• 0228 / 95 50 160

Kennen Sie alle Pflichten zur Arbeitsschutzbelehrung?

© contrastwerkstatt – fotolia.com f
Arbeitsschutzbelehrung

Laut §12 des Arbeitsschutzgesetzes ist ein Arbeitgeber dazu verpflichtet alle Angestellten innerhalb der Arbeitszeit im Bereich der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes umfassend und angemessen zu unterweisen. Wie eine Arbeitsschutzbelehrung nach §12 letztendlich auszufallen hat, hängt vom Aufgabengebiet des Arbeitnehmers ab.

Die Arbeitsschutzbelehrung oder auch Unterweisung genannt, hat das Ziel, Mitarbeiter über die Gefahren ihres Arbeitsplatzes aufzuklären, richtige Prozesse und Verhaltensweisen zu lehren und so Unfällen vorzubeugen.

Diese Themen sollten Sie unterweisen

Die Themen der Unterweisung hängen von den Gefahrenquellen des Betriebes ab. Deshalb bildet die Gefährdungsbeurteilung die Grundlage für die Arbeitsschutzbelehrung. Auch ein Sicherheitsdatenblatt und die Betriebsanweisung geben wichtige Hinweise zu Risiken und Schutzmaßnahmen der zu unterweisenden Tätigkeit.

Die Arbeitsschutzbelehrung muss mindestens folgende Inhalte haben:

  • Gesundheitsrisiken und andere Gefährdungen auf Basis der Gefährdungsbeurteilung
  • Schutzmaßnahmen für die beschriebenen Gefährdungen
  • Richtiges Verhalten z. B. schützende Prozesse wie das Tragen von PSA
  • Verhalten im Notfall z. B. wie Erste Hilfe geleistet werden muss
  • Inhalte aus Vorschriften und Regeln

Häufige Themen sind:

  • Brandschutzunterweisung: Verhalten im Brandfall, Evakuierungsübung
  • Hygieneunterweisung und Infektionsschutzbelehrung
  • Unterweisung zur PSA
  • Unterweisung zur Bildschirmarbeit und Ergonomie

Die Liste der potenziellen Gefährdungen ist lang und ebenso die der Unterweisungen. Deshalb sollten Sie Ihre Unterweisungen auch immer abwechslungsreich gestalten, um die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter nicht zu verlieren.

Wie oft hat die Arbeitsschutzbelehrung zu erfolgen?

Sobald ein Arbeitnehmer neu eingestellt wurde, hat eine Arbeitsschutzbelehrung zu erfolgen, bevor er seine neue Tätigkeit beginnt. Diese Unterweisung müssen Sie wiederholen, sollte sich das Aufgabengebiet maßgeblich ändern oder sollten neue Technologien bzw. Arbeitsmittel in der Firma eingeführt werden. Kam es zu einem Betriebsunfall, sollten Sie das Unfallgeschehen ebenfalls genau beleuchten und als Grund für eine neue Arbeitsschutzbelehrung nehmen. Denn laut Arbeitsschutzgesetz ist der Unternehmer dazu angehalten, die Arbeitsschutzbelehrung an die Gefährdungsentwicklung innerhalb der Firma anzupassen.

Wann die Unterweisungen stattzufinden haben, hängt letztendlich immer vom Einzelfall, den betrieblichen Anforderungen und der Gefährdungsentwicklung ab. Die Unfallverhütungsvorschriften sehen aber wiederum vor, dass die Arbeitsschutzbelehrung mindestens alle sechs bis zwölf Monate wiederholt werden muss.

Wer darf eine Unterweisung durchführen?

Der Arbeitgeber kann grundsätzlich frei darüber entscheiden, wer die Unterweisungen der Arbeitnehmer in seinem Betrieb durchführt. Allerdings trägt er die Verantwortung für die Sicherheit seiner Mitarbeiter und somit sollte er nur befähigte und vertrauenswürdige Personen mit der Aufgabe betrauen. Zudem muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass die beauftragte Person sich an die Vorgaben hält, Inhalte korrekt darstellt und den Unterweisungsnachweis nicht vergisst. Folgende Arbeitnehmer werden üblicherweise mit der Durchführung der Arbeitsschutzbelehrung beauftragt:

  • Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Sicherheitsbeauftragte
  • Schichtdienstleister
  • Maschinenleiter
  • Abteilungsleiter
  • Meister
  • Teamleiter

Unterweisungsnachweis nicht vergessen!

Jede Arbeitsschutzbelehrung ist auf schriftlichem Weg festzuhalten und muss von dem Unterwiesenen per Unterschrift bestätigt werden. Der schriftliche Nachweis ist bis zur nächsten sicherheitstechnischen Unterweisung aufzubewahren. Doch sind dabei die gesetzlichen Sonderregelungen zu beachten, die eine Aufbewahrungsfrist der Arbeitsschutzbelehrung von zwei Jahren verlangt.

Erfahren Sie in unserem Beitrag, was Sie genau beim Unterweisungsnachweis beachten müssen!

Arbeitsschutzbelehrung fürs Büro

Zwar assoziiert man die Arbeitsschutzbelehrung häufig mit dem sicheren Gebrauch von Arbeitsmitteln und Maschinen, doch auch Arbeitnehmer mit einem Büroarbeitsplatz sind nach §12 entsprechend zu unterweisen. Die Arbeitsschutzbelehrung soll nicht nur dazu beitragen, den jeweiligen Arbeitnehmer zu schützen, sondern dient auch zur Erhaltung der Gesundheit der Mitarbeiter im Büro. Gleichzeitig trägt die Arbeitsschutzbelehrung fürs Büro dazu bei, die Arbeitsergebnisse auf konstantem Niveau zu halten. Wie bei allen anderen Arbeitsplätzen ist der Arbeitgeber auch bei Bürostellen zu einer Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Dabei wird auch die psychische Belastung ermittelt!

Mögliche Gesundheitsrisiken im Büro:

  • zu schwache oder blendende Beleuchtung
  • Mobbing
  • Lärmbelästigung
  • monotone Arbeiten
  • defekte, elektronische Arbeitsmittel
  • schlechtes Raumklima

Daraus ergeben sich 6 Themen für die Arbeitsschutzbelehrung

  1. Wie man richtig am Arbeitsplatz sitzt.
  2. Rückenübungen für Zwischendurch.
  3. Bürostühle und höhenverstellbare Schreibtische sind immer an die Körpergröße des Arbeitnehmers anzupassen.
  4. Eine regelmäßige Überprüfung der elektronischen Arbeitsmittel auf Ihre Funktion ist ratsam.
  5. Soweit möglich, sollten wechselnde Tätigkeiten durchgeführt werden, um eine einseitige, psychische Belastung der Arbeitnehmer zu vermeiden.
  6. Um Elektrosmog zu verhindern, sollten alle nicht benötigten Geräte ausgeschaltet bzw. nur dann aktiviert werden, wenn sie benötigt werden.

Mehr zum den Kriterien einer gesunden Bildschirmarbeit finden Sie in unserem Beitrag!

Gehört die Arbeitsschutzbelehrung zur Arbeitszeit?

Ja, die Zeit während der Arbeitsschutzbelehrung wird als ganz normale Arbeitszeit gewertet.

Arbeitsschutzunterweisung für Praktikanten notwendig oder nicht?

Haben Sie in Ihrem Betrieb Praktikanten beschäftigt, stellt sich natürlich die Frage, ob diese ebenfalls nach §12 des Arbeitsschutzgesetzes unterwiesen werden müssen. Die Antwort ist kurz und knapp, „Ja“, denn im §12 und im §2 Abs. 2 des Arbeitsschutzgesetzes ist die Rede von Arbeitnehmer und arbeitnehmerähnlichen Personen. Unter dem Begriff „arbeitnehmerähnliche Personen“ fallen nun mal auch Praktikanten.

Da Studenten und Schüler gesetzlich unfallversichert sind, gilt für diese laut DGUV-Vorschrift §14  ebenfalls eine Unterweisungspflicht.

Welche Inhalte müssen dem Praktikanten vermittelt werden?

Neben den allgemeinen Sicherheitsregeln, die in Ihrer Firma gelten, wie z. B.

  • das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung sobald diese vorgeschrieben ist und das Einhalten weiterer Schutzmaßnahmen,
  • eine komplette Einweisung in die Örtlichkeiten Ihres Unternehmens, mit besonderem Augenmerk auf die Fußwege und Fluchtwege,
  • das richtige Verhalten von Praktikanten im Falle einer Gefahr (Erste Hilfe, Notruf),

greift bei jungen Praktikanten unter 18 greift auch das Jugendarbeitsschutzgesetz. Auf dieser Basis sollten Sie genau prüfen, welche Tätigkeiten überhaupt vom Praktikanten durchgeführt werden dürfen und welche Arbeitszeitregelungen eingehalten werden müssen. Denn für minderjährige Praktikanten und Arbeitnehmer ist die Arbeit an gefährlichen Arbeitsstätten und Maschinen grundsätzlich untersagt!

Erfahren Sie mehr darüber, was Sie genau bei Azubis und Jugendlichen beachten müssen in unserem Beitrag zum Jugendarbeitsschutzgesetz!

 

* Selbstverständlich können Sie die Broschüren auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2019 Safety Xperts. Impressum | Datenschutz