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Gefahrguttransport: Wie Sie bei der Auswahl der UN-Nummer vorgehen

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UN-Nummer

Bevor Gefahrstoffe auf die Reise gehen, müssen Sie prüfen, ob die Beförderung den Gefahrgutvorschriften unterliegt. Häufig, allerdings nicht immer, werden Gefahrstoffe zum gefährlichen Gut. Dann handelt es sich um einen Gefahrguttransport. Eine systematische Vorgehensweise ist bei der Klassifizierung gefährlicher Güter das A und O.

Die Zuordnung eines gefährlichen Gutes zu einer Klasse bezeichnet man als Klassifizierung. Auf der Grundlage des Aggregatzustandes (fest, flüssig, gasförmig) und der Eigenschaften des Stoffes ist eine Unterscheidung gemäß den nachstehenden 13 Gefahrklassen möglich:

  • Klasse 1: Explosive Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff
  • Klasse 2: Gase
  • Klasse 3: Entzündbare flüssige Stoffe
  • Klasse 4.1: Entzündbare feste Stoffe, selbstzersetzliche Stoffe, polymerisierende Stoffe und desensibiliserte explosive feste Stoffe
  • Klasse 4.2: Selbstentzündliche Stoffe
  • Klasse 4.3: Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase entwickeln
  • Klasse 5.1: Entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe
  • Klasse 5.2: Organische Peroxide
  • Klasse 6.1: Giftige Stoffe
  • Klasse 6.2: Ansteckungsgefährliche Stoffe
  • Klasse 7: Radioaktive Stoffe
  • Klasse 8: Ätzende Stoffe
  • Klasse 9: Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände

Die UN-Nummer ist Teil der Klassifizierung

Für die Beförderung reicht allerdings die Zuweisung der Gefahrklasse allein nicht aus. Das Ergebnis der Klassifizierung umfasst neben der Nummer der Gefahrklasse die folgenden Angaben:

  • UN-Nummer (4-stellig, z. B. UN 1170)
  • Benennung (z. B. Ethanol)
  • Nummern der anzubringenden Gefahrzettel (z. B. 3)
  • ggf. Verpackungsgruppe

Die Verpackungsgruppen haben folgende Bedeutung:

  • I: Stoffe mit hoher Gefahr
  • II: Stoffe mit mittlerer Gefahr
  • III: Stoffe mit geringer Gefahr

Stoffen der Klassen 1, 2, 5.2, 6.2, 7 sowie 4.1 (entzündbare feste Stoffe ausgenommen) werden keine Verpackungsgruppen zugeordnet.

Prüfen Sie zuerst, ob es für das Gut eine Einzeleintragung gibt

Sie haben diese Daten für die Beförderung schnell zusammengetragen, wenn Sie den Stoff wie z. B. Ethanol im „Alphabetischen Verzeichnis der Stoffe und Gegenstände des ADR“ finden. Solche Einzeleintragungen decken genau definierte Stoffe oder Gegenstände, wie beispielsweise Chloroform ab. In Tabelle B der Gefahrgutliste wird die Bezeichnung des Gutes durch die UN-Nummer ergänzt. Alle Eintragungen für gefährliche Güter sind im ADR in Tabelle A „Verzeichnis der gefährlichen Güter“ in der Reihenfolge ihrer UN-Nummern aufgeführt. Diese Tabelle enthält entsprechende Informationen über das aufgeführte Gut wie Benennung, Klasse, Verpackungsgruppe(n), anzubringende(r) Zettel sowie Verpackungs- und Beförderungsvorschriften.

Wie Sie Lösungen oder Gemische klassifizieren

Eine Lösung oder ein Gemisch, die/das nur einen einzigen in der Stoffliste namentlich genannten überwiegend gefährlichen Stoff und einen oder mehrere nicht dem ADR unterliegende Stoffe oder Spuren eines oder mehrerer in der Stoffliste namentlich genannter gefährlicher Stoffe enthält, ist der UN-Nummer und der offiziellen Benennung für die Beförderung des in der Stoffliste genannten überwiegenden Stoffes zuzuordnen.

Sonderfälle:

  1. Die Lösung oder das Gemisch ist in der Stoffliste namentlich genannt (z. B. UN 1289 NATRIUMMETHYLAT, LÖSUNG in Alkohol).
  2. Aus der Benennung und der Beschreibung des in der Stoffliste genannten Stoffes geht hervor, dass die Eintragung nur für den reinen Stoff gilt (z. B. UN 1148 DIACETONALKOHOL).
  3. Die Klasse, der Klassifzierungscode, die Verpackungsgruppe oder der Aggregatzustand der Lösung oder des Gemisches unterscheidet sich von denen des gefährlichen Stoffes.
  4. Die Gefahrenmerkmale und -eigenschaften der Lösung oder des Gemischs machen Notfallmaßnahmen erforderlich, die sich von denen des in der Stoffliste genannten Stoffes unterscheiden.

Bei den in den Nummern 2 bis 4 beschriebenen Fällen ist die Lösung oder das Gemisch wie ein nicht namentlich genannter Stoff einer Sammeleintragung der zutreffenden Klasse zuzuordnen, es sei denn, die Lösung oder das Gemisch entspricht den Kriterien keiner Klasse und unterliegt deshalb nicht dem ADR.

So gehen Sie bei Sammeleintragungen vor

Sammeleintragungen umfassen eine definierte Gruppe von Stoffen oder Gegenständen. Das können Gattungseintragungen wie z. B. „UN 1133 KLEBSTOFFE“ sein. Ist keine treffende Gattungseintragung verfügbar, werden die Stoffe oder Gemische anhand ihrer chemischen oder technischen Beschaffenheit einer Eintragung „nicht anderweitig genannten“ (n.a.g.) Stoffen oder Gegenständen wie z. B. „UN 1993 ENTZÜNDBARER FLÜSSIGER STOFF“ zugeordnet. Das genaue Vorgehen ist in dem Fließbild auf folgender Seite dargestellt.

Wie Sie die Gefahrklasse festlegen

Viele Gefahrgüter haben mehrere gefährliche Eigenschaften. Bevor Sie für solche Stoffe die UN-Nummer auswählen, haben Sie die überwiegende Gefahr zu ermitteln. Die Eigenschaft, die gemäß der nachstehenden Reihenfolge als Erstes zutrifft, ist die Hauptgefahr des Gutes. Die übrigen gefährlichen Eigenschaften werden automatisch zur Nebengefahr.

Das ist die Hierarchie der Gefahrklassen:

  1. Stoffe der Klasse 7 (ausgenommen radioaktive Stoffe in freigestellten Versandstücken, bei denen die anderen gefährlichen Eigenschaften überwiegen)
  2. Stoffe der Klasse 1
  3. Stoffe der Klasse 2
  4. desensibilisierte explosive flüssige Stoffe der Klasse 3
  5. selbstzersetzliche Stoffe und desensibilisierte explosive feste Stoffe der Klasse 4.1
  6. pyrophore Stoffe der Klasse 4.2
  7. Stoffe der Klasse 5.2
  8. Stoffe der Klasse 6.1 oder 3, die auf der Grundlage ihrer Giftigkeit beim Einatmen der Verpackungsgruppe I zuzuordnen sind (Stoffe, die die Zuordnungskriterien der Klasse 8 erfüllen und eine Giftigkeit beim Einatmen von Staub und Nebel (LC50) entsprechend Verpackungsgruppe I, aber eine Giftigkeit bei Einnahme oder bei Absorption durch die Haut, die nur Verpackungsgruppe III entspricht, oder eine geringere Giftigkeit aufweisen, sind der Klasse 8 zuzuordnen).
  9. ansteckungsgefährliche Stoffe der Klasse 6.2
    UN-Nummer
    © SafetyXperts: Identifizieren der UN-Nummer

     

Dann müssen Sie die zuständige Behörde fragen

Die Zuordnung bestimmter Güter in Gefahrklassen muss in besonderen Fällen die zuständige Behörde vornehmen. Gemäß Gefahrgutverordnung Straße, Schiene Eisenbahn (GGVSEB) ist in Deutschland die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zuständig.

Klasse 1: 

Explosive Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff, die in der Gefahrgutliste nicht namentlich genannt sind, dürfen nur durch die BAM zu einer n.a.g.-Eintragung oder der UN-Nummer 0190 EXPLOSIVSTOFF, MUSTER, zugeordnet werden.

HINWEIS
Soweit es sich um den militärischen Bereich handelt, ist das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zuständig.

Klasse 4.1: 

Die Klassifizierung selbstzersetzlicher Stoffe, die nicht

  • im Verzeichnis der bereits zugeordneten selbstzersetzlichen Stoffe in Verpackungen
  • in den Anweisungen für die Verwendung von Großpackmitteln (IBC 520) oder
  • in den Anweisungen für ortsbewegliche Tanks T 23 aufgeführt sind, sowie ihre Zuordnung zu einer Sammeleintragung sind von der BAM auf der Grundlage eines Prüfberichts vorzunehmen.

Klasse 5.2:

Die Klassifizierung organischer Peroxide, die nicht

  • im Verzeichnis der bereits zugeordneten organischen Peroxide in Verpackungen
  • in den Anweisungen für die Verwendung von Großpackmitteln (IBC 520) oder
  • in den Anweisungen für ortsbewegliche Tanks T 23 aufgeführt sind, sowie ihre Zuordnung zu einer Sammeleintragung sind von der BAM auf der Grundlage eines Prüfberichts vorzunehmen.
WICHTIG
Das Genehmigungszeugnis für die Klasse 4.1 bzw. Klasse 5.2 muss die Zuordnung und die entsprechenden Beförderungsbedingungen enthalten.

 

Autor: Gabriele Janssen

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