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Explosionsfähige Atmosphären: Mit einer lückenlosen Gefährdungsbeurteilung können Sie Leben retten

© Azizi Embong – Shutterstock
Explosionsfähige Atmosphären

Tödlicher Unfall durch eine Fass-Explosion beim Trennschleifen – wie kann so etwas passieren? Offensichtlich wurden die Explosionsgefährdungen durch Lösemittelrückstände nur unzureichend beurteilt. Sonst hätte man Schutzmaßnahmen getroffen, um Funkenbildung und somit die Zündung des Lösemittel-Dampf-Gemisches zu verhindern. Solche Gefahrenbereiche müssen Sie in Ihrem Betrieb unbedingt identifizieren und entschärfen. Wenn Sie die nachfolgende Schritt-für-Schritt-Anleitung konsequent anwenden, spüren Sie explosionsfähige Atmosphären zuverlässig auf.

Explosionsfähige Atmosphären & Gefährdungsbeurteilung

Wie Sie in 8 Schritten eine Gefährdungsbeurteilung in explosionsgefährdeten Bereichen (Ex-Bereichen) richtig erstellen, zeigt Ihnen die Abbildung in Verbindung mit den folgenden Erläuterungen.

  1. Schritt: Ermitteln Sie, ob brennbare Stoffe vorhanden sind: Anhand Ihres Gefahrstoffverzeichnisses können Sie sich einen ersten Überblick über die in Ihrem Betrieb eingesetzten entzündbaren Flüssigkeiten und Gase verschaffen. Betrachten Sie nicht nur Ihre eingekauften Chemikalien. Auch von scheinbar harmlosen Produkten wie Stärke, Mehl oder Kakaopulver geht eine Gefährdung aus. Wird Staub aufgewirbelt, kann ein explosionsfähiges Staub-Luft-Gemisch entstehen.
  2. Schritt: Prüfen Sie, ob die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre möglich ist: Die Zündwilligkeit des gebildeten Brennstoff-Luftgemisches ist maßgeblich für die Gefährdung. Liegt die Konzentration der brennbaren Substanzen in der Luft innerhalb ihrer Explosionsgrenzen, ist eine explosionsfähige Atmosphäre vorhanden. Daher ist die untere (UEG) und die obere (OEG) Explosionsgrenze für Sie eine wichtige Kenngröße zur Beurteilung der Explosionsgefährdung. Angaben hierzu finden Sie in Abschnitt 9 des Sicherheitsdatenblattes. Mithilfe von Gaswarngeräten können Sie messtechnisch bestimmen, ob die Konzentration brennbarer Stoffe am Arbeitsplatz innerhalb oder außerhalb der Explosionsgrenzen liegt.
  3. Schritt: Beurteilen Sie die Quellen und die möglichen Mengen an Ex-Atmosphäre: Schon eine Leckage an einem Fass mit Lösemittel kann eine Ursache für die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre sein. Aber auch bei Reinigungsarbeiten mit brennbaren Flüssigkeiten wie Alkohol oder Benzin kann so viel Flüssigkeit verdampfen, dass sich im Gemisch mit Luft Ex-Atmosphäre bildet. Beim Mahlen oder Sieben, Fördern, Füllen oder Entleeren sowie Trocknen von Feststoffen kann brennbarer Feinstaub entstehen. Wird dieser aufgewirbelt, steigt das Risiko einer Explosionsgefahr.
  4. Schritt: Untersuchen Sie, ob gefährliche Ex- Atmosphäre entsteht: Ein gefährliches explosionsfähiges Gemisch ist ein explosionsfähiges Gemisch, das in solcher Menge auftritt, dass besondere Schutzmaßnahmen für die Aufrechterhaltung der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten oder anderer Personen erforderlich werden. Mehr als 10 Liter explosionsfähige Atmosphäre als zusammenhängende Menge müssen Sie in geschlossenen Räumen – unabhängig von der Raumgröße – immer als gefährliche explosionsfähige Atmosphäre ansehen. Bedenken Sie, dass die meisten brennbaren Stoffe ihr Volumen durch Verdampfen deutlich vergrößern. Beispiel: 1 Liter Flüssigpropan ergibt, verdünnt bis zur unteren Explosionsgrenze im gasförmigen Zustand mit Luft,13.000 Liter explosionsfähige Atmosphäre!
  5. Schritt: Treffen Sie Maßnahmen zur Vermeidung von Ex-Atmosphäre: Haben die ersten 4 Schritte Ihrer Gefährdungsbeurteilung ergeben, dass in Ihrem Betrieb explosionsfähige Atmosphäre auftritt, müssen Sie versuchen, die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre z. B. durch folgende Maßnahmen einzuschränken: Ersatz brennbarer Stoffe durch nicht oder weniger brennbare Stoffe, Konzentrationsbegrenzung, Zugabe von chemisch nicht reaktiven Stoffen, wie z. B. Stickstoff (Inertisieren),  Beseitigung von Staubablagerungen durch regelmäßige Reinigungsarbeiten, Lüftungsmaßnahmen
  6. Schritt: Teilen Sie Ex-Bereiche in Zonen ein: Wird die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre nicht sicher verhindert, sind zusätzliche technische und organisatorische Explosionsschutzmaßnahmen notwendig. Damit Sie zielgerichtet geeignete Schutzmaßnahmen auswählen können, müssen Sie die Bereiche, in denen explosionsfähige Atmosphäre auftritt, in Zonen einteilen. Die Zuweisung der in der Abbildung dargestellten Zonen erfolgt in Abhängigkeit von der typischen Dauer des Vorhandenseins explosionsfähiger Atmosphäre. Die Tabelle gibt Ihnen Hilfestellung bei der Zoneneinteilung.
    Gefährdungsgrad und Zone Intervall des Auftretens der Gemische jährlich Intervall des Auftretens der Gemische differenziert (Tag/ Monat / Jahr) Verweilzeit der Gemische
    Ständig / häufig (Zone 0 bzw. 20) höher als bei Zone 1, z. B. >1.000-mal höher als bei Zone 1 z. B. >3-mal / Tag Länger als bei Zone 1
    Gelegentlich (Zone 1 bzw. 21) >10-mal

    <1.000-mal

    >1-mal / Monat,

    <3-mal / Tag

    länger als 0,5 Stunden, bis 10 Stunden
    selten / kurzzeitig (Zone 2 bzw. 22) >1-mal

    <10-mal

    >1-mal / Jahr,

    <1-mal / Monat

    kürzer als 0,5 Stunden
  7. Schritt: Stellen Sie fest, ob alle Zündquellen ausgeschlossen sind: Nicht nur Arbeitsmittel wie Geräte, Maschinen, Werkzeuge und Anlagen können zur Zündquelle werden. Auch die typischen Zündquellen, wie offene Flammen oder die glimmende Zigarette müssen Sie sicher ausschließen. Nachstehend weitere Beispiele für mögliche Zündquellen, die einzeln oder in Kombination auftreten können: heiße Oberflächen (z. B. Heizkessel), mechanisch erzeugte Funken, elektrische Anlagen (z. B. Schaltfunken), statische Elektrizität, atmosphärische Entladungen (z. B. Blitzschlag).
  8. Schritt: Treffen Sie konstruktive Ex-Schutz-Maßnahmen: Stellt sich heraus, dass Gefahren durch Zündquellen nicht uneingeschränkt ausgeschlossen werden können, haben Sie weitere Maßnahmen in Form des konstruktiven Explosionsschutzes zu treffen. Durch diese konstruktiven Maßnahmen werden die Auswirkungen einer Explosion begrenzt:Explosionsfeste Bauweise: Das bedeutet: Anlagenteile wie Behälter, Apparate, Rohrleitungen werden so gebaut, dass sie einer Explosion im Inneren standhalten, ohne aufzureißen.
  • Explosionsdruckentlastung: Explosionsdruckstoßfeste Behälter und Apparate sind so gebaut, dass sie einem bei einer Explosion in ihrem Inneren auftretenden Druckstoß in Höhe des zu erwartenden Explosionsüberdruckes standhalten. Dabei sind jedoch bleibende Verformungen zulässig.
  • Explosionsunterdrückung: Eine Explosionsdruckentlastungseinrichtung soll bewirken, dass die Anlage/der Anlagenteil nicht über ihre/seine Explosionsfestigkeit hinaus beansprucht wird.
  • Verhindern der Flammen- und Explosionsübertragung: Sobald sich in einem Anlagenteil eine Explosion ereignet, kann sich diese in die vor- und nachgeschalteten Anlagenteile ausbreiten und dort weitere Explosionen verursachen. Dieser Effekt kann durch explosionstechnische Entkoppelung verhindert werden.Explosionsfaehige-Atmosphaeren

Hinweis: Die Ergebnisse Ihrer Gefährdungsbeurteilung müssen Sie in Form eines Explosionsschutzdokumentes festhalten. Bei neu eingerichteten oder geänderten Arbeitsplätzen müssen Sie das Explosionsschutzdokument vor Aufnahme der Arbeit erstellen. Es ist zu überarbeiten, wenn Veränderungen oder Umgestaltungen der Arbeitsmittel oder des Arbeitsablaufes vorgenommen werden.

So einfach geht Arbeitsschutz Betrieb!

Autor: Dr. Friedhelm Kring

 

 

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