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Persönliche Schutzausrüstung – das sind die Pflichten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

© Azhal Abdul Nasil – Shutterstock
Persönliche Schutzausrüstung, PSA

Die Verwendung einer PSA (Persönliche Schutzausrüstung) ist das letzte Mittel zur Vermeidung von Gesundheitsgefährdungen bei der Arbeit, wenn andere Maßnahmen wie Substitution oder Prozessänderungen, technische oder organisatorische Maßnahmen zur Gefährdungsvermeidung nicht greifen. Weil in solchen Fällen keine weiteren Alternativen zum Schutz der Beschäftigten mehr verfügbar sind, fordert die richtige Auswahl der Persönlichen Schutzausrichtung eine besonders hohe Sorgfalt – aus rechtlicher Sicht genauso wie zur Wahrnehmung Ihrer Verantwortung als Arbeitgeber gegenüber Ihren Mitarbeitern.

PSA – der letzte Baustein beim Arbeitsschutz

Unter PSA wird die Ausrüstung verstanden, die zur Abwehr und Minderung von Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit einer Person bestimmt ist. Es geht dabei im Allgemeinen um Vorrichtungen und Mittel, die am Körper oder an Körperteilen gehalten oder getragen werden und so vor Gesundheitsgefährdungen schützen. Doch auch wenn geeignete PSA für viele Einsatzbereiche schnell verfügbar und vermeintlich einfach einzusetzen ist, bedarf es einer genauen Prüfung alternativer Schutzmaßnahmen, bevor Sie Ihren Beschäftigten entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung stellen.

Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) im STOP-Prinzip

Wenn Sie in den Arbeitsabläufen Gesundheitsrisiken für Ihre Beschäftigten entdeckt haben, gilt die immer gleiche Priorisierung von Schutzmaßnahmen nach dem S-T-O-P-Prinzip:

  1. Substitution: Maßnahmen, die den Einsatz von Betriebsmitteln oder den gesamten Arbeitsprozess so ändern, dass eine Gesundheitsgefährdung vermieden oder reduziert wird.
  2. Technische Lösungen: Nachrüstung oder Austausch von Maschinen, Werkzeugen und anderen technischen Einrichtungen, von denen eine Gesundheitsgefahr ausgeht.
  3. Organisatorische Maßnahmen: Diese Maßnahmen haben zum Ziel, die Gefahrenquelle räumlich oder Zeitlich von den Beschäftigten zu trennen.
  4. Persönliche Schutzmaßnahmen: Als letztes Mittel steht der individuelle Schutz des Menschen auf dem Plan. Dies erfolgt zumeist durch persönliche Schutzausrüstung.

Auch gemäß Betriebssicherheitsverordnung ist der Einsatz einer Persönlichen Schutzausrüstung erst nach erfolgter Prüfung aller Alternativen erlaubt und auf das erforderliche Minimum zu beschränken. Erst wenn Sie aus nachvollziehbaren Gründen den Einsatz anderer, höherrangiger Schutzmaßnahmen ausschließen müssen, sollten Sie die Eignung folgender PSA-Kategorien prüfen:

  • Schutzkleidung gegen chemische, biologische und physikalische Einwirkungen
  • Hand- und Armschutz gegen chemische, biologische und physikalische Einwirkungen
  • Schnitt- und Stechschutz
  • Atemschutz
  • Fuß- und Knieschutz gegen chemische, biologische und physikalische Einwirkungen
  • Augen- und Gesichtsschutz
  • Kopfschutz
  • Gehörschutz
  • Hautschutzmittel
  • PSA gegen Absturz
  • eine PSA zum Retten aus Höhen und Tiefen
  • PSA gegen Ertrinken

Wenn also beispielsweise technische und organisatorische Maßnahmen zur Risikovermeidung nicht zielführend sind, bietet sich der Einsatz persönlicher Schutzausrüstungsgegenstände an. Doch auch hierbei ist eine Fülle rechtlicher Bedingungen zu beachten.

Diese gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen bei Beschaffung und Einsatz von PSA beachtet werden

Wie in vielen anderen Rechtsbereichen gibt die Europäische Kommission auch beim Beschäftigtenschutz immer stärker nicht nur die Richtung vor, sondern bestimmt mittlerweile auch die detaillierte Ausgestaltung der gesetzlichen Inhalte. Die seit 1992 gültige PSA-Richtlinie der EU wurde deshalb bereits 2016 von der europäischen PSA-Verordnung ersetzt, die unmittelbar und direkt in allen Mitgliedsstaaten gültig ist und schrittweise die nationalen Regelungen ersetzt. Bereits im April 2018 wurde deshalb die zuvor gültige PSA-Richtlinie aufgehoben.

Die neue Verordnung bringt vor allem für das Inverkehrbringen von PSA neue Anforderungen mit sich, was für Arbeitgeber eher Vorteile hat: Denn mit der Verordnung wird es Ihnen erleichtert, eine Persönliche Schutzausrüstung rechtssicher auszuwählen und einzusetzen. Dieser Vorteil für Arbeitgeber wird ermöglicht, indem die Anbieter von PSA, also die Hersteller und Händler, stärker als bisher in die Pflicht genommen werden.

Diese Kategorien einer Persönlichen Schutzausrüstung werden vom Gesetzgeber unterschieden

Persönliche Schutzausrüstung dient unterschiedlichen Zwecken und wird deshalb, je nach Risiko, gegen das sie schützen soll, in drei Kategorien eingeteilt. Je höher die Kategorie, desto anspruchsvoller sind die Bedingungen, die Hersteller bei der Gestaltung des Ausrüstungsgegenstands zu beachten haben. Aber auch als Arbeitgeber oder Anwender sollten sie die Kategorien kennen und beachten, um den Einsatz geeigneter PSA sicherstellen zu können.

Das sind die Kategorien, die vom Gesetzgeber unterschieden werden.

  • Kategorie I umfasst Produkte zum Schutz des Nutzers vor geringfügigen Risiken. Hier darf der Hersteller davon ausgehen, dass die PSA-Nutzer die Wirksamkeit der PSA selbst einschätzen können. Zu Kategorie I zählen ausschließlich PSA zum Schutz gegen
    • oberflächliche mechanische Verletzungen (z. B. Gartenhandschuhe),
    • Berührungen mit schwach aggressiven Reinigungsmitteln (z. B. Schutzhandschuhe für verdünnte Waschmittellösungen),
    • Berührungen mit heißen Oberflächen (Temperaturen unter 50° C) (z. B. Schürzen)
    • Schädigungen der Augen durch Sonneneinstrahlung (z. B. Sonnenbrillen) sowie Witterungsbedingungen, die nicht von extremer Art sind.
  • Kategorie II deckt alle Gegenstände ab, die weder in Kategorie I noch in Kategorie III eingeordnet werden können. Generell bieten diese Produkte einen Standard-Schutz vor mechanischen Risiken. Beispiele sind Arbeitsschutzhelme, Sicherheitsschuhe oder ein Gehörschutz. Auch maßgefertigte und individuell angepasste PSA fällt in der Regel in diese Kategorie.
  • Kategorie III erfasst die komplexe persönliche Schutzausrüstung zum Schutz vor tödlichen Gefahren und irreversiblen Gesundheitsschäden. PSA dieser Kategorie schützt gegen Gefährdungen, die der Verwender in der Regel nicht selbst einschätzen kann. Unter Kategorie III fallen PSA zum Schutz vor folgenden Risiken:
    • gesundheitsgefährdende Stoffe und Gemische
    • Atmosphären mit Sauerstoffmangel
    • schädliche biologische Agenzien
    • ionisierende Strahlung
    • warme Umgebung, mit vergleichbaren Auswirkungen wie bei einer Lufttemperatur von 100° C oder mehr
    • kalte Umgebung, mit vergleichbaren Auswirkungen wie bei einer Lufttemperatur von -50° C oder weniger
    • Stürze aus der Höhe
    • Stromschlag und Arbeit an unter Spannung stehenden Teilen
    • Ertrinken
    • Schnittverletzungen durch handgeführte Kettensägen
    • Hochdruckstrahl
    • Verletzungen durch Projektile oder Messerstiche
    • schädlicher Lärm

Doch wann gilt welche Kategorie?

Auch mit der neuen PSA-Verordnung wurden die Kategorien kaum verändert oder genauer definiert. Deshalb bereitet die Zuordnung der PSA nach wie vor regelmäßig Probleme. So ist nicht selten unklar, ob ein Produkt überhaupt als PSA anzusehen ist bzw. in welche Kategorie es dann gesteckt werden kann. Eine gute Hilfestellung hierzu gibt die Europäische Kommission mit ihren PSA-Leitlinien, die eine einheitliche Anwendung sicherstellen sollen. Die Leitlinien wurden leider nur auf Englisch verfasst!

Die EG-Baumusterprüfbescheinigung ist die neue und wertvolle Einkaufshilfe für Arbeitgeber

Für die unterschiedlichen PSA der jeweiligen Kategorien gelten nun unterschiedliche Anforderungen an die Hersteller. Mit der EU-PSA-Verordnung wurde ein neues System eingeführt, nach dem nahezu sämtliche im Europäischen Binnenmarkt angebotene PSA von einer notifizierten Stelle zertifiziert werden müssen. Von der Zertifizierungspflicht ausgenommen sind sehr einfache Produkte wie z. B. Spül- und Gartenhandschuhe.

Zwar können unter bestimmten Voraussetzungen noch bis 2023 PSA-Gegenstände weiter vertrieben werden, die bereits nach der alten PSA-Richtlinie genehmigt wurden, seit April 2018 gilt aber für die meisten PSA ausschließlich das neue Zertifizierungsverfahren.

Die neuen Zertifizierungsbestimmungen beinhalten folgende Pflichten:

  • Für alle PSA muss eine Technische Dokumentation vorgelegt werden können, die den Anforderungen des Anhang III der Verordnung entspricht.
  • Für PSA der Kategorien II und III muss eine EU-Baumusterprüfbescheinigung
  • Bei PSA der Kategorie III ist zusätzlich eine Qualitätssicherung einzuführen, die eine Kontrolle der fertigen PSA sicherstellt.
  • Für alle PSA muss eine Konformitätserklärung erstellt werden, die über das CE-Zeichen markiert wird.

Achten Sie auf das CE-Zeichen

Sichere Ausrüstungsgegenstände zum persönlichen Schutz der Beschäftigten sind somit am Markt leicht zu identifizieren. Denn nur bei Einhaltung der Zertifizierungsbestimmungen und (außer bei Kategorie I) dem Vorliegen einer EG-Baumusterprüfbescheinigung gemäß EU-PSA-Verordnung darf und muss der Hersteller oder Anbieter der PSA das CE-Zeichen auf dem Gegenstand anbringen.

Bei der für das CE-Zeichen erforderlichen Zertifizierung von PSA genügt bei Gegenständen der Kategorie I eine Selbstzertifizierung des Herstellers. Bei Kategorie II und III werden jedoch umfangreiche Material-, Gestaltungs- und Funktionsprüfungen in spezialisierten Labors durchgeführt, die die Einhaltung der Europäischen Normen gewährleisten. Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller dann die Konformität des Produkts mit sämtlichen Sicherheitsanforderungen gemäß Anhang II der PSA-Verordnung. Mit der Wahl eines PSA-Gegenstands, der über eine CE-Kennzeichnung verfügt, sind Sie also auf der sicheren Seite.

Beachten Sie aber unbedingt diesen Sonderfall: Benötigen Sie eine Persönliche Schutzausrüstung der Kategorie III, die gegen tödliche Gefahren oder ernste und irreversible Gesundheitsschäden schützen soll, dürfen Sie nur solche Gegenstände beschaffen, bei denen dem CE-Zeichen eine Registrierungsnummer angefügt wurde, die angibt, welche notifizierte Stelle die laufende Fertigung des Herstellers überwacht.

Der betriebliche Einsatz von PSA stellt weitere Anforderungen an den Arbeitgeber

Der Gesetzgeber sorgt dafür, dass Persönliche Schutzausrichtung ihren Zweck erfüllen kann, indem die Eignung herstellungsseitig definiert und kontrolliert wird. Genauso wichtig ist aber auch, dass die PSA zum jeweiligen Einsatzzweck passt, die Beschäftigten zur richtigen Verwendung der PSA geschult werden und auch sonst alle Rahmenbedingungen vom Arbeitgeber berücksichtigt und sicher gestaltet werden. Die Beschaffung von Schutzausrüstung mit CE-Kennzeichnung ist in diesem Kontext also nur ein erster Schritt, um die PSA Ihrer Belegschaft rechtskonform anzubieten.

Für den Einsatz von PSA gilt nach wie vor die PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) vom 20. Dezember 1996. Sie regelt die Auswahl, Bereitstellung, Wartung, Reparatur, den Ersatz sowie die Lagerung von PSA durch den Arbeitgeber für alle relevanten Tätigkeitsbereiche.

Lassen Sie sich bei der Auswahl einer PSA fachlich beraten

Bei Fragen zur Auswahl und Eignung von Persönlicher Schutzausrüstung sollten Sie immer Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit bzw. den Betriebsarzt hinzuziehen. Denn die Fachkräfte haben den nötigen Überblick, um Sie zu geeigneten Maßnahmen und Ausrüstungsgegenständen zu beraten.

Beachten Sie aber, dass die Bestellung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit niemals auch die arbeitsrechtlichen Pflichten delegiert. Verantwortlich bleiben Sie als Arbeitgeber!

Diese 5 Pflichten verantwortet der Arbeitgeber immer selbst:

  • Als Arbeitgeber wählen Sie die geeignete Persönliche Schutzausrüstung anhand der Gefährdungsbeurteilung und auf Basis der Empfehlungen der spezialisierten Fachkräfte aus.
  • Der Arbeitgeber stellt den Beschäftigten die Persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung.
  • Der Arbeitgeber stellt sicher, dass die Beschäftigten vor Arbeitsbeginn über die Gefährdungen am Arbeitsplatz und die dafür erforderliche Persönliche Schutzausrüstung unterwiesen und die Handhabung, Benutzung, Aufbewahrung und das Erkennen von Schäden an der Persönlichen Schutzausrüstung erklärt werden.
  • Auch die Erstellung von Betriebsanweisungen für das Benutzen der Persönlichen Schutzausrüstung ist Arbeitgeberpflicht.
  • Hinzu kommt die regelmäßige Kontrolle durch Begehungen am Arbeitsplatz, ob die Persönliche Schutzausrüstung tatsächlich benutzt wird.

Diese Arbeitgeberpflichten gelten für Leiharbeiter gleichermaßen wie für eigene Mitarbeiter. Bei der Arbeitnehmerüberlassung obliegen die Arbeitgeberpflichten gemäß Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) allerdings dem Kundenunternehmen und dem Zeitarbeitsunternehmen im gleichen Maße. Regeln Sie in solchen Fällen also am besten schriftlich in den vertraglichen Arbeitsschutzvereinbarungen, welche Persönliche Schutzausrüstung von wem gestellt wird und wer die erforderlichen Schulungen und Kontrollen durchführt. Informieren Sie auch die betroffenen Beschäftigten über diese Vereinbarungen.

Doch auch die Beschäftigten haben Pflichten bei der Verwendung von PSA

In der Praxis ist es nahezu unmöglich, Mitarbeiter rund um die Uhr zu kontrollieren und die Verwendung der angebotenen Schutzausrüstung sicherzustellen. Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und deshalb den Beschäftigten eine entsprechende Mitverantwortung auferlegt.

Ihre Beschäftigten sind demnach dazu verpflichtet,

  • die zur Verfügung gestellte Persönliche Schutzausrüstung gemäß der Unterweisung durch den Arbeitgeber zu benutzen,
  • vor jeder Benutzung ist die Persönliche Schutzausrüstung auf Funktionstauglichkeit hin zu testen und einer Sichtprüfung zu unterziehen,
  • bei Mängeln oder bei Verlust ihrer Persönlichen Schutzausrüstung die jeweilige Tätigkeit sofort zu unterbrechen,
  • die Mängel oder den Verlust ihrer Persönlichen Schutzausrüstung dem Arbeitgeber oder Vorgesetzten unverzüglich zu melden, damit dieser die Ausstattung wieder vervollständigen kann.

Trotzdem entbinden Sie diese Pflichten nicht von Ihrer Verantwortung als Arbeitnehmer. Im Zweifelsfall kann Sie auch bei Verfehlungen eines Beschäftigten eine Mitschuld treffen, wenn Sie Ihre Sorgfaltspflichten vernachlässigt haben.

Denken Sie auch immer daran, dass keine Kontrolle Ihre Vorbildfunktion ersetzen kann. Arbeitgeber und Vorgesetzte sind Vorbilder und müssen deshalb wie alle Beschäftigten die Persönliche Schutzausrüstung bei den Begehungen am Arbeitsplatz tragen.

So erfüllen Sie Ihre Pflichten als Arbeitgeber

Die erste Arbeitgeberpflicht ist die Bewertung der Arbeitssituation und die hierfür geeignete Auswahl einer Persönlichen Schutzausrüstung zu treffen, wenn identifizierte Gefährdungen nicht durch technische oder organisatorische Maßnahmen vermieden werden können oder der Schutz auf eine andere Weise sichergestellt werden kann.

Mit dieser Checkliste finden Sie die geeignete PSA in 9 Schritten

Prüfen Sie im Rahmen Ihrer Entscheidungsfindung immer folgende 9 Punkte. Nur wenn Sie jede der beschriebenen Anforderungen abhaken können, sind Sie auf der sicheren Seite.

  • Es wurde eine Gefährdungsanalyse durchgeführt, die die Anforderungen an die PSA definiert oder – alternativ – es bestehen standardisierte Anforderungskataloge für den jeweiligen Arbeitsbereich.
  • Technische oder organisatorische Maßnahmen zum Gesundheitsschutz waren nicht möglich oder nicht ausreichend.
  • Bei der Auswahl der PSA wurde die Fachkraft für Arbeitssicherheit und/oder der Betriebsarzt einbezogen. Sämtliche Maßnahmen und Ausrüstungsgegenstände wurden besprochen und als geeignet identifiziert.
  • Bei Leih-, Zeit- oder Fremdarbeitern wurde die Festlegung der persönlichen Schutzausrüstung in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kundenunternehmen und dem Zeitarbeitsunternehmen bestimmt und die Wahrnehmung der Arbeitgeberpflichten transparent geregelt.
  • Die gewählte PSA ist nach den Herstellerangaben in der Lage, vor den Einwirkungen am Arbeitsplatz zu schützen.
  • Die Ausrüstung verhält sich in der eingesetzten Umgebung stabil und hält den Belastungen bei der Tätigkeit stand.
  • Die PSA stört nicht die Grundanforderungen an die Ergonomie am Arbeitsplatz.
  • Die Verwendung der PSA stellt keine zusätzliche oder alternative Gefährdung für die Beschäftigten dar – auch bei paralleler Kombination verschiedener PSA.
  • Die angebotene Persönliche Schutzausrüstung erfüllt die rechtlichen Anforderungen an die entsprechenden PSA-Kategorien:
    Kategorie I: CE-Kennzeichnung (inkl. Konformitätserklärung)
    Kategorie II: CE-Kennzeichnung (inkl. Konformitätserklärung und Baumusterprüfung)
    Kategorie III: CE-Kennzeichnung (inkl. Konformitätserklärung, Baumusterprüfung) und Registrierungsnummer (Qualitätssicherungsverfahren)

Um vor allem den ersten Punkt der Checkliste abhaken zu können, ist oft ein erheblicher Aufwand erforderlich, der sich jedoch in vielen Fällen durch die Nutzung standardisierter Anforderungskataloge oder Services von Herstellern und Instituten deutlich reduzieren lässt.

Nutzen Sie auch die kostenlose Unterstützung von Herstellern und Arbeitsschutz-Instituten

In den wenigsten Fällen müssen Sie für die Auswahl der geeigneten Schutzausrüstung tiefgreifende Analysen durchführen. Basis der Gefährdungsermittlung können beispielsweise auch Erfahrungswerte der Fachkraft für Arbeitssicherheit sein. Auch müssen Sie nicht jede Gefährdung individuell ermitteln. Meist können typische Anforderungen auch aus branchenspezifischen Katalogen, (Online-) Datenbanken oder aus den Angaben von Maschinenherstellern entnommen werden.

Institute und Hersteller bieten weitere spezifische Checklisten, die Sie nur ausfüllen müssen und mit denen Sie geeignete PSA anfragen bzw. sich anbieten lassen können. Einige Beispiele solcher Checklisten finden Sie beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA):

Für spezifische und besonders kompliziert zu bewertende Einsatzgebiete wie z. B. beim Gehörschutz bietet das IFA sogar eine eigene Software an, die kostenlos genutzt werden darf und die Auswahl geeigneter PSA erheblich erleichtert.

Auch die Gesetzliche Unfallversicherung VBG bietet Orientierungstabellen zur Auswahl persönlicher Schutzausrüstung in verschiedenen Arbeitsbereichen (Link jeweils weiterführend):

Sicher bieten auch Ihre Branchenverbände oder Berufsgenossenschaften weitere Hilfsmittel, die Ihnen die Auswahl der geeigneten Persönlichen Schutzausrüstung erleichtern.

Doch auch der sachgemäße Einsatz der Persönlichen Schutzausrüstung birgt Gefahren

Bei der Auswahl von Persönlicher Schutzausrüstung muss nicht nur die Schutzfunktion der Ausrüstungsgegenstände berücksichtigt werden. Beachten Sie unbedingt, dass PSA oft selbst eine Gefährdung darstellen kann – auch bei sachgemäßer Anwendung. Diese „Nebenwirkungen“ sind in den Herstellerangaben der PSA enthalten und sollten dementsprechend beim betrieblichen Einsatz berücksichtigt werden. Dies gilt natürlich auch bei der Unterrichtung der Beschäftigten.

Generell gilt auch das Prinzip der sogenannten Schwarz-Weiß-Trennung: Persönliche Schutzausrüstung und Arbeitskleidung müssen getrennt von der Straßen- und Freizeitkleidung aufbewahrt werden, wenn daran Gefahrstoffe, Infektionsträger und Mikroorganismen haften können. Stellen Sie in solchen Fällen unbedingt Ihren Beschäftigten die Möglichkeit zur getrennten Lagerung zur Verfügung und informieren Sie sie über die Risiken. Damit können Sie verhindern, dass Schadstoffe auf die Straßenkleidung übertragen und so verschleppt werden. Also müssen Sie zudem dafür sorgen, dass die Persönliche Schutzausrüstung je nach Einsatzbereich und Verschmutzung regelmäßig gewechselt oder gereinigt wird.

Beachten Sie auch die Anforderungen für Kombinationen einer Persönlichen Schutzausrüstung

Deutlich komplizierter als die offensichtliche und vom Hersteller beschriebene Gefährdung durch PSA sind Gefahren, die sich erst bei Kombination verschiedener Ausrüstungsgegenstände ergeben. Denn diese müssen Sie selbst ermitteln oder erkennen und folglich vermeiden bzw. reduzieren.

Dieser Problembereich trifft alle Arbeitsplätze, an denen parallel verschiedene Arten von PSA benutzt werden müssen, weil gleichzeitig gegen mehrere schädliche Einwirkungen geschützt werden muss und/oder mehrere Bereiche des Körpers betroffen sein können. In solchen Fällen ist immer darauf zu achten, dass die eingesetzten unterschiedlichen PSA-Gegenstände miteinander kompatibel sind. Sie dürfen sich weder gegenseitig in ihrer Schutzwirkung beeinträchtigen noch darf die Kombination der PSA zu neuen Gefährdungen für den Nutzer führen.

Bei einigen Wechselwirkungen zwischen PSA ist die gegenseitige Beeinträchtigung beim Schutz leicht erkennbar. Eine Kombination aus Schutzbrille und Atemschutzmaske beispielsweise ist oft nicht sinnvoll möglich. Das gleiche gilt für die Verwendung von Kapselgehörschützern in Kombination mit einer Schutzbrille. In solchen Fällen werden Sie als Arbeitgeber die Kompatibilität der PSA und die Gefährdung, die durch die Benutzung der Kombination mehrerer PSA entstehen kann, einfach beurteilen können. Schwieriger wird es bei komplexeren Wechselwirkungen wie bei der Kombination von PSA gegen Absturz mit Atemschutz. Hier sollten Sie auf die Kompetenz der Hersteller und der Prüf- und Zertifizierungsstellen zurückgreifen.

Prüfen Sie die Tätigkeitsbereiche anhand der Tabelle für PSA-Kombinationen

In der folgenden Tabelle finden Sie die wesentlichen PSA-Kombinationen, bei denen sich aufgrund von Wechselwirkungen das Schutzniveau verringern kann.

Weitere Hinweise für Fälle, bei denen keine DGUV-Regel existiert:

PSA

(I)

(II)

(III)

(IV)

(V)

(VI)

(VII)

(VIII)

(IX)

Kopfschutz (I) DGUV 112-192 DGUV 112-194 DGUV 112-190 DGUV 112-198
Augen-/ Gesichtsschutz (II) DGUV 112-192 DGUV 112-194 DGUV 112-190 X
-> 1)
Gehörschutz (III) DGUV 112-194 DGUV 112-194 DGUV 112-194
Atemschutz (IV) DGUV 112-189 DGUV 112-201 DGUV 112-198
Schutzhand-schuhe (V) X
-> 2)
DGUV 212-007
212-019
Fußschutz (VI) X
-> 3)
Schutz-kleidung (VII) DGUV 112-201 DGUV 112-198
Schutz gegen Ertrinken (VIII) DGUV 112-201
Schutz gegen Absturz (IX) DGUV 112-198

 

In der Tabelle sind kritische Kombinationen mit einem Eintrag gekennzeichnet. Die Einträge verweisen auf die zusätzlichen Anforderungen gemäß DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung). Die einzelnen DGUV-Regeln sind nicht kostenlos öffentlich verfügbar, können aber evtl. bei Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit oder Ihrem Betriebsarzt eingesehen werden.

  • Bei Kombinationen von Augen- und Gesichtsschutz mit PSA gegen Absturz könnte bei einem Sturz der Augen- und Gesichtsschutz verloren gehen. Der Augen- oder Gesichtsschutz kann aber auch so verrutschen, dass beim An- oder Aufprall zusätzliche Verletzungen entstehen können. Abhilfe schafft beispielsweise eine zusätzliche Sicherung des Augen- oder Gesichtsschutzes.
  • Eine Kombination mehrerer Handschuhe (beispielsweise gegen Feuchtigkeit, mechanische Einwirkungen und Strahlung) kann eine Verringerung der Motorik der Hände hervorrufen, was für zusätzliche Gefährdungen sorgt, denen dann wiederum zu begegnen ist.
  • Kombinationen von Fußschutz und Schutzkleidung können im Verbindungsbereich eine vom erforderlichen Schutzniveau abweichende Beständigkeit aufweisen. Dieser Verbindungsbereich ist dann evtl. zusätzlich zu schützen.

Die Bereitstellung der PSA ist noch um geeignete Schulungen zu ergänzen

Ihre Pflicht zur Bereitstellung von Persönlicher Schutzausrüstung können Sie nur dann rechtssicher erfüllen, wenn Sie die Nutzer auch hinsichtlich der Gefährdung informieren und sie zur sachgerechten Verwendung der PSA unterrichten. Ihre Mitarbeiter müssen wissen, wie sie die PSA sicherheitsgerecht benutzten. Und sie sollten durch Informationen und Anweisungen ausreichend motiviert werden, die Persönliche Schutzausrüstung auch zu benutzen. Beide Ziele erreichen Sie über eine gut organisierte Sicherheitsunterweisung.

Rechtsgrundlage dieser Forderung sind § 12 ArbSchG (Arbeitsschutzgesetz) oder § 4 DGUV Vorschrift 1. Die Unterweisung der Beschäftigten zur Benutzung der PSA wird auch in § 3 Abs. 1 der PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) gefordert. Zusätzlich müssen nach § 3 Abs. 2 PSA-BV auch Betriebsanweisungen erstellt und als Grundlage für die Schulungen herangezogen werden.

Für eine Persönliche Schutzausrüstung der Kategorie III, die gegen tödliche Gefahren oder bleibende Gesundheitsschäden schützen soll, gelten besondere Anforderungen: Hierfür sind nach § 31 DGUV Vorschrift 1 spezielle Unterweisungen notwendig und zusätzlich praktische Übungen vorgeschrieben.

So organisieren Sie die rechtssichere Unterweisung Ihrer Beschäftigten

Um die Unterweisungen rechtssicher zu organisieren und keine wesentlichen Aspekte oder Inhalte zu vergessen, sollten Sie den Unterweisungsablauf nach folgendem Muster organisieren. Am besten planen Sie die Unterweisung in einem schriftlichen Ablaufplan, der sämtliche der folgenden Aspekte berücksichtigt:

1. Festlegung der Verantwortlichen Personen, der Teilnehmer und Fachkräfte

  • Die Gesamtverantwortung für die Unterweisung hat immer der Arbeitgeber. Für die Durchführung der Schulung benennt und dokumentiert er die jeweiligen Fachvorgesetzten mit Weisungsbefugnis, z. B. Betriebsleiter, Abteilungsleiter, Meister, Vorarbeiter.
  • Für jede spezifische Unterweisung wird eine beratende Fachkraft für Arbeitssicherheit bzw. ein Betriebsarzt bestimmt, der an der Unterweisung teilnimmt und den Fachvorgesetzten unterstützt.
  • Je nach Tätigkeitsbereich macht es Sinn, weitere Beauftragte wie Sicherheitsbeauftragte oder Beauftragte für Brandschutz hinzuzuziehen.
  • Auch der Kreis der zu unterweisenden Beschäftigten ist aufzulisten.
  • Gestalten Sie die Personenlisten im Ablaufplan in tabellarischer Form, sodass man die Schulungstermine und die erfolgte Teilnahme per Unterschrift aller Beteiligten direkt in der Tabelle dokumentieren kann.

2. Planung der Schulungstermine

  • Die erste Unterweisung muss erfolgt sein, bevor die Persönliche Schutzausrüstung erstmals zum Einsatz kommt.
  • Im Ablaufplan sind auch die nächsten Folgetermine zu planen. Diese finden mindestens einmal jährlich statt, bei Jugendlichen unter 18 halbjährlich. Zusätzlich sind Wiederholungen bei Bedarf, z. B. Neueinstellungen oder Vertretungen, durchzuführen. Sie können außerdem erforderlich sein bei wesentlichen Veränderungen der Arbeitsbedingungen, nach einem Arbeitsunfall und sonstigen Auffälligkeiten oder in Folge von Gesundheitsbeschwerden oder sicherheitswidrigem Verhalten.

3. Unterweisungsinhalte

  • Die wesentlichen Anforderungen zur Verwendung der Persönlichen Schutzausrüstung werden in einer Betriebsanweisung beschrieben und ausgehängt. Die Betriebsanweisung dient außerdem als Leitfaden für die Unterweisung und ist den Beschäftigten so zur Kenntnis zu geben.
  • Die Betriebsanweisung beschreibt die Gefahren für Mensch und Umwelt, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln sowie weitere für den Gesundheitsschutz der Tätigkeit bedeutsame Aspekte.
  • Mindestanforderung an die Unterweisung sind folgende Inhalte:
    • die für die jeweilige Art bestehenden besonderen Anforderungen der einzelnen Ausrüstung,
    • die bestimmungsgemäße Benutzung,
    • das richtige Anschlagen, Anlegen oder Befestigen,
    • die ordnungsgemäße Aufbewahrung,
    • das Erkennen von Schäden.
  • Muster-Betriebsanweisungen erhalten Sie in vielen Fällen direkt vom Hersteller der Persönlichen Schutzausrüstung.

4. Dokumentation

  • Dokumentieren Sie sämtliche Schulungstermine, die dabei eingesetzten Schulungsmaterialien sowie die Teilnehmer.
  • Lassen Sie sämtliche Teilnehmer – auch Schulungsleiter und Beauftragte etc. – die Teilnahme per Unterschrift bestätigen. Vergessen Sie nicht, die Benutzungspflicht der PSA zu integrieren. Die Beschäftigten sollten unterschreiben, dass Sie die Pflicht zur Verwendung der PSA zur Kenntnis genommen haben und ihr nachkommen.

Ein wichtiger Tipp zum Schluss:

Die Erfahrung zeigt, dass beim Einsatz der Persönlichen Schutzausrüstung vor allem ein Aspekt immer wieder zu Problemen oder gar Unfällen und Gesundheitsrisiken führt: Wenn die PSA lange Zeit im Einsatz ist, kann die Schutzwirkung der Ausrüstung nachlassen, ohne dass dies sofort erkannt wird. Solche unerkannten Mängel der Persönlichen Schutzausrüstung können z. B. beim Gehör-, Sicht- oder Atemschutz zu einer Belastung werden, die erst bemerkt wird, wenn die Gesundheit bereits nachhaltig geschädigt ist.

Ein PSA-Kataster hält Ihre Schutzausrüstung aktuell

In der Praxis kann diesem Umstand mit einem PSA-Kataster in Form einer Datenbank begegnet werden, in dem alle eingesetzten Gegenstände der betriebseigenen PSA dokumentiert sind. Tragen Sie in dieses Kataster das Ablaufdatum, typische Verwendungszeiten und andere Erfahrungswerte ein, um die PSA rechtzeitig einer Überprüfung zu unterziehen oder sie auszutauschen. Denn im Fall einer gesundheitlichen Schädigung gibt es keine Ausreden oder Entschuldigung – dann haften Sie als Arbeitgeber uneingeschränkt.

Autor: Redaktion Safety Xperts

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