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So sorgen Sie für einen unfallfreien und sicheren Umgang mit Leitern

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Leitern

Vor allem im gewerblichen Bereich sind Leitern als fast überall einsetzbare Aufstiegshilfen gang und gäbe. Dabei kommt es immer wieder zu Unfällen, die schon aus geringer Höhe oft schwerwiegende Folgen haben können. So gab es nach einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zwischen 2009 und 2016 insgesamt 49 tödliche Absturzunfälle von Leitern aus weniger als 2 m Höhe. Lesen Sie in diesem Beitrag, was Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit tun können, um Unfälle mit Leitern in Ihrem Betrieb zu verhindern.

Achtung: Ortsfeste Leitern wie Steigleitern und Leitern als Zugänge zu Arbeitsbühnen an Maschinen werden nach anderen Gesichtspunkten ausgewählt und benutzt; sie werden daher hier nicht behandelt.

Die häufigsten Unfallursachen mit Leitern

Technische Mängel spielen im Unfallgeschehen nur eine verschwindend geringe Rolle. An den meisten Unfällen ist ein fehlerhafter Umgang mit Leitern schuld. Die häufigsten Ursachen sind:

  1. Sturz mit der Stehleiter durch seitliches Hinauslehnen: Stehleitern heben beim seitlichen „Hinauslehnen“ durch die Gewichtsverlagerung leicht auf einer Seite ab. Diese Gefahr ist umso größer, je weiter Sie sich hinauslehnen und je höher der Kraftaufwand ist, mit dem Sie Ihre Arbeit auf der Leiter ausführen. Das Abheben führt zur Überlastung der gegenüberliegenden Leiterholmenden, die jetzt die ganze Last allein tragen müssen. Folge: Sie knicken häufig ein und die Leiter stürzt um.
  2. Sturz von der Leiter durch unebenes Aufstellen: Ist eine Leiter auf unebenem oder lockerem Untergrund aufgestellt, kommt es oft zu ruckartigen Leiterbewegungen, wenn die Haltung auf der Leiter geändert wird. Dadurch kann man schnell das Gleichgewicht verlieren und abstürzen.
  3. Abrutschen mit der Anlegeleiter durch zu flaches Anlehnen: Werden Anlegeleitern in einem zu flachen Winkel angelehnt, bieten sie auch bei günstigsten Bodenverhältnissen nicht die notwendige Rutschsicherheit: Je höher Sie auf der Leiter hinaufsteigen, umso größer wird das Risiko, dass Sie zusammen mit der Leiter abrutschen.
  4. Abrutschen von der Leiterstufe oder -sprosse: Das passiert leicht, wenn die Stufen oder Sprossen verschmutzt sind, z. B. durch frische Farbkleckse. Auch unkonzentriertes oder zu hastiges Hinabsteigen und falsches Schuhwerk können zum Abrutschen führen.

Einsatz nur nach Gefährdungsbeurteilung

Bevor Sie eine Leiter als Arbeitsplatz oder als Zugang zu hochgelegenen Arbeitsplätzen bereitstellen, müssen Sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung prüfen, ob nicht ein anderes Arbeitsmittel für diese Tätigkeit geeigneter ist. Denn nach Anhang 1 Abschnitt 3.1.4 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) dürfen Leitern nur eingesetzt werden, wenn die Benutzung anderer, sichererer Arbeitsmittel etwa wegen der vorhandenen baulichen Gegebenheiten nicht möglich oder wegen der geringen Gefährdung nicht gerechtfertigt ist.

Solche sichereren Arbeitsmittel können etwa Gerüste oder Hubarbeitsbühnen sein. In engen Treppenhäusern oder Regalgängen fehlt hierfür jedoch häufig der Platz, in anderen Fällen ist der Aufwand etwa für den Aufbau eines Gerüsts unverhältnismäßig hoch. Dann dürfen Sie Leitern verwenden, jedoch nur bei Arbeiten geringen Umfangs und mit geringer Gefährdung.

Bei der Prüfung, ob Leitern als hochgelegener Arbeitsplatz erlaubt sind, sollten Sie neben der Dauer und dem Schwierigkeitsgrad der Arbeit auch die einzusetzende Körperkraft und das auf der Leiter mitzuführende Werkzeug und Material berücksichtigen.

Außerdem sind auf folgende Vorschriften zu achten, die seit Dezember 2018 Gültigkeit haben:

Leitern dürfen nur dann als hochgelegener Arbeitsplatz verwendet werden, wenn ihre Standhöhe nicht mehr als 2 Meter beträgt.

In Ausnahmefällen dürfen Leitern auch dann verwendet werden, wenn ihre Standhöhe zwischen 2 und 5 Metern liegt. In diesem Fall

  • muss es sich um kurzfristige Arbeiten handeln und
  • die Verwendung anderer, ggf. sicherer Arbeitsmittel nicht verhältnismäßig sein. Zum Beispiel bei geringer Gefährdung und geringer Dauer.

Kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs können etwa sein:

  • der Lampenwechsel in Leuchten,
  • das Reinigen von Dachrinnen und Dachabläufen,
  • das An- und Abschlagen von Anschlagmitteln im Hebezeugbetrieb,
  • das Setzen von Dübeln.

Zeitweilige Arbeiten dauern nicht länger als jeweils 2 Stunden pro Arbeitsschicht.

Leitern als Zugang zu einem hochgelegenen Arbeitsplatz

Leitern dürfen als Zugang oder Abgang zu einem hochgelegenen Arbeitsplatz verwendet werden, wenn folgende Vorschriften beachtet und eingehalten werden:

  • Der Höhenunterschied beträgt nicht mehr als 5 Meter.
  • Es liegt eine geringe Gefährdung und eine geringe Verwendungsdauer vor, so dass andere (sicherere) Arbeitsmittel im Einsatz nicht verhältnismäßig wären.
  • Die durchgeführte Gefährdungsbeurteilung kommt zu dem Ergebnis, dass der Zu- und Abgang zum hochgelegenen Arbeitsplatz mit größtmöglicher Sicherheit gewährleistet ist.

Verwenden Sie nur geeignete Leitern

Wenn Ihre Gefährdungsbeurteilung zu dem Ergebnis führt, dass Leitern benutzt werden dürfen, müssen Sie noch den geeigneten Leitertyp für die jeweilige Arbeitsaufgabe finden.

Die Vielzahl unterschiedlicher Leitertypen erlaubt es, für (fast) jeden Einsatzzweck die sicherste Bauart zu finden. Die häufigsten Varianten sind folgende:

  • Anlegeleitern sind am weitesten verbreitet. Sie eignen sich für einfache Arbeiten, bei denen kein schweres Werkzeug benötigt wird und eine sichere Wand als Anlegemöglichkeit vorhanden ist.
  • Auszieh- bzw. Schiebeleitern sind Anlegeleitern, die in der Höhe verstellbar sind. Sie besitzen den Vorzug, dass sie flexibel verwendbar sind und in zusammengeschobenem Zustand leicht transportiert werden können.
  • Stehleitern besitzen 2 Steigschenkel und können darum auch dort eingesetzt werden, wo keine Wand zum sicheren Anlehnen vorhanden ist. Als Podestleitern besitzen sie zudem den Vorteil, dass sie eine Abstellfläche für Material oder Werkzeug bieten. Außerdem kann das Podest als Standfläche für den Benutzer dienen, auf dem er mehr Bewegungsfreiraum hat als auf einer Sprosse. Fahrbare Stehleitern verfügen über Rollen, sodass sie sich an der Arbeitsstelle leicht weiterbewegen lassen.
  • Mehrzweckleitern sind Leitern, die als Anlege-, Schiebe- oder Stehleitern verwendet werden können. Sie bieten sich an, wenn häufig sowohl Steh- als auch Anlegeleitern benötigt werden.
  • Gemäß der Neufassung der Leiternorm DIN EN 131, die seit Januar 2018 gilt, müssen Leitern ab einer Länge von drei Metern entweder eine Quertraverse aufweisen oder über eine konische Bauweise verfügen, um für erhöhte Standsicherheit zu sorgen.
  • Ebenso müssen tragbare Leitern mit Sprossen statt mit Stufen ausgestattet sein.

Spezialleitern und Zubehör

Darüber hinaus bietet der Markt zahlreiche weitere Leitertypen für spezielle Verwendungszwecke, etwa Glasreinigerleitern, Steckleitern, Seilleitern und Mast- und Hängeleitern beispielsweise für Arbeiten an Strommasten.

Außerdem gibt es eine breite Auswahl an nützlichem Zubehör, mit dessen Hilfe die Leiter noch besser an die beabsichtigte Verwendung angepasst werden kann. Die Palette reicht von Einhängevorrichtung für Arbeiten an Behältern über Holmverlängerungen, Einhängepodeste bis zu Seitenhandläufen für Stehleitern. Wenn Sie sich einen gründlichen Überblick über das Angebot im Markt verschaffen, sollte es Ihnen leichtfallen, für jeden Zweck die richtige Leiter zu finden.

Welche Größe wird benötigt?

Oft wird die benötigte Größe von Leitern unterschätzt – dann sind Unfälle vorprogrammiert. Beachten Sie darum bei der Auswahl die folgenden Punkte:

  • Nicht zusätzlich gesicherte Anlegeleitern dürfen nur bis zur viertobersten Stufe bzw. Sprosse bestiegen werden, da sonst die Gefahr des Wegrutschens besteht.
  • Beidseitig besteigbare Stehleitern dürfen nur bis zur drittobersten Stufe bestiegen werden, um ausreichenden Halt zu gewährleisten.
  • Stehleitern mit aufgesetzter Schiebeleiter dürfen nur bis zur fünftobersten Sprosse bestiegen werden.
  • Wählen Sie die Größe von Podestleitern so, dass der Benutzer die maximal erforderliche Arbeitshöhe von der Plattform aus erreichen kann, ohne sich recken zu müssen.

Was Sie bei der Materialauswahl beachten sollten

Leitern gibt es aus vielen Werkstoffen, aber nicht jeder ist für jede Umgebung der beste. Diese kleine Werkstoffkunde hilft Ihnen bei der Materialauswahl. Holzleitern eignen sich besonders für den Einsatz im strapaziösen Betrieb, wie z. B. bei Ausbauarbeiten in Gebäuden. Vorsicht bei Außenarbeiten, denn Holz ist trotz einer Oberflächenbehandlung witterungsempfindlich. Häufige Wechsel von Sonne und Regen schaden den Holm-Sprossenverbindungen. Stahlleitern sind sich ebenfalls beim Einsatz im Innenbereich unter rauen Bedingungen bewährt, z. B. in Maschinenhallen. Aber: Stahl ist trotz einer Oberflächenbeschichtung korrosionsanfällig. Greifen Sie deshalb z. B. in Betrieben der Lebensmittelverarbeitung, Druckbetrieben sowie der Wasserwirtschaft zu Leitern aus Edelstahl.

Aluminiumleitern sind aufgrund des niedrigen Gewichts eine gute Wahl bei Einsätzen mit häufigen Ortswechseln. Sie glänzen dazu beim Korrosionsschutz, nehmen jedoch Stoß- und Schlagbeanspruchungen schnell übel. Für Baustellen sind sie darum eher nicht zu empfehlen!

Kunststoffleitern sind besonders widerstandsfähig gegen schädigende Einflüsse durch aggressive Stoffe wie etwa Säuren und Laugen. Hier können Stahl und vor allem Aluminium nicht mithalten. Eine zusätzliche Festigkeit bieten Leitern aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Auch bei Arbeiten an oder in der Nähe von unter Spannung stehenden Teilen elektrischer Anlagen haben sich Kunststoffleitern bewährt, denn Kunststoff mindert die Gefahr einer Körperdurchströmung beim Berühren spannungsführender Teile.

Achten Sie auf das GS-Zeichen

Stellen Sie nur Leitern bereit, die dem Stand der Technik entsprechen. Darauf können Sie sich in der Regel bei solchen Leitern verlassen, die das GS-Zeichen tragen – sie sind von einer unabhängigen Prüfstelle zertifiziert und können daher ohne Bedenken verwendet werden.

Unterweisung und wiederkehrende Prüfungen

Auch die sicherste Leiter bildet eine Gefahrenquelle, wenn sie falsch verwendet wird. Sorgen Sie darum dafür, dass alle Beschäftigten, die auf Leitern arbeiten, vor Aufnahme der Tätigkeit und anschließend mindestens einmal jährlich durch eine Unterweisung bezüglich der Gefährdungen und des richtigen Verhaltens im Umgang mit Leitern unterrichtet werden. Stellen Sie außerdem sicher, dass alle Leitern wiederkehrend durch eine vom Auftraggeber beauftragte Person auf ihren ordnungsgemäßen Zustand überprüft werden. Die Prüfung muss dokumentiert werden.

Mehr Unterstützung für Ihre nächste Unterweisung zur Verwendung von Leitern finden Sie auf Unterweisung Plus

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Tipps

  • Verwenden Sie für die Prüfung und die Dokumentation der Prüfung das Leitern-Kontrollblatt, das Sie im Abonnentenbereich unserer Webseite www.gesundheitsschutz-aktuell.de downloaden können.
  • Weitere Hinweise zum sicheren Umgang mit Leitern bietet die DGUV-Information 208-016 „Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten“.

Eine Arbeitsschutzbelehrung sowie Präventionsmaßnahmen gegen einen Leitersturz können das Risiko eines Unfalls erheblich senken!

Autor: Rafael de la Roza

 

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