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So wird das Prüfintervall für elektrische Betriebsmittel festgelegt

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Prüfintervall

Alle elektrischen Geräte, die in einem Unternehmen eingesetzt werden, müssen regelmäßig geprüft werden, damit man sicher mit ihnen arbeiten kann. Wann, wie oft, von wem und in welchem Umfang geprüft werden muss, müssen Sie bzw. Ihr Arbeitgeber prinzipiell individuell im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung als Prüfintervall festlegen.

Das Prüfintervall wird für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel festgelegt. Darunter werden Geräte und Maschinen wie etwa handgeführte Elektrowerkzeuge, Bürogeräte, Laborgeräte, Küchengeräte, Kabeltrommeln oder Verlängerungskabel verstanden, die

  • während des Betriebs bewegt werden können,
  • leicht von einem Platz an einen anderen gebracht werden können, während sie an den Versorgungsstromkreis angeschlossen sind,
  • während des Betriebs üblicherweise in der Hand gehalten werden, verstanden.

Beispiele für ortsveränderliche und ortsfeste elektrische Betriebsmittel

Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel sind:

  • Drucker und Faxgeräte
  • PC-Arbeitsplätze
  • Scanner
  • Wasserkocher
  • Kaffeemaschine

Neben den ortsveränderlichen Betriebsmitteln gibt es die ortsfesten elektrischen Betriebsmittel in einem Unternehmen. Diese Betriebsmittel werden fest angebracht und bleiben an einem Ort. Zudem haben diese Betriebsmittel keine Tragevorrichtung. Aufgrund ihres Gewichts können sie nicht oder nur sehr schwer fortbewegt werden.

Ortsfeste elektrische Betriebsmittel sind:

  • Beleuchtungsanlagen
  • Herd
  • Kühlschränke
  • Wasserspender
  • Klimaanlage

Prüfintervall festlegen: Die Gefährdungsbeurteilung entscheidet

Fakt ist: Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung für ortsfeste und ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel vorzunehmen. Im Rahmen der Fürsorgepflicht, müssen Unternehmen dafür sorgen, dass elektrische Gefährdungen der Mitarbeiter weitgehend ausgeschlossen oder zumindest begrenzt werden. Die Gefährdungsbeurteilung schafft die Voraussetzung dafür, dass technische Mängel, Organisationsmängel und/oder Fehlveralten vermieden wird.

Die gesetzliche Grundlage der Gefährdungsbeurteilung von elektrischen Betriebsmitteln ist die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Die grundlegenden Schutzmaßnahmen bei der Verwendung von Arbeitsmitteln stehen in § 6 BetrSichV. Darin heißt es unter anderem in Abs. 2:

„Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass vorhandene Schutzeinrichtungen und zur Verfügung gestellte persönliche Schutzausrüstungen verwendet werden, dass erforderliche Schutz- oder Sicherheitseinrichtungen funktionsfähig sind und nicht auf einfache Weise manipuliert oder umgangen werden. […]“

Darüber hinaus müssen Arbeitgeber dafür sorgen, dass die Mitarbeiter Kennzeichnungen und mögliche Gefahrenhinweise bei der Verwendung der Arbeitsmittel beachten.

Die nationalen Rechtsvorschriften sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung elektrischer Betriebsmittel für Arbeitgeber bindend. Unternehmen sollten darauf achten, dass die einzelnen Vorschriften und Verordnungen nicht unterschritten werden.

Arbeitgeber können die Gefährdungsbeurteilung mit Hilfe einer Tabelle vornehmen. Diese kann in fünf Spalten untergliedert sein. In der äußeren linken Spalte sind die jeweiligen Ist-Zustände der elektrischen Betriebsmittel aufgeführt. In den vier restlichen Spalten sind die möglichen Antworten aufgeführt. Im Tabellenkopf können folgende Antworten angekreuzt werden:

  • Ja
  • Ich weiß nicht
  • Nein
  • Zusätzliche Bemerkungen

Hinweis: Bei der Gefährdungsbeurteilung darf immer nur eine Antwort angegeben werden. Bei einem Ja ist die Gefährdung durch die Betriebsmittel akzeptabel. Wenn ein Nein angekreuzt wird, ist die Gefährdung nicht akzeptabel. Bei der Antwort „Ich weiß nicht“ muss eine Elektrofachkraft hinzugezogen werden.

Akzeptable versus inakzeptable Zustände

Vor dem Hintergrund der Gefährdungsbeurteilung müssen Unternehmen zwischen akzeptablen und inakzeptablen Zuständen unterscheiden. Beispiele für akzeptable Zustände sind:

  • Leicht zugängliche Lichtschalter und Steckdosen
  • Isolierte und funktionstüchtige Kabel
  • Schutzklemmen sind in Ordnung

Beispiele für nicht akzeptable Zustände sind folgende:

  • Kisten, Kartons, Paletten, die im Notfall den Zugang zum Schalter blockieren.
  • Kabel sind in falschen Steckern und/oder nicht isoliert.
  • Schutzklemmen für die Erdung sind nicht vorhanden.

Neben der Prävention der Gesundheit der Beschäftigten hat die Gefährdungsbeurteilung elektrischer Betriebsmittel ein weiteres Ziel. Der akzeptable Zustand muss erhalten bleiben oder wieder hergestellt werden. Aus diesem Grund sollten die Betriebsmittel ausschließlich Fachkräfte bedienen. Unternehmen müssen außerdem dafür Sorge tragen, dass die Betriebsmittel laut Anweisung der Herstellerangaben instand gehalten werden.

Sämtliche Stromkabel im Unternehmen müssen beispielsweise vor Hitze, Öl oder scharfen Kanten geschützt werden. Unternehmen, die explosionsgefährdete Arbeitsbereiche haben, müssen dementsprechend Betriebsmittel benutzen, die explosionsgeschützt sind. So wird der akzeptable Ist-Zustand in Bezug auf Gefährdungen ebenfalls aufrechterhalten.

Gefährdungsbeurteilung von ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln

Bei einer Gefährdungsbeurteilung von ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln muss der Arbeitgeber die Art, den Umfang sowie die Fristen für die erforderlichen Prüfungen ermitteln.

Zur Orientierung dienen die Beispiele aus Abschnitt 3.5.2 der Technischen Regel für Betriebssicherheit „Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen“ (TRBS 1201) sowie die Empfehlungen zur Durchführungsanweisung zu § 5 der Unfallverhütungsvorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (BGV/GUV-V A3)

Hinweis: Die Prüffristen für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel sind Richtwerte und gelten für normale Betriebs- und Umgebungsbedingungen.

Sollten die ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel einer starken Beanspruchung ausgesetzt sein, müssen Unternehmen bei der Gefährdungsbeurteilung kürzere Prüfintervalle festlegen. Beispiele hierfür sind:

  • Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel, die Feuchtigkeit ausgesetzt sind, wie in Schwimmbädern oder in Wasserwerken.
  • Elektrische Betriebsmittel, die auf Baustellen eingesetzt werden.

Weitere Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung

Die Prüfung von elektrischen Anlagen, ortsfesten und ortsveränderlichen Betriebsmitteln dürfen nur bestimmte Personen durchführen. Es sind Personen, die über eine elektrotechnische Ausbildung oder eine gleichwertige Qualifikation verfügen. Darüber hinaus           sind diese Personen dem Unternehmen nicht weisungsgebunden. Die Prüfperson übernimmt jedoch die Fachverantwortung über die Prüfung.

Außerdem müssen die Prüfer mindestens über ein Jahr Erfahrung in Bezug auf die Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung von elektrischen Betriebsmitteln oder Anlagen verfügen und dies nachweisen.

Das Unternehmen muss letztendlich auch dafür Sorge tragen, dass die Prüfperson die jeweiligen Elektrotechnikkenntnisse aktualisiert. Dies kann in Form von Schulungen und Weiterbildungsveranstaltungen geschehen.  

Der Arbeitgeber muss dafür Sorge tragen, dass alle Unterlagen zur Anlage oder zum ortsveränderlichen und ortsfesten Betriebsmittel vollständig und aktuell sind. Mit der Prüfperson oder mit den Verantwortlichen des Betreibers muss er sich abstimmen. Zusätzlich muss er einem Beschäftigten im Betrieb die Organisationsverantwortung übertragen.

Während der Prüfung müssen Unternehmen für einen ausreichenden Berührungsschutz sorgen und im Vorfeld einen Prüfablauf festlegen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat in einer Broschüre alle weiteren Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung detailliert aufgelistet. (https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/787 )

Checkliste für die Gefährdungsbeurteilung

Um die Gefährdungsbeurteilung für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel durchzuführen, können Betriebe auf eine Checkliste zurückgreifen. Die DGUV stellt diese auf ihrer Webseite kostenfrei zur Verfügung. Diese Checkliste ist eine Mustervorlage zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel.

Unternehmen können die in der Mustervorlage aufgeführten Punkte der Reihe nach durchgehen. Unter anderem werden in dem Musterbogen folgende Fragen gestellt:

  • Wurde die Kennzeichnung der elektrischen Betriebsräume, Verteilerstromkreise, Kabel und Leiter ordnungsgemäß ausgeführt?
  • Ist der Basisschutz (Schutz gegen direktes Berühren) aktiver Teile elektrischer Betriebsmittel gewährleistet?
  • Ist der sichere Zugang zur Bedienung, Wartung und Inspektion der Anlage möglich?
  • Sind die Dokumentationen und die Schaltungsunterlagen vorhanden, aktuell und vollständig?

Ablauf einer Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung in einem Unternehmen wird in insgesamt acht Schritten durchgeführt.

  1. Gefährdungsbeurteilung vorbereiten
  2. Gefährdungen im Betrieb ermitteln
  3. Beurteilung der Gefährdungen
  4. Festlegen von konkreten Arbeitsschutzmaßnahmen
  5. Entsprechende Maßnahmen durchführen
  6. Maßnahmen auf Wirksamkeit überprüfen
  7. Fortschreiben der Gefährdungsbeurteilung
  8. Dokumentation

Mängel an elektrischen Betriebsmitteln rechtzeitig erkennen

Arbeitgeber bzw. Sie als EFK sollten die Prüffristen so bemessen, dass Sie Mängel, die während der Benutzung entstehen, rechtzeitig erkennen können. Insofern können Sie relativ frei entscheiden, dass Arbeitsmittel, die selten benutzt werden, in längeren Intervallen geprüft werden, während umgekehrt viel genutzte Maschinen oder Geräte, die auf Baustellen verwendet werden, in kurzen Abständen untersucht werden.

Prinzipiell gilt: Der sichere Zustand des Arbeitsmittels muss

  • vor der ersten Inbetriebnahme
  • nach Änderungen oder Instandsetzungen sowie
  • in regelmäßigen Abständen

von einer zur Prüfung befähigten Person kontrolliert und festgestellt werden.

Hilfe bei der Festlegung von Prüffristen geben die Bedienungsanleitungen der Hersteller, die DGUV-Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ in § 5 sowie die rechtlich maßgebliche Technische Regel zur Betriebssicherheitsverordnung (TRBS) 1201 „Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen“.

Allerdings sind alle diese Angaben nur Orientierungswerte, die Sie als Elektrofachkraft unter Berücksichtigung der Einsatzbedingungen, der Erfahrungswerte und der gesetzlichen Rahmenbedingungen auch abweichend einschätzen können.

Dieses Prüfintervall empfiehlt die TRBS 1201

In der Technischen Regel für Betriebssicherheit 1201 „Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen“ werden sogar Prüfungsintervalle angegeben. Solange Sie diese Richtwerte beachten, sind Sie auf der sicheren Seite. Dabei werden je nach Arbeitsort und Gefährdungspotenzial (gemessen an der Fehlerquote) auch kleinere Prüfungsintervalle nötig.

BetriebsmittelPrüfintervall
  • Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel
  • Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit Steckvorrichtungen
  • Richtwert: 6 Monate, auf Baustellen 3 Monate.
  • Wird bei den Prüfungen eine Fehlerquote < 2 % erreicht, kann die Prüffrist verlängert werden:
  • in Betriebsstätten, die nicht Büros sind: 1-mal pro Jahr
  • in Büros: alle 2 Jahre

WICHTIG: Bei der Berechnung der Fehlerquote ist darauf zu achten, dass nur Arbeitsmittel aus gleichen bzw. vergleichbaren Bereichen herangezogen werden, z. B. nur Werkstatt, nur Fertigung, nur Bürobereich.

  • Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel auf Baustellen
  • Anschlussleitungen mit Stecker
  • Bewegliche Leitungen mit Stecker und Festanschluss
  • Richtwert: 3 Monate
  • wird bei den Prüfungen eine Fehlerquote < 2 % erreicht, kann die Prüffrist auf mindestens 1-mal pro Jahr verlängert werden.

So geben Sie das Prüfintervall und Fristen richtig an

Sowohl in Ihrem Prüfverzeichnis als auch im Arbeitsmittelkataster und in der Dokumentation müssen Sie Prüftermine und das Prüfintervall schriftlich festhalten. Die Betriebssicherheitsverordnung gibt vor, dass der Termin einer Wiederholungsprüfung jeweils mit dem Monat und dem Jahr angegeben wird.

Was ist ein Arbeitsmittelkataster?

Als Arbeitsmittelkataster wird die Dokumentation der regelmäßigen Prüfungen der Arbeitsmittel bezeichnet. Darüber hinaus dient das Arbeitsmittelkataster zur Einhaltung von Prüfpflichten bei Arbeitsmitteln und Anlagen.

Von der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) heißt es nicht Arbeitsmittelkataster, sondern Prüfkataster. Auf der Webseite der BG ETEM werden für Arbeitgeber wichtige Fragen beantwortet.

Vorlage Arbeitsmittelkataster

Unter anderem stellt die BG ETEM Unternehmen eine Vorlage zum Arbeitsmittelkataster zur Verfügung. Bei der BG ETEM heißt es Muster Prüfkataster. In einer Tabelle werden die einzelnen Prüfungen der Arbeitsmittel gemäß der BetrSichV dokumentiert.

Die Tabelle steht Unternehmen kostenfrei als PDF-Dokument auf der Webseite der BG ETEM zur Verfügung.

Die Frist für die nächste wiederkehrende http://DokumentationPrüfung beginnt dann am Tag der letzten erfolgten Prüfung. Prüfen Sie bereits vor dem Fälligkeitstermin, beginnt die Frist für die nächste Prüfung mit dem Monat und dem Jahr der tatsächlich erfolgten Prüfung. Achten Sie darauf, dass alle Ihre Eintragungen diesem Muster entsprechen!

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Autor: Sabine Kurz

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