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So vermeiden Sie Unfälle durch Lichtbögen

© Andreas Guhl – fotolia.com
Lichtbogen

Auch wenn ein Lichtbogen eher selten auftritt, hat er dann aber oft schwere Verletzungen zur Folge. Durch Sicherheitsregeln zum richtigen Verhalten bei Arbeiten unter Spannung sowie die richtige Schutzausrüstung können Sie diese speziellen Unfalltyp verhindern.

Mitte September wurde in Nußloch im Rhein-Neckar-Kreis ein 35-jähriger Beschäftigter durch einen Lichtbogen schwer verletzt. Der Mann hatte im Rahmen von Renovierungsarbeiten eines Supermarkts an einem Stromverteilerkasten gearbeitet. Dabei entstand ein Lichtbogen. Dieser traf den Mitarbeiter so schwer, dass er starke Verbrennungen erlitt und per Rettungshubschrauber in eine Unfallklinik geflogen werden musste.

So entsteht ein Lichtbogen

In diesem Fall ist – laut Polizeibericht – die Unfallursache bislang ungeklärt. Allerdings stellt sich die Frage, warum der Verteilerkasten bei der durchgeführten Tätigkeit unter Spannung stand. Denn wenn Mitarbeiter an oder in der Nähe von unter Spannung stehenden Teilen elektrischer Anlagen arbeiten, besteht stets eine Gefährdung durch Störlichtbögen. Grund kann ein Kurzschluss sein oder das Trennen von stromführenden Teilen, etwa beim Entfernen oder Einsetzen von Sicherungen unter Last.

Aus diesem Grund hätte der Verteilerkasten abgeschaltet sein müssen.

5 Sicherheitsregeln zur Lichtbogen-Vermeidung

Die DGUV Regel 103-011 „Arbeiten unter Spannung an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln“ liefert viele Informationen zur Einhaltung von Schutzmaßnahmen und sicheren Arbeitsverfahren. Grundsätzlich lassen sich 5 Sicherheitsregeln ableiten. Die erste Wahl sollte immer die Methode „Arbeiten im spannungsfreien Zustand sein.“

Werden diese konsequent eingehalten, so wird die elektrische Gefährdung für alle Beteiligten deutlich minimiert. Diese 5 Regeln bedeuten auch 5 Schritte, die in dieser Reihenfolge abgearbeitet werden müssen.

Die 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik für Arbeiten im spannungsfreien Zustand

  1. Anlage freischalten!
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern!
  3. Spannungsfreiheit feststellen!
  4. Erden und Kurzschließen!
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken!

Spannungsfreiheit ist Regel Nummer 1

Der Begriff „freischalten“ ist außerhalb der Elektrosicherheit weniger geläufig. Gemeint ist so viel wie „spannungsfrei schalten“. Das bedeutet, je nach elektrischer Anlage, z. B. einen Hauptschalter oder einen Trennschalter umzulegen, einen Leitungsschutz-Schalter abzuschalten, eine Schmelzsicherung zu entfernen usw. Als Nächstes muss zuverlässig verhindert werden, dass die Spannung wieder eingeschaltet wird. Dies kann durch eine Sperre erfolgen, die nur mit Spezialwerkzeug gelöst werden kann, oder durch abschließbare technische Vorrichtungen, die z. B. das Einsetzen einer Sicherung unmöglich machen.

Zusätzlich sollte das Verbot des Wiedereinschaltens durch ein Warnschild deutlich gemacht werden.

Kontrollieren Sie die Spannungsfreiheit

Auch wenn Schritte 1 und 2 sorgfältig durchgeführt wurden, muss in jedem Fall überprüft werden, ob tatsächlich Spannungsfreiheit vorliegt (Regel 3). Es könnten Restspannungen vorhanden sein oder Spannungen, weil jemand beim Freischalten versehentlich eine Leitung verwechselt hat. Für die Kontrolle eignen sich zwei Methoden:

  1. Das Kabel kann von der Ausschalt- bis zur Arbeitsstelle eindeutig verfolgt werden oder
  2. es wird eindeutig ermittelt durch z. B. Kabelpläne, Bezeichnungen, Kabelsuchgeräte, Kabelauslesegeräte.

Das Erden und Kurzschließen der Anlagenteile, an denen gearbeitet werden soll (Regel 4), erhöht den Schutz weiter. In der Nähe unter Spannung stehender Teile sollte nach Möglichkeit niemand arbeiten. Ist dies jedoch nicht vermeidbar, greift Regel 5 und alle aktiven Teile müssen gegen Berührungen (von Menschen, Werkzeugen sowie Arbeitsmaterialien) gesichert werden. Auch wenn diese Tätigkeiten von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden, sollten Sie als SiFa über diese Grundregeln der Elektrosicherheit Bescheid wissen.

Unterweisung zur Elektrosicherheit: Warum Sie elektrotechnische Laien nicht vergessen dürfen!

Wählen Sie die richtige PSA

Neben den Sicherheitsregeln der Elektrotechnik bietet Persönliche Schutzausrüstungen gegen die thermischen Auswirkungen eines Störlichtbogens, sogenannte PSAgS, weiteren Schutz.

Wie Sie durch Abschätzen der Lichtbogenenergie und der Parameter der Arbeitsumgebung die geeignete PSAgS finden, erklärt die DGUV-Information 203-077. Die DGUV bietet als Hilfestellung zur Anwendung dieses Verfahrens ein Arbeitsblatt im Excel-Format an.

Auch bei der Ersten Hilfe gilt Selbstschutz

Bei Elektrounfällen sind auch die Ersthelfer gefährdet. Zwar kommen Ersthelfer fast nie in die Situation, nach einem Elektrounfall im Hochspannungsbereich Hilfe leisten zu müssen. Trotzdem sollte jeder wissen, dass er dann nur 2 Dinge tun kann:

  1. Sich selbst auf keinen Fall der Unfallstelle nähern, also einen Sicherheitsabstand von mindestens 10 m (Empfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes) einhalten, weil ein Lichtbogen auch größere Strecken überbrücken kann.
  2. Danach sofort einen Notruf absetzen.

Alles Weitere ist Fachpersonal vorbehalten! Hilfe für das Unfallopfer ist leider erst möglich, wenn die Leitung vom Netzbetreiber abgeschaltet wurde.

Mehr zum Thema: So gelingt die Erste Hilfe in Ihrem Betrieb

Autor: Friedhelm Kring

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