Schalltrauma: Was Betroffene wissen müssen

Schalltrauma: Was Betroffene wissen müssen

Wenn Personen permanent einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt sind, haben sie ein erhöhtes Risiko, ein Schalltrauma zu erleiden. Davon gibt es mehrere Formen. Welche das sind und was Betroffene darüber wissen müssen.

In zahlreichen Industriezweigen sind die Beschäftigten einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt. Die dauerhafte Einwirkung von Lärm innerhalb von kurzer Zeit schädigt das Gehör. Mitarbeiter im Straßenbau oder in Stahlwerken leiden aufgrund der hohen Lärmbelastung oft an Lärmschwerhörigkeit. Das gilt auch für Beschäftigte, die am Fließband arbeiten.

    Lärmschwerhörigkeit ist eine anerkannte und häufige Berufskrankheit und wird auch chronisches oder akustisches Schalltrauma genannt. Charakteristisch für dieses Trauma ist die Schädigung des Innenohrs durch eine langanhaltende Einwirkung von Lärm von mehr als 85 Dezibel (dB).

    Schalltrauma vermeiden

    Das Ziel des Lärmschutz ist es, Lösungen zu finden, wie Schalltraumata vermieden werden können. Die Vermeidung von Schalltraumas ist wiederum ein Teil von Lärmbekämpfung. Lärmbekämpfung in Unternehmen hat viele Formen. Unter anderem gehört die Bereitstellung von Gehörschutz dazu. Darüber hinaus kann der Einbau von Lärmschutzfenstern ein Teil der Lärmbekämpfung sein.

    Unternehmen deren Beschäftigte Industrielärm oder Schienenverkehrslärm ausgesetzt sind, muss die Lärmbekämpfung und die Reduzierung der Lärmbelastung an erster Stelle stehen. Hier gibt es primäre und sekundäre Lärmschutzmaßnahmen, die sie anwenden können. Lärmschutz als Teil des Arbeitsschutzes sollte in kontinuierlichen Abständen auf Herz und Nieren geprüft und bei Bedarf angepasst werden.

    Definition von Schalltrauma und Formen

    Ein Schalltrauma ist eine Schädigung des Hörorgans, das durch starke Schallreize ausgelöst wird. Bis zu einem gewissen Maß kann sich das Ohr dem Schalldruck anpassen. Wenn diese Grenze jedoch überschritten wird, kommt es zu einer Schallempfindungsschwerhörigkeit. In manchen Fällen kommt es auch zu einer Schallleitungsstörung. Insgesamt gibt es vier Formen des Schalltraumas.

    Knalltrauma

    Das Knalltrauma ist eine Form des Schalltraumas. Von Medizinern wird es auch als akustisches Trauma bezeichnet. Auslöser für Knalltraumas sind beispielsweise Schüsse oder Knallkörper. Durch die kurze Schalldruckwelle von weniger als drei Millisekunden und einem Schalldruckpegel ab etwa 140 dB kann es zu Schädigungen des Innenohrs kommen. Vor allem das Corti-Organ kann bei einem Knalltrauma Schaden nehmen.

    Die Schallempfindungsschwerhörigkeit ist eine Folge des Knalltraumas. In der Regel klingt die Schwerhörigkeit bei den meisten Betroffenen nach wenigen Stunden wieder ab. Bei einem Knalltrauma bleiben das Mittelohr und das Trommelfell unverletzt. Sollte die Schwerhörigkeit noch 24 Stunden nach dem Unfall bleiben, müssen Betroffene unbedingt einen HNO-Arzt aufsuchen.

    Betroffene klagen bei einem Knalltrauma über Hörverlust auf dem betroffenen Ohr. Bei den meisten fühle es sich an, als sei das Ohr verstopft. Weitere Symptome eines Knalltraumas sind zum Beispiel Tinnitus. Hierbei handelt es sich um Ohrgeräusche. Darüber hinaus sind Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit) , Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen typische Symptome. In den meisten Fällen betrifft das Knalltrauma nur ein Ohr – es ist also einseitig.

    Die Symptome verschlimmern sich beim Knalltrauma in der Regel nicht. Mediziner sprechen in diesem Fall davon, dass keine Progredienz der Symptome zu erwarten ist. Unter dem Begriff Progredienz versteht man die Verschlimmerung der Krankheit.  

    Für die Diagnose erstellen die meisten HNO-Ärzte eine Hörkurve. Anhand dieses Audiogramms wird eine Schallempfindungsschwerhörigkeit festgestellt. Der Test, auch SISI-Test genannt (Short Increment Sensitivity Index), wird wegen der zusätzlichen Hörbelastungen für die Patienten meistens eine Woche nach dem knalltraumatischen Ereignis durchgeführt. Es ist ein Hörtest, bei dem das Ohr mit hohen und tiefen Frequenzen getestet wird.

    Die Therapie eines Knalltraumas erfolgt folgendermaßen: in der Regel bekommen die Betroffenen eine hämorheologische Infusionstherapie. Darüber hinaus kann der HNO-Mediziner Kortison verschreiben. Wenn beide Therapien nicht anschlagen, bleibt die Möglichkeit der hyperbaren Sauerstofftherapie. Betroffene sollten sich jedoch so schnell wie möglich in Therapie begeben, um Folgeschäden zu vermeiden.

    Explosionstrauma

    Beim Explosionstrauma, einer weiteren Form des Schalltraumas, dauert die Schalleinwirkung länger als zwei Sekunden an. Durch den Schalldruck der Explosionen kommt es dementsprechend auch zu größeren Schäden. Neben den Haarsinneszellen ist bei einem Explosionstrauma auch das Trommelfell betroffen. Außerdem kann es in manchen Fällen zu einer Ausrenkung der Gehörknöllchenkette kommen. Neben der Schallempfindungsschwerhörigkeit entsteht manchmal auch eine Schallleitungsstörung.

    Typische Symptome von Betroffenen sind ein Hörverlust auf beiden Seiten sowie stechende Ohrenschmerzen. Bei manchen Betroffenen kann es zu einem blutigen Ausfluss sowie zu Schwindelgefühlen kommen. Beim Explosionstrauma ist außerdem die Gefahr eines Tinnitus sehr groß. Die Ohrgeräusche sind häufig eine Langzeitfolge von Explosionstraumata.

    Bei auftretenden Symptomen wie starken Ohrenschmerzen, Schwindelanfällen oder sogar blutigem Ausfluss sollte der Betroffene sofort zum Arzt. In diesem Fall könnte ein Explosionstrauma vorliegen. Urheber: highwaystarz | Adobe Stock

    Betroffene sollten schnell einen Arzt aufsuchen. Dieser wird in der Regel mit Hilfe von Medikamenten versuchen, das Gehör wiederherzustellen. Manchmal verhilft eine medikamentöse Therapie zur Heilung. Wenn die Schäden im Innen- und Mittelohr allerdings zu groß sind, bleibt bei den meisten Betroffenen meistens eine Schwerhörigkeit zurück. Ist dies der Fall, werden den Patienten Hörgeräte verschrieben und dafür an einen Hörakustiker verwiesen. Dieser passt das Hörgerät individuell an. Das Risiko einer Progredienz ist bei einem Explosionstrauma höher als bei einem Knalltrauma.  

    Akutes Lärmtrauma

    Eine weitere Form des Schalltraumas ist das akute Lärmtrauma. Hier erfolgt eine zeitlich kurze Einwirkung von Lärm mit einem Pegel von mehr als 120 dB oder von 90 bis 120 dB. Gleichzeitig erfolgt beim akuten Lärmtrauma eine Durchblutungsstörung des Innenohres. Diese Form des Schalltraumas tritt allerdings selten auf.

    Im Gegensatz zum Knalltrauma und Explosionstrauma kann das akute Lärmtrauma Minuten bis zu mehreren Stunden anhalten. Bei Betroffenen ist eine akute Schallempfindungsstörung zu beobachten. Ein weiterer Unterschied zu den vorherigen Traumata ist außerdem, dass akute Lärmtraumata beidseitig auftreten. Zudem klagen Patienten oft über einen Tinnitus nach den Ereignissen.

    Akute Lärmtraumata erfolgen häufig nach dem Besuch von sehr lauten Konzerten oder Diskotheken. Außerdem können die Traumata durch niedrig fliegende Feuerwerkskörper oder Flugzeuge ausgelöst werden. Durch den sogenannten Schallstress kommt es zu Stoffwechselstörungen im Innenohr.

    Durch diese Störungen können wiederum die Sinneszellen in der Gehörschnecke in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Die Schnecke ist ein Organ im Innenohr. In vielen Fällen ist die Funktionsstörung aber rückbildungsfähig. Wenn das Lärmtrauma allerdings häufiger aufritt, werden die Sinneszellen in der Schnecke dauerhaft geschädigt.

    Neben dem auftretenden Tinnitus kommt es bei vielen Betroffenen nach einem Lärmtrauma zu einer Hörminderung. Im Zuge dessen kommt es zu Verständnisproblemen mit anderen Personen. Darüber hinaus klagen Patienten häufig über Ohrenschmerzen sowie über ein „Wattegefühl“ in den Ohren.

    In der Regel erholen sich die Betroffenen nach einem akuten Lärmtrauma binnen 24 Stunden. Bei vielen Personen verschwindet auch der Tinnitus in diesem Zeitraum wieder. Sollte jedoch keine Verbesserung auftreten, müssen Betroffene einen HNO-Arzt aufsuchen.

    Die Therapie bei einem akuten Lärmtrauma ähnelt der von Knalltraumas. Sobald der Arzt die Diagnose gestellt hat, erfolgt eine Infusion mit Kortison. Bei den meisten Personen führt die Infusionstherapie innerhalb kurzer Zeit zu einer Verbesserung. Sollte die diese Therapie nicht anschlagen, wird auch hier auf die hyperbare Sauerstofftherapie zurückgegriffen. Hierbei handelt es sich um die erhöhte Aufnahme von Sauerstoff in einer Druckkammer.

    Hyperbare Sauerstofftherapie Bei dieser Therapie handelt es sich um eine Therapiemethode, die dann angewandt wird, wenn sich zu wenig Sauerstoff im Zellgewebe befindet. Neben akuten Hörstörungen wird die Methode auch bei chronischen Wunden oder auch nach der Krebstherapie angewandt. In der Fachliteratur wird die Sauerstofftherapie mit HBO abgekürzt (hyperbare Oxygenation). Bei der HBO atmet der Patient 100 Prozent Sauerstoff ein. Zudem wird er in der Druckkammer einem Überdruck ausgesetzt. Der medizinisch-therapeutisch genutzte Druckbereich liegt in den Kammern bei 1,5 bis 3,0 bar. Wenn sich Patienten in der Druckkammer befinden, wird die ausreichende Sauerstoffzufuhr ins Zellgewebe gewährleistet. Gleichzeitig wird mit der Sauerstoffzufuhr die Zellteilung sowie die Blutgefäßneubildung ermöglicht.

    Chronisches Lärmtrauma

    Beim chronischen Lärmtrauma handelt es sich um Lärmschwerhörigkeit, die häufig bei Beschäftigten in großen Industriezweigen auftritt. Die Krankheit ist eine in Deutschland anerkannte Berufskrankheit. Bei einer dauerhaften Lärmbelastung von mehr als 85 dB tritt die Erkrankung auf.

    Bei der Lärmschwerhörigkeit oder dem chronischen Lärmtraumata ermüden die Haarzellen im Cortischen Organ des Ohres. Bei jeder Schallwelle (Druckveränderung) werden die Haarzellen gebogen. Je höher die Schallintensität (Lautstärke) ist, desto schwerer haben es die Haarzellen, sich wieder aufzurichten. Die Energieversorgung der Zellen ist aufgrund der hohen Lärmbelastung nicht mehr ausreichend gegeben.

    Betroffene von chronischen Lärmtraumata denken meistens, dass sie sich an den Lärm gewöhnt haben. Zunächst werden die leisen Töne nicht mehr wahrgenommen. Nach einer längeren Zeit werden bei gleichbleibender Lärmbelastung weitere Haarzellen zerstört und die Schwerhörigkeit nimmt zu. Zu Beginn einer Lärmschwerhörigkeit berichten Betroffene häufig noch von Ohrensausen und einem Ziehen. Diese Symptome stellen sich nach kurzer Zeit ein und die Personen sind in dem Glauben, dass sich das Gehör an den Lärm gewöhnt hat. Das Risiko einer Progredienz ist bei einem chronischen Lärmtrauma gegeben.

    Für die Diagnose erstellen HNO-Ärzte häufig ein Tonschwellendiagramm auf beiden Ohren. Im Rahmen dieses Diagramms werden Lautheitsunterschiede bei den Patienten vorgenommen.

    Eine Therapie gibt es bei chronischen Lärmtraumata nicht. Die Haarzellen, die durch den Lärm zerstört sind, bilden sich nicht mehr neu und regenerieren sich auch nicht mehr. Aus diesem Grund kann eine Lärmschwerhörigkeit nicht geheilt werden. Hörgeräte helfen bei chronischen Lärmtraumata nur selten.

    Fazit: Richtig handeln bei Schalltraumata

    Die vier Formen des Schalltraumas zeigen, wie empfindlich das Gehör und die Stoffwechselvorgänge darin sind. Bereits tägliche Lärmbelastungen von mehr als 85 Dezibel können das Hörvermögen dauerhaft schädigen.

    Mittlerweile ist die Medizin so weit entwickelt, dass sich viele Traumata nach den Ereignissen gut behandeln lassen. Die Therapie-Ansätze hängen jedoch von der Form des Schalltraumas ab. Bei einem Knalltrauma wendet der Arzt eine Infusionstherapie oder eine Behandlung mit Kortison an. Die Zufuhr von Sauerstoff wird als Therapie beim Knalltrauma weniger angewandt.

    Anders ist der Fall beim akuten Lärmtrauma. Hier kommt die hyperbare Sauerstofftherapie bei Betroffenen häufig zum Einsatz. Die Zufuhr von Sauerstoff hat in der Vergangenheit positive Wirkung gezeigt. Vor allem Soldaten, die an einem akuten Lärmtrauma leiden, wurden mit der Sauerstoff-Therapie erfolgreich behandelt.

    Mitarbeiter an Fließbänden oder in großen und lauten Produktionshallen ist in der Regel der Gehörschutz bei der Arbeit verpflichtend. Sie haben ein hohes Risiko, an einem chronischen Lärmtrauma zu erkranken. Dieses Trauma wird auch als Lärmschwerhörigkeit bezeichnet.

    Das Tückische an der Erkrankung ist ihr schleichender Prozess. Die Symptome der Lärmschwerhörigkeit verschlimmern sich im Laufe der Zeit. Hörgeräte versprechen wenig Hoffnung auf Heilung. Mit einem individuell angepassten Gehörschutz können Arbeitgeber dieser Berufserkrankung vorbeugen.

    Autor: Redaktion SafetyXperts