Zeitstress führt zu unüberlegter Hektik

Mangelnde Zeit ist einer der wesentlichen Stressfaktoren, die im Straßenverkehr zu Unfällen führen. Dabei ließe sich der angestaute Zeitstress besser abbauen, wenn Mitarbeiter z. B. die Staus in der Hauptverkehrszeit umgehen könnten. So könnte Termindruck vermieden und auf überhöhte Geschwindigkeit verzichtet werden.

Maßnahme: Schlagen Sie Ihrem Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten für die Mitarbeiter vor, die es ihnen möglich machen, bei Staus oder schlechten Straßenverhältnissen auch einmal später oder früher zum Arbeitsplatz zu kommen. Machen Sie klar, dass sich diese Option auszahlt, da die Mitarbeiter motivierter sind, weniger Ausfallzeiten an der Tagesordnung sein werden und dadurch ein erheblicher Qualitätsgewinn des Arbeitsergebnisses erzielt wird.

3. Sichtbarkeit und Beleuchtung

Sichtbarkeit oder eben Unsichtbarkeit ist ein weiteres wichtiges Kriterium beim Wegeunfall, auf das Sie als Sicherheitsfachkraft Ihre Kollegen hinweisen sollten.

Maßnahmen: Viele Wegeunfälle könnten vermieden werden, wenn Ihre Auto fahrenden Kollegen nicht nur bei Dämmerung, sondern bereits tagsüber die Beleuchtung einschalten. Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass Pkws, die tagsüber mit Licht fahren, früher gesehen werden und Unfallrisiken dadurch vermindert werden.

Sichtbarkeit bedeutet für Radfahrer: Deutlich sichtbare Handzeichen geben. Da Radfahrer besonders leicht übersehen werden, sollte für diese Kollegen eine sehr gute Beleuchtung am Rad und reflektorische Kleidung obligatorisch sein.

4. Rücksicht auf andere Verkehrteilnehmer nehmen

Partnerschaftlichkeit gilt für Autofahrer, Lkw-Fahrer, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen. Sie sollten in Verkehrssicherheitsaktionen unbedingt darauf hinweisen, dass rücksichtsvolles und partnerschaftliches Verhalten jedem Verkehrsteilnehmer zugute kommt und Unfallrisiken senkt.

Maßnahmen: Radfahrer und Fußgänger haben keine „Knautschzone“ wie Pkws. Die Autofahrer sind deshalb zu mehr partnerschaftlichem Verhalten verpflichtet. Halten Sie sich nicht an diese Verpflichtung, sollten alle anderen dennoch lieber einmal mehr auf die eigene „Vorfahrt“ verzichten und Autofahrern, vor allem bei schlechten Verkehrsverhältnissen wie Schnee oder Glätte, die Vorfahrt gewähren.

5. Bleiben Sie aufmerksam

Aufmerksamkeit ist beim täglichen Weg zur Arbeit unerlässlich. Letztendlich ist es vor allem die Gewohnheit, die zu einem Unfallrisiko führt. Gerade weil der Weg den Kollegen bekannt und meist immer der gleiche ist, sollten Sie als Sicherheitsfachkraft im Betrieb daran erinnern, dass sich z. B. durch Witterungsverhältnisse wie Schnee, Regen oder Glätte der „bekannte“ Fahrbahnbelag schnell verändern kann. Unfälle sind dann vorprogrammiert. Das gilt für Autofahrer genauso wie für Radfahrer und Fußgänger.

Regen Sie eine Wegeunfall – Unterweisung an

Schlagen Sie Ihrem Arbeitgeber vor, das Thema Wegeunfall  in den gesetzlich vorgeschriebenen jährlichen Unterweisungen abzuhandeln Klären Sie darin über die wichtigsten Unfallursachen auf und wie man sie vermeiden kann. Die hier aufgezeigten Statistiken können Sie gut als „Schockzahlen“ nutzen, um die Gefahr des Wegeunfalls deutlich zu machen.

 

Autor: Melanie Steiner

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