Gesetzliche Pausenzeiten 2020 – Diese Pausenregelungen schreibt das Arbeitsschutzgesetz vor

Gesetzliche Pausenzeiten 2020 – Diese Pausenregelungen schreibt das Arbeitsschutzgesetz vor

Der Gesetzgeber schreibt in Deutschland bestimmte Pausen für Arbeitnehmer vor, die der Arbeitgeber gewähren und deren Einhaltung er kontrollieren soll. In diesem Beitrag finden Sie alle wichtigen Informationen rund um gesetzliche Pausenzeiten.

    Was wird unter der gesetzlichen Pausenzeit verstanden?

    Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) schreibt in Deutschland zwar Arbeitsunterbrechungen abhängig von der Arbeitszeit vor, doch gibt es keine genauen Vorgaben, was als gesetzliche Pausenzeiten gezählt wird. Unter „Gesetzliche Pausenzeiten“ liefert das Gesetz dementsprechend nur die Rahmenbedingungen. Wie die Pausen gestaltet werden, obliegt den Arbeitnehmern und -gebern.  

    Grundsätzlich sollen Arbeitspausen der Erholung sowie der Gesundheit von Arbeitnehmern dienen. Durch die Einhaltung der gesetzlichen Pausenzeiten soll außerdem die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer gesichert werden. Somit sind Pausenzeiten sowohl im Sinne der Arbeitnehmer als auch im Sinne der Arbeitgeber.

    Um verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, stellen viele Betriebe auf der Basis des ArbZG eigene Regelungen auf, welche zum Beispiel definieren, was als Pausenzeit gewertet wird und was nicht oder wo sich Arbeitnehmer während der Pause aufhalten dürfen.

    Entsprechende Regelungen zu Pausenzeiten können Bestandteil eines betrieblichen Gesundheitsmanagements sein.

    Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
    § 4 Ruhepausen

    Die Arbeit ist durch im voraus feststehende Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt zu unterbrechen. Die Ruhepausen nach Satz 1 können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.

    Die gesetzlichen Pausenzeiten sind in Paragraph 4 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) geregelt. Folgende 4 Erkenntnisse lassen sich aus diesem Paragraphen ablesen:

    1. Das Gesetz schreibt vor, dass Arbeitnehmer bei einer Arbeitszeit zwischen 6 und 9 Stunden eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten einlegen müssen. Bei mehr als 9 Stunden Arbeitszeit muss die Pausenzeit mindestens 45 Minuten betragen.
    2. Der Gesetzgeber erlaubt, die Pausenzeiten in 15-Minuten-Pausen zu stückeln.
    3. Grundsätzlich handelt es sich bei den gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten um Mindestvorgaben. Jeder Arbeitgeber kann seinen Angestellten über diese vorgeschriebene Zeitspanne hinaus Pausenzeiten einräumen und separate Pausenregelungen treffen. Dabei müssen weitere Regelungen wie die Vorgaben zur Ruhezeit berücksichtigt werden.
    4. Außerdem ist es wichtig, dass die Entlohnung für Pausenzeiten genau festgelegt wird, um mögliche Komplikationen bei der Abrechnung zu vermeiden.

    Ruhepause versus Ruhezeit versus Ruhetag: Ähnliche Begriffe, andere Bedeutung

    Unter Ruhezeit versteht das ArbZG, dass zwischen zwei aufeinanderfolgenden Arbeitstagen ausreichend Zeit vergehen muss, in welcher sich Arbeitnehmer erholen können. Das Gesetz schreibt hier mindestens 11 Stunden vor. Abweichend davon können Schichtdienste oder die Arbeit von Einsatzkräften geregelt werden.

    Unter Ruhetag versteht das Arbeitszeitgesetz einen Tag pro Woche, an welchem Arbeitnehmer nicht arbeiten. Klassischerweise ist das der Sonntag, der auch das Sonntagsarbeitsverbot begründet. Doch auch hier können Ausnahmen eingeräumt werden, zum Beispiel für Gastronomiebetriebe oder Krankenhäuser. Dennoch muss vom Arbeitgeber laut EU-Vorgaben spätestens nach 12 Tagen ein Ruhetag eingeräumt werden.

    Gesetzliche Pausenzeiten 2020

    ArbeitszeitArbeitnehmer U18 (Pausenzeit)Auszubildende (Pausenzeit)Arbeitnehmer Ü18 (Pausenzeit)
    4,5 bis 6 Stunden 30 Minuten30 Minuten keine vorgeschriebene Pausenreglung
    6 bis 9 Stunden 60 Minuten 60 Minuten30 Minuten
    9 bis 10 Stunden—————-————45 Minuten

    Gesetzliche Pausenzeiten bei Jugendlichen

    Jugendliche genießen im Arbeitszeitengesetz einen besonderen Schutz. Für sie gelten deshalb strengere Pausenregelungen. Eine Ruhepause muss dabei mindestens 15 Minuten dauern, damit sie überhaupt als Arbeitsunterbrechung gelten kann. Folgende Vorgaben sind zu beachten:

    Wenn Jugendliche in der Ausbildung sind und die Berufsschule besuchen, werden die viereinhalb Stunden in der Schule inklusive Pausen auf die Arbeitszeit angerechnet. Ist die Belastung für die jugendlichen offensichtlich größer, muss der Betrieb auch längere Pausen einräumen. Die gesetzliche Grundlage liefert das Jugendarbeitsschutzgesetz, Paragraph 9.

    Arbeitnehmer U18 – Pausenreglung

    • Minderjährige dürfen nicht zwischen 20:00 und 6:00 Uhr arbeiten, da diese Zeit als Nachtruhe gilt. Ausnahmen sind beispielsweise eine Ausbildung als Bäcker. Mit 16 Jahren dürfen sie ab 5:00 Uhr arbeiten. Mit 17 Jahren ab 4:00 Uhr.
    • Unter 18: Bei einer Beschäftigung von mehr als 4,5 Stunden muss eine Pause von mindestens 30 Minuten erfolgen. Die können am Stück oder auch aufgeteilt werden.
    • Ab einer Arbeitszeit von 6 Stunden ist eine Pause von einer Stunde nötig.

    Azubi – Gesetzliche Pausenreglung

    • Die Pause darf mindestens eine Stunde nach Arbeitsbeginn und spätestens eine Stunde vor Arbeitsende genommen werden.
    • Ohne Pause dürfen Jugendliche nicht mehr als 4,5 Stunden am Stück arbeiten.
    • Wenn Ihr Azubi volljährig ist und mehr als 6 Stunden am tag arbeitet, muss er eine Pause von 30 Minuten machen.
    • Ab einer Arbeitszeit von 9 Stunden ist eine Pause von 45 Minuten nötig.

    Arbeitnehmer Ü18 – Gesetzliche Pausenreglung

    • Beginnt ein Arbeitnehmer seine Arbeit morgens um 7.00 Uhr, muss er spätestens um 13.00 Uhr eine Pausenzeit von 30 Minuten nehmen.
    • Wer morgens um 9.00 Uhr mit seiner Arbeit beginnt und mehr als 9 Stunden arbeitet, muss mindestens 45 Minuten Ruhepause einplanen. Spätestens um 15.00 Uhr muss er eine 30-minütige Pause einlegen. Die 15 Minuten danach müssen innerhalb der Arbeitszeit genommen werden und dürfen nicht am Ende liegen.
    •  Wer morgens um 8.00 Uhr den Arbeitstag startet, kann seine 30-Minuten-Pause auch stückeln und zum Beispiel zwischen 11.45 und 12.00 Uhr sowie um 13.30 bis 13.45 Uhr eine Ruhepause einlegen.

    Pausenzeiten – LKW Fahrer

    • Spätestens nach 4,5 Stunden muss eine Pause von 45 eingelegt werden. Sie können ihre Pause auch teilen. Dann muss der erste Pausenblock mindestens 15 Minuten betragen und der zweite mindestens 30 Minuten.
    • Auch bei einer Einteilung der Pause, müssen insgesamt 45 Minuten Pause nach einer Lenkzeit von insgesamt 4,5 Stunden erfolgen.
    • Zulässig wäre demnach diese Einteilung:
    1. 2,5 Stunden Lenkzeit
    2. 20 Minuten Pause
    3. 2 Stunden Lenkzeit
    4. 25 Minuten Pause
    5. 4,5 Stunden Lenkzeit

    Gesetzliche Pausenzeiten bei Kurzarbeit

    • wenn die Arbeitszeit weniger als 6 Stunden beträgt: keine Pause
    • wenn die Arbeitszeit mehr als 6 Stunden beträgt: 30 Minuten Pause
    • wenn die Arbeitszeit mehr als 9 Stunden beträgt: 45 Minuten Pause

    Pausenreglung im Einzelhandel

    • Nach spätestens 6 Stunden muss eine Ruhepause eingelegt werden, welche mindestens 30 Minuten beträgt
    • Bei einer Arbeitszeit von über 9 Stunden muss der Arbeitnehmer eine Pause von insgesamt 45 Minuten nehmen
    • Der Arbeitgeber entscheidet im Voraus, ob die Pause am Stück genommen wird oder der Arbeitnehmer mehrere Pausen nehmen muss

    Gesetzliche Pausenreglung TVÖD

    • Die Ruhepausen werden im Voraus festgelegt
    • Bei einer Arbeitszeit von 6 bis 9 Stunden, ist eine Pausenzeit von mindestens 30 Minuten notwendig
    • Bei einer Arbeitszeit von mehr als 9 Stunden, muss eine Pause von mindestens 45 Minuten genommen werden.
    • Arbeitnehmer dürfen nicht länger als 6 Stunden hintereinander ohne Ruhepause beschäftigt werden.

    Bereitschaftsdienst und gesetzliche Pausenzeiten

    Grundsätzlich gilt Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit, solange der Arbeitnehmer sich dabei an einem vom Arbeitgeber vorgegebenen Ort aufhalten muss. Dementsprechend haben Arbeitnehmer auch dann ein Recht auf Arbeitspausen. Anders verhält es sich bei Rufbereitschaft, während derer sich der Arbeitnehmer an einem selbst gewählten Ort aufhalten kann, zum Beispiel zuhause. Demnach gilt Rufbereitschaft nicht als Arbeitszeit, sondern wird erst dann zur Arbeitszeit, wenn es einen Einsatz gibt und die Rufbereitschaft damit unterbrochen wird.Wenn in einem Beruf sehr viele Bereitschafts- und Rufbereitschaftsdienste geleistet werden, können Tarifverträge oder Vereinbarungen mit dem Betriebsrat andere Regelungen beschließen, die von den Vorgaben im Arbeitszeitgesetz abweichen.

    Kontrolle der gesetzlichen Pausenzeiten

    Betriebe müssen die Einhaltung der gesetzlichen Pausenzeiten selbst kontrollieren. Dementsprechend sollten sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu anhalten und es ihnen ermöglichen, ausreichend Ruhepausen im Sinne einer Arbeitsunterbrechung zu machen.

    Damit müssen Unternehmen bei Nichteinhaltung der gesetzlichen Pausenzeiten rechnen

    Wenn Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten nicht einhalten, begehen sie eine Ordnungswidrigkeit. Diese kann mit einem Bußgeld belegt werden. In besonders gravierenden Fällen kann die Missachtung des Arbeitszeitengesetzes auch strafrechtlich verfolgt werden. 

    Pausenzeiten und Vergütung – darauf kommt es an

    Da Pausenzeiten nicht zur Arbeitszeit gezählt werden, besteht für Pausenzeiten auch kein Anspruch auf Vergütung. Dennoch bleibt es Arbeitgebern freigestellt, zusätzlich zur Arbeitszeit auch die Pausenzeiten der Angestellten zu vergüten.

    Arbeitgeber können die Pausenzeiten von der Arbeitszeit ihrer Angestellten abziehen. Allerdings müssen sie dann nachweisen, dass die abgezogenen Pausenzeiten auch tatsächlich gewährt werden.

    Um Streitfälle zu vermeiden, sollten Arbeitgeber mögliche Vergütungsleistungen vertraglich festlegen und auch die Pausenzeiten genau definieren.

    Gesetzliche Pausenregelung im Home-Office –auch hier gilt das Arbeitszeitschutzgesetz

    Auch im Home-Office müssen die gesetzlichen Pausenzeiten eingehalten werden. Arbeitet ein Arbeitnehmer mehr als sechs Stunden zuhause, muss er eine Pause von mindestens 30 Minuten einlegen. Bei mehr als neun Stunden Arbeit in den eigenen vier Wänden, ist eine 45-Minuten-Pause Pflicht.

    Auch die Ruhezeit muss im Homeoffice eingehalten werden. Nach Feierabend müssen mindestens elf Stunden vergehen, bis der Arbeitnehmer wieder arbeiten darf. Nimmt der Arbeitnehmer eine kürzere Ruhezeit in Anspruch, muss die Ruhezeit an einem anderen Arbeitstag innerhalb von vier Wochen länger als 12 Stunden sein.

    Haben Arbeitnehmer ein Recht auf Bildschirmpausen?

    Das Arbeiten am Computer belastet die Augen. Gemäß geltender Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Abschnitt 6, Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen, haben Arbeitnehmer das Recht, ihre Arbeit am Bildschirm kurz zu unterbrechen. Bei diesen Pausen handelt es sich um bezahlte Arbeitsunterbrechungen auf welche ein Recht besteht. Der Arbeitgeber muss laut Verordnung dafür sorgen, dass Arbeitnehmer am Bildschirm regelmäßige Pausen einlegen. In der ArbStättV, Abschnitt 6, Satz 2, heißt es: „Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass die Tätigkeiten der Beschäftigten an Bildschirmgeräten insbesondere durch andere Tätigkeiten oder regelmäßige Erholungszeiten unterbrochen werden.“ (Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/anhang.html) Diese Regelung hat die vorher gültige Bildschirmarbeitsverordnung aufgehoben.

    FAQ gesetzliche Pausenzeiten

    Müssen gesetzliche Pausenzeiten vom Arbeinehmer eingehalten werden?

    Arbeitnehmer sind verpflichtet, Ruhepausen einzulegen. Sie können deshalb nicht auf Ruhepausen verzichten, um dann früher zu gehen.

    Gibt es auch im Bereitschaftsdienst Arbeitspausen?

    Rufbereitschaft gilt nicht als Arbeitszeit, sondern wird erst dann zur Arbeitszeit, wenn es einen Einsatz gibt und die Rufbereitschaft damit unterbrochen wird.

    Gibt es einen Anspruch auf Gebetspausen?

    Feste Gebetspausen sind im Arbeitszeitgesetz nicht vorgesehen. Unternehmen können jedoch eigene Regelungen dazu in Verträgen oder Betriebsvereinbarungen aufstellen.

    Muss ein Arbeitgeber Arbeitspausen gewähren?

    Arbeitgeber sind nach Paragraph 4 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) dazu verpflichtet, ihren Arbeitnehmern Ruhepausen zu gestatten.

    Haben Angestellte Anspruch auf eine Raucherpause laut?

    Gesetzliche Pausenzeiten enthalten keine Raucherpausen. Dementsprechend gibt es für die Raucherpause auch keine gesetzliche Grundlage.

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