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Elektrosicherheit: Was es zu beachten gibt

© Dmitry Kalinovsky – Shutterstock
Elektrosicherheit

In nahezu jedem Unternehmen müssen die Beschäftigten während ihres beruflichen Alltags mit elektrischen Geräten hantieren. Aus diesem Grund legt der Gesetzgeber im Rahmen der Arbeitssicherheit großen Wert auf die sogenannte Elektrosicherheit. Was Sie darunter zu verstehen haben und was es alles zu beachten gibt, können Sie hier lesen.

Elektrosicherheit – Definition

Bei der Elektrosicherheit geht es um alle Aspekte bezüglich der Sicherheit der jeweiligen Geräte und Maschinen sowie um ein adäquates, verantwortungsbewusstes Handeln derer, die an ihrem Arbeitsplatz beziehungsweise während ihrer Arbeitszeit mit elektrischen Geräten in Kontakt kommen und sie verwenden. Ob in einem Unternehmen eine ausreichend hohe Elektrosicherheit gewährleistet ist oder nicht, zeigt sich vor allem bei der Durchführung einer sogenannten Gefährdungsbeurteilung 0515.

In Rahmen dieser wird der gesamte Betrieb und damit auch auch der Bereich der elektrischen Maschinen und Geräte (die zu den Arbeitsmitteln zählen) überprüft und bewertet. Die Überwachung der Einhaltung geltender Regeln und Vorschriften bezüglich der Elektrosicherheit ist prinzipiell eine Aufgabe der Führungsebene im Unternehmen:

  • Unternehmensleitung
  • Elektrofachkraft
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Abteilungsleitung

Für die Herstellung der Elektrosicherheit im Unternehmen ist eine ausgebildete und kompetente Elektrofachkraft notwendig. Sie hat das erforderliche Fachwissen und ist als einzige Person berechtigt, elektrische Anlagen und Geräte aufzustellen und in Betrieb zu setzen. Auch die Reparatur, Instandhaltung, Veränderung sowie die Außerbetriebnahme solcher Anlagen und Geräte liegt in der Hand der Elektrofachkraft. Außerdem ist sie für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung, zumindest im Bereich der Elektrosicherheit, verantwortlich.

Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass nur sie über das für eine korrekte Beurteilung notwendige Wissen verfügt. Arbeitsrechtlich ist es in der Tat so, dass eine Elektrofachkraft im Bereich der Elektrosicherheit als Vorgesetzter gilt, der mit Führungs- und Fachverantwortung ausgestattet ist. Er ist im Rahmen seines Tätigkeitsbereiches zu Anordnungen gegenüber Kollegen berechtigt, die diese ausführen müssen. An diesen Verantwortungs-Schnittstellen ergeben sich sehr oft Probleme.

Darüber hinaus sind natürlich die Beschäftigten selbst aufgefordert, den Anweisungen der Elektrofachkraft zu folgen und mit elektrischen Gerätschaften entsprechend umzugehen. Das dafür notwendige Fachwissen erhalten sie in der Regel im Rahmen einer regelmäßigen Unterweisung sowie durch die Betriebsanweisung für elektrische Arbeitsmittel. Beide haben sie während ihrer Arbeit mit elektrischen Arbeitsmitteln zu berücksichtigen.

Rechtsgrundlagen für die Elektrosicherheit in Unternehmen

Dem Staat obliegt es, die Einhaltung des Arbeitsschutzes in den Unternehmen zu garantieren. Dieser Verpflichtung kommt er durch die Inkraftsetzung unterschiedlicher Gesetze und Verordnungen nach. Die grundlegenden Gesetzestexte, die die Vermeidung von jedweder Gefahr am Arbeitsplatz beinhalten, sind das Arbeitsschutzgesetz (§ 12) sowie die Deutsche gesetzliche Unfallversicherung Vorschrift 1 (DGUV V1, § 4). In beiden findet sich die Verpflichtung der Arbeitgeber zu entsprechenden Maßnahmen in Form von jährlichen Unterweisungen.

Eine Rechtsgrundlage für die Elektrosicherheit findet sich in der DGUV V 3 (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung Vorschrift 3), in der die regelmäßige Überprüfung elektrischer Geräte in Unternehmen als Verpflichtung des Arbeitgebers festgelegt wird. Eine solche Überprüfung hat gemäß DGUV V3 alle vier Jahre stattzufinden.

Auch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) kann als rechtliche Grundlage angeführt werden. Es verpflichtet ja die Arbeitgeber, alle Maßnahmen zu ergreifen, die zum Schutz der Beschäftigten notwendig sind. Diese Vorgabe bezieht sich selbstverständlich auch auf die Elektrosicherheit. Der Arbeitgeber beziehungsweise Unternehmer muss nicht jede Maßnahme eigenhändig umsetzen, hat aber die Pflicht, die Organisation entsprechender Schritte insgesamt zu überwachen.

Die sogenannten VDE-Normen sind ebenfalls eine wichtige Grundlage bezüglich der Arbeitssicherheit beim Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln. VDE ist die Abkürzung für den 1893 in Berlin gegründeten „Verband deutscher Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik“. Die von diesem Verband erarbeiteten VDE-Normen bilden die Basis für die Unfallverhütungsvorschriften, die von den Berufsgenossenschaften veröffentlicht wurden.

Die Betriebsanweisung ist keine rechtliche Grundlage im eigentlichen Sinne, erfüllt aber eine wichtige Aufgabe. Sie dient den Beschäftigten dazu, sich in der Praxis vor Unfällen aufgrund eines unsachgemäßen Umgangs mit elektrischen Betriebsmitteln zu schützen. In ihr sind alle potenziellen Gefährdungen aufgelistet und sie gibt zudem Hinweise zu notwendigen Sicherheitsmaßnahmen.

Zielsetzung der Gesetzgebung zur Elektrosicherheit

Oberstes Ziel aller Rechtsvorschriften, Verordnungen und Anweisungen im Bereich der Elektrosicherheit ist es, elektrische Unfälle zu verhindern. Es darf nicht aufgrund der Einwirkung von Lichtbogen beziehungsweise eines Stromdurchflusses durch den Körper zu Verletzungen kommen. Dieses Bestreben nach möglichst umfassender Unfallverhütung muss als wichtigstes Gebot für sämtliche Arbeiten mit elektrischen Geräten oder an elektrisch betriebenen Anlagen gelten.

Was sind elektrische Betriebsmittel?

Die DGUV Vorschrift 3 definiert elektrische Betriebsmittel als Gegenstände, die der Verwendung elektrischer Energie dienen, entweder in ihrer Gesamtheit beziehungsweise mithilfe einzelner Bestandteile. Dazu werden Gegenstände gerechnet, die zur Erzeugung, Verteilung, Weiterleitung, Messung, Umsetzung, Speicherung oder zum Verbrauch verwendet werden können.

Als elektrische Betriebsmittel sind außerdem Geräte aus der Informations- und Fernmeldetechnik eingestuft. Sie werden zur Übertragung, Verteilung oder Verarbeitung aller möglichen Informationen genutzt. Es wird zudem unterschieden zwischen sogenannten ortsfesten und ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln. Darüber hinaus gibt es stationäre sowie nichtstationäre Anlagen.

Elektrische Betriebsmittel können sein:

  • Schleifmaschinen
  • Akkus für elektrische Schrauber
  • Antriebsmotoren auf elektrischer Basis
  • Oszilloskope
  • Multimeter
  • Durchgangsprüfer

Solche elektrischen Betriebsmittel finden sich meist im Bereich der Produktionsstätten eines Unternehmens. Es gibt allerdings noch andere Elektrogeräte, die bei einer Gefährdungsbeurteilung ebenfalls mit berücksichtigt werden sollten.

Solche Geräte können beispielsweise sein:

  • Laserdrucker, Computer, Papierschredder (in der Verwaltung)
  • Elektroherd, Kühlschrank (im Pausenraum)
  • Kaffeevollautomat, Snack-Automat (in der Kantine oder Umkleide)
  • USB-Kabel, Laptop, Scanner (für den Laptop im Home-Office)

Auch diese elektrischen Geräte stehen im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Beschäftigten und fallen damit in die Kategorie der elektrischen Betriebsmittel.

Elektrosicherheit und ihre Bedeutung im Schadensfall?

Die Funktionsfähigkeit elektrischer Betriebsmittel und der korrekte Umgang mit ihnen hat auch versicherungstechnische Relevanz. So wird beispielsweise eine vom Unternehmen abgeschlossene Brandschutzversicherung nicht für Schäden haften, die durch Elektrogeräte verursacht wurden, welche nicht regelmäßig geprüft wurden. Ein solcher Haftungsausschluss wird auch von den meisten Berufsgenossenschaften ins Auge gefasst, wenn ein Beschäftigter aufgrund eines ungeprüften Betriebsmittels dauerhaft geschädigt wird oder sogar stirbt.

Die Letztverantwortung liegt stets beim Unternehmer. Er kann diese Verantwortung aber in schriftlicher Form an eine dafür eingestellte Elektrofachkraft delegieren. Dies hat zur Folge, dass die Fachkraft ebenfalls haftbar gemacht werden kann, wenn es zu einem Unfall kommt, der aufgrund von unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen verursacht wurde. Für die Erarbeitung solcher Sicherheitsmaßnahmen ist nämlich die Elektrofachkraft verantwortlich.

Daher liegt es im Interesse des Unternehmens, die von der DGUV V3 vorgeschriebene, vierjährige Überprüfung sämtlicher elektrischer Betriebsmittel durchzuführen. Auf diese Weise minimiert das Unternehmen das Risiko, Schäden nicht erstattet zu bekommen, die durch defekte Elektrogeräte entstehen.

Was beinhaltet die Prüfung elektrischer Betriebsmittel?

Auf Basis der DGUV Vorschrift 3 überprüfen die Unternehmen ihre elektrischen Betriebsmittel meist auf verschiedene Dinge hin.

So werden sie kontrolliert bezüglich:

  • Ihrer Funktions- und Gebrauchsfähigkeit
  • Eines sicherheitstechnisch ordnungsgemäßen Zustands
  • Eines vorhandenen Schutzes gegen elektrisch verursachte Brände
  • Ihres Schutzes vor elektrischen Schlägen
  • Vorhandener Sicherheitsvorkehrungen gegen Blitzschlag und Überspannung
  • Ihrer Möglichkeiten zur Energieeinsparung

Die Durchführung einer solchen Sicherheitsüberprüfung sowie die Beseitigung eventueller Mängel ist Voraussetzung dafür, dass die Elektrosicherheit für Menschen, Tiere und Sachwerte bis zur nächsten Überprüfung gewährleistet ist. Mithilfe einer Dokumentation der vorgenommenen Prüfung hat der Arbeitgeber einen Nachweis über die Erfüllung seiner diesbezüglichen Pflichten in der Hand.

Sonderfall: Kooperation mit fremden Firmen bezüglich Elektrosicherheit

Wer als Unternehmer einen Großteil der Verantwortung für die Elektrosicherheit an eine externe Firma abgeben möchte, kann dies natürlich tun. Eine solche Delegation sollte immer schriftlich erfolgen. Als Unternehmer sind Sie nur auf der sicheren Seite, wenn in solchen Vereinbarungen möglichst alle einzelnen Tätigkeiten aufgezählt sind.

Tatsächlich kann es hier ratsam sein, wenn Formulierungen wie „unter anderem“ oder „insbesondere“ verwendet werden. Sie besagen nämlich, dass nicht nur die einzeln aufgelisteten Tätigkeiten zum vereinbarten Arbeitsspektrum gehören, sondern eventuell noch andere, ähnliche Aufgaben. Bei Rechtsstreitigkeiten vor Gericht haben solche Formulierungen großes Gewicht.

Umgekehrt sollte das externe Unternehmen bei solchen Vereinbarungen darauf achten, dass die zu verantwortenden Tätigkeiten detailliert aufgelistet werden und eben keine aufweichenden Formulierungen vorkommen.

Kontrollinstanzen für die Elektrosicherheit

Die Kontrolle bezüglich der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zum Thema Elektrosicherheit obliegt den staatlichen Arbeitsschutzbehörden auf Bundes- und Landesebene. Meist sind sie in Bezirke untergliedert und für die in ihrem Verantwortungsgebiet liegenden Unternehmen zuständig. Sie haben bezüglich des Arbeitsschutzes folgende Befugnisse:

  • Betreten eines Betriebes
  • Besichtigung von Arbeitsstätten
  • Durchführung von Prüfungsverfahren
  • Entnehmen von Proben
  • Gutachten zu beantragen
  • Einsicht in Unterlagen
  • Einhaltung von Auskünften
  • Erlass von Anordnungen
  • Durchführung von Verwaltungsakten und Zwangsmaßnahmen

Eine weitere Kontrollinstanz sind die Berufsgenossenschaften mit ihren technischen Aufsichtsdiensten. Sie sind berechtigt zur Überwachung der Einhaltung von Vorschriften bezüglich der Unfallverhütung sowie anderer Arbeitsschutzmaßnahmen, auch die Elektrosicherheit betreffend. Eher beratende Funktion hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA).

Elektrosicherheit – ein Fazit

Wer in seinem Unternehmen Bereiche hat, in denen Beschäftigte mit elektrischen Betriebsmitteln umgehen müssen, der ist als Arbeitgeber verpflichtet, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Elektrosicherheit im Betrieb zu gewährleisten und seine Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Dazu kann der Arbeitgeber eine Elektrofachkraft einstellen und den Bereich der elektrischen Betriebsmittel und alles, was damit zusammenhängt, an sie delegieren.

Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit ist als Ergänzung zwar sehr sinnvoll, würde aber alleine die gesetzlichen Vorschriften nicht erfüllen. Nur die Elektrofachkraft verfügt über das Wissen und die Fähigkeiten, elektrische Betriebsmittel umfassend, also von der Aufstellung bis zur Außerbetriebnahme zu betreuen.

Trotz Delegation verbleibt die letzte Verantwortung für diesen Bereich der Arbeitssicherheit beim Unternehmer. Er hat durch regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen und Betriebsanweisungen sicherzustellen, dass die Beschäftigten alle Informationen zum Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln bekommen. So können sie geschult werden, sich gemäß ihrem Wissen zu verhalten.

Autor: Redaktion Safety Xperts

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