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Explosive Stoffe: Alle wichtigen Infos über die Gefahrgutklasse 1

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Explosive Stoffe

Explosive Stoffe haben überwiegend mit Sprengstoff zu tun. Bei diesen Stoffen knallt es und sie zu transportieren kann gefährlich werden. Doch zu der Gefahrgutklasse 1 gibt es weit mehr zu sagen.

    Egal ob Schwarzpulver, Feuerwerkskörper oder chemische Stoffgemische. Sie haben die Gemeinsamkeit, dass sie während eines Gefahrguttransports explodieren können. Aus diesem Grund zählt man sie zu den Explosivstoffen.

    Explosive Stoffe zählen zu der Gefahrgutklasse 1, die nochmals in mehrere Unterklassen eingeteilt wird. Darüber hinaus werden die Stoffe nochmals in Verträglichkeitsgruppen unterteilt. Der folgende Text behandelt eine konkrete Definition von explosiven Stoffen, erläutert detailliert die einzelnen Unterklassen und gibt Beispiele dafür, welche Stoffe als besonders explosiv bei einem Gefahrguttransport gelten. Außerdem enthalten die nachfolgenden Ausführungen Tipps im Umgang mit explosiven Stoffen und Empfehlungen, was bei einem Transport mit diesen Stoffen zu beachten ist.

    Definition von explosiven Stoffen

    Fakt ist: In vielen Wirtschaftsbranchen sind die Stoffe ein wichtiges Werkzeug. Beispiele hierfür sind der Bergbau, das Baugewerbe (im Speziellen der Abbruch) sowie bei Pyrotechnikern. Feuerwerke basieren auf Schwarzpulver und tragen zur Unterhaltung der Bevölkerung bei. Sicher ist jedoch auch, dass der unsachgemäße Umgang mit explosiven Stoffen Leben gefährden kann. Zudem besteht die Gefahr, dass es zu ernsthaften und schweren Verletzungen kommen kann, wenn die Handhabung der Stoffe nicht durch Fachkräfte erfolgt.

    Feste und flüssige Stoffe und Stoffgemische

    Bei explosiven Stoffen handelt es sich sowohl um feste als auch um flüssige Stoffe sowie um Stoffgemische. Bei ausreichender Aktivierung durchlaufen diese eine zum Teil heftige chemische Reaktion, bei der sich Energie (Wärme) und Gase entwickeln.

    Im Detail bestehen Explosivstoffe aus chemischen Verbindungen, die neben anderen Elementen Sauerstoff enthalten. Das sorgt dafür, dass die brennbaren Komponenten des Gemischs innerhalb von wenigen Sekunden oxidieren. In diesem Zusammenhang fällt der Begriff Detonation.  In diesem Fall liegt die Reaktionsgeschwindigkeit über der innerstofflichen Schallgeschwindigkeit. Im Umkehrschluss gibt es die sogenannte Deflagration. Bei diesem Vorgang liegt die Reaktionsgeschwindigkeit unter der innerstofflichen Schallgeschwindigkeit. Bei explosiven Stoffen spielt zudem die Oxidationsgeschwindigkeit eine große Rolle. Sie ist einer der Faktoren, die die Energie und die Gase für die Explosion freisetzen. Der Sauerstoff ist bei explosiven Stoffen in der Regel an Stickstoff in Nitro- und Nitratgruppen oder auch an Chlor in Chloraten gebunden.

    (*Mit Material von Wikipedia.de)

    Beispiele für feste und flüssige Stoffe bei explosiven Stoffen sind Dynamit und Munition.

    Explosivstoffe lassen sich weiterhin in pyrotechnische Sätze unterteilen. Hierbei handelt es sich um Stoffe und Stoffgemische, mit denen eine Wirkung in Form von Licht und Wärme erzielt werden kann. Nebel oder Rauch oder eine Kombination von beiden ist bei den pyrotechnischen Sätzen ebenso möglich. Die bekanntesten Beispiele für pyrotechnische Sätze sind Feuerwerkskörper oder Rauchbomben.

    Zur Gefahrgutklasse 1 zählen ebenso Gegenstände, die einen oder mehrere explosive Stoffe oder pyrotechnische Sätze enthalten.

    Detonationsgeschwindigkeit bei Explosivstoffen

    Bei explosiven Stoffen muss die Detonationsgeschwindigkeit erwähnt werden. Diese wird auch als Abbrandgeschwindigkeit bezeichnet und ist die Geschwindigkeit, mit welcher die Explosion in einem Explosivstoff fortschreitet. Die Detonationsgeschwindigkeit kann von wenigen m/s (Deflagration) bis hin zu 10.000 m/s (Detonation) reichen. Die Detonationsgeschwindigkeit bei explosiven Stoffen ist ein Parameter zur Charakterisierung der Stoffe.

    Ein weiterer Parameter ist die sogenannte Sauerstoffbilanz. Sie gibt an, ob zu viel oder zu wenig Sauerstoff zur vollständigen Oxidation zur Verfügung steht.

    Die Einteilung in Unterklassen

    Wie bereits erwähnt, zählen explosive Stoffe zur Gefahrgutklasse 1. In manchen Fällen werden die Gefahrgutklassen auch als ADR-Klassen bezeichnet. Die Klasse ist in weitere sechs Unterklassen unterteilt. Diese definieren die Stoffe näher. Die Unterklassen sind wiederum nochmals durch Buchstaben voneinander getrennt.

    Nachfolgend werden die Unterklassen der Explosivstoffe genannt:

    • 1.1: Diese Unterklasse beschreibt massenexplosionsfähige Stoffe und Gegenstände.
    • 1.2: In dieser Unterklasse sind alle Gegenstände und Stoffe zusammengefasst, die die Gefahr der Bildung von Splittern, Spreng- und Wurfstücken aufweisen. Alles, was zu dieser Unterklasse zählt, ist nicht massenexplosionsfähig.
    • 1.3: Unter diese Unterklasse fallen Stoffe und Gegenstände, die eine Feuergefahr aufweisen. Von ihnen geht eine geringe Gefahr durch Luftdruck und Splitter aus. Zudem sind sie nicht massenexplosionsfähig.
    • 1.4: Mit dieser Unterklasse werden Stoffe und Gegenstände beschrieben, von denen keine bedeutsame Gefahr ausgeht. Sie weisen nur eine geringe Explosionsgefahr auf. Darüber hinaus bleiben die Auswirkungen einer möglichen Explosion auf das Versandstück beschränkt.
    • 1.5: Diese Unterklasse beschreibt sehr unempfindliche massenexplosionsfähige Stoffe.
    • 1.6: Dies sind sehr unempfindliche und nicht massenexplosionsfähige Stoffe.

    Beispiele für Unterklassen

    Zum besseren Verständnis folgen Beispiele für die einzelnen Unterklassen.

    • 1: Treibladungspulver, Schwarzpulver, Sprengstoffe Typ A, B, C, D
    • 2: Waffenpatronen, Bomben mit Sprengladung, Feuerwerkskörper
    • 3: Blitzlichtpulver, Leuchtkörper
    • 4: Feuerwerkskörper, Kartuschen
    • 5: Sprengstoff Typ B, E

    Explosive Stoffe, die nicht transportiert werden dürfen

    Die Regularien für den Gefahrguttransport sind vielschichtig. Die ADR-Vorschriften beschreiben ganz konkret, welche Stoffe der Gefahrgutklasse 1 transportiert werden dürfen und welche nicht.

    Explosivstoffe, die eine extrem hohe Empfindlichkeit aufweisen oder bei denen spontane Reaktionen auftreten können, dürfen gemäß des ADR nicht transportiert werden. Das Gleiche gilt für explosive Stoffe oder Gegenstände mit Explosivstoff, die einer Unterklasse nicht eindeutig zugeordnet werden können. Auch diese dürfen nicht transportiert werden.

    Darüber hinaus sind Gegenstände der Verträglichkeitsgruppe K nicht für einen Gefahrguttransport zugelassen. Dies betrifft vor allem die Unterklasse 1.2 und 1.3 insbesondere die Gegenstände mit den UN-Nummern 1.2 K UN-Nummer 0020 und 1.3 K UN-Nummer 0021.

    Einteilung in Verträglichkeitsgruppen

    Wie schon erwähnt, wird die Gefahrgutklasse 1 nicht nur in Unterklassen, sondern auch in Verträglichkeitsgruppen eingeteilt. Diese sind A bis S. Den Verträglichkeitsgruppen werden die jeweiligen Unterklassen zugeordnet. Eine nachfolgende Tabelle verdeutlicht dies nochmals.

    Verträglichkeitsgruppe Unterklasse Gegenstände oder Stoffe
    A 1.1 Zündstoff
    B 1.1, 1.2, 1.4 Beschreibt Gegenstände mit Zündstoff und weniger als zwei wirksamen Sicherungsvorrichtungen. Gegenstände, wie beispielsweise Sprengkapseln sind hier gemeint. Auch Zündeinrichtungen für Sprengungen fallen hierunter.
    C 1.1, 1.2, 1.3, 1.4, 1.5 Treibstoff oder anderer deflagrierender Stoff
    D 1.1, 1.2, 1.4, 1.5 Explosiver Stoff, der detoniert oder Schwarzpulver. Gegenstad mit detonierendem explosiven Stoff
    E 1.1, 1.2, 1.4 Gegenstand mit detonierendem Stoff ohne Zündmittel mit treibender Ladung.
    F 1.1, 1.2, 1.3, 1.4 Gegenstand mit explosivem, detonierendem Stoff mit eigenem Zündmitttel
    G 1.1, 1.2, 1.3, 1.4 Pyrotechnischer Stoff beziehungsweise Gegenstand mit pyrotechnischem Stoff.
    H 1.2, 1.3 Gegenstand mit sowohl explosivem Stoff als auch weißem Phosphor
    J 1.1, 1.2, 1.3 Gegenstand mit explosivem Stoff sowie entzündbarer Flüssigkeit. Gegenstand kann auch entzündbares Gel enthalten
    K 1.2, 1.3 Gegenstand: Enthält explosiven Stoff und chemischen Wirkstoff
    L 1.1, 1.2, 1.3 Explosiver Stoff oder Gegenstand mit explosivem Stoff. Stellt ein besonderes Risiko dar. Darf beispielsweise nicht mit Wasser in Berührung kommen und muss einzeln getrennt von anderen Stoffen transportiert werden.
    N 1.6 Gegenstände mit überwiegend extrem unempfindlichen Stoffen
    S 1.4 Hierunter fallen Stoffe oder Gegenstände, die so verpackt sind, dass eine nichtbeabsichtigte Reaktion auf das Versandstück beschränk bleibt. Ausnahme ist, dass das Versandstück im Vorfeld, beispielsweise durch einen Brand, beschädigt wurde. In diesem Fall muss die Luftdruck- und Splitterwirkung auf ein Minimum beschränkt bleiben.

     

    Explosive Stoffe haben bei ihrer chemischen Reaktion eine heftige Wirkung, die erheblichen Schaden anrichten kann. Dazu gehört unter anderem Feuer. Hier besteht die Gefahr, dass es sich sehr schnell ausbreitet. Durch die Detonation wird die Ausbreitung verstärkt.

    Verpackungen für explosive Stoffe

    Unternehmen, die explosive Stoffe transportieren, müssen sich an bestimmte Vorschriften halten, mit welchen Verpackungen beziehungsweise Versandstücken die Stoffe und Gegenstände befördert werden müssen.

    Gemäß ADR-Anlage A Punkt 1 müssen alle explosiven Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff in versandfertigem Zustand in Verpackungen befördert und geschützt werden. Diese sollen ihr Entweichen verhindern. Darüber hinaus soll unter normalen Beförderungsbedingungen keine Erhöhung der Gefahr einer unbeabsichtigten Entzündung oder Zündung eintreten. Darin eingeschlossen sind vorhersehbare Temperatur-, Feuchtigkeits- oder Druckänderungen.

    Die Anlage A der ADR-Vorschriften setzt zudem voraus, dass das vollständige Versandstück unter normalen Beförderungsbedingungen sicher gehandhabt werden kann. Außerdem schreiben die Regelungen den Unternehmen vor, dass die Versandstücke jeder Belastung durch vorhersehbare Stapelung, die während der Beförderung erfolgen kann, standhalten muss. Die Gefahren, die von den explosiven Stoffen oder den Gegenständen mit Explosivstoff ausgehen, dürfen während des Transports keinesfalls erhöht werden. Die Tauglichkeit der Verpackungen darf durch die Stoffe und Gegenstände nicht beeinträchtigt werden.

    Weiterhin interessant für Sender von explosiven Stoffen und Gegenständen mit Explosivstoff: Für die ADR- beziehungsweise Gefahrgutklasse 1 müssen Verpackungen oder Großpackmittel (IBC) der Verpackungsgruppe II verwendet werden. Diese sind mit dem Buchstaben Y gekennzeichnet.

    Sollen flüssige explosive Stoffe verschickt werden, muss die Verschlusseinrichtung der Verpackungen einen doppelten Schutz gegen Leckagen bieten. Werden Stoffe oder Gegenstände in Fässern aus Metall transportiert, muss die Verschlusseinrichtung eine dafür geeignete Dichtung enthalten. Der Absender hat zudem dafür zu sorgen, dass bei Verschlusseinrichtungen mit Gewinde das Eindringen von explosiven Stoffen in das Gewinde verhindert wird.

    Gesetzliche Regelungen

    Der Umgang, Transport sowie die Einfuhr von Explosivstoffen ist in Deutschland im Sprengstoffgesetz (SprengG) geregelt. Sie gilt zugleich als wichtigste Rechtsquelle im deutschen Sprengstoffrecht. In dem Gesetz sind die rechtlichen Bestimmungen geregelt, an die sich nicht nur Unternehmen, sondern alle Bundesbürger halten müssen.

    Bei einem Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz droht ein erhöhtes Bußgeld sowie ein Bußgeldbescheid. Bei einem Verstoß gegen das Zündverbot, das im Sprengstoffgesetz verankert ist, droht ein Bußgeld in Höhe von 50.000 Euro. Als Verstoß gegen das Zündverbot gilt der Zeitraum 2. Januar bis 30. Dezember eines jeden Jahres.

    Außerdem ist es strafbar, ohne vorherige Erlaubnis mit explosionsgefährlichen Stoffen zu handeln. Auch das Verwenden oder das Überlassen von nichtberechtigten Personen steht unter Strafe und ist ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. In einem solchen Fall droht eine Freiheits- oder Geldstrafe.

    Die Sprengstoffverordnung teilt die Gefährlichkeit von pyrotechnischen Gegenständen in verschiedene Klassen ein. Im Folgenden werden diese genannt.

    Klasse 1: Hier wird ein Kleinstfeuerwerk bezeichnet, das ganzjährig verkauft wird. Darunter fallen beispielsweise Wunderkerzen oder Tischfeuerwerke.

    Klasse 2: Diese Klasse umfasst die Kleinfeuerwerke, wie beispielsweise Raketen, Böller und ähnliches.

    Klasse 3: Dies ist ein Mittelfeuerwerk. Das bekannteste Beispiel hierfür sind Raketen.

    Klasse 4: Diese Klasse umfasst die Großfeuerwerke, wie beispielsweise Kugelbomben und spezielle Raketen für große Höhenfeuerwerke

    Klasse T: Zu dieser Klasse zählt der Gesetzgeber Feuerwerkskörper ab 18 Jahren sowie Feuerwerkskörper, die ausschließlich für Pyrotechniker bestimmt sind.  

    Autor: Redaktion SafetyXperts

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